Hallo neues Leben

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Ich sinke erschöpft auf den weichen, moosbedeckten Boden herab und schließe meine Augen. Ich hole tief Luft und nehme dabei den Geruch meiner Umgebung in mich auf. Frische, Kraft gebende Waldluft. Ich rieche Erde und Gras. Den ätherischen Duft von Fichten und Kiefern.

Ich habe die ganze Nacht lang den Grundstein für mein neues Leben, für meine Freiheit gelegt.

Ich hätte mir niemals zugetraut, dass ich zu so etwas im Stande bin. Dass ich körperlich dazu in der Lage bin, diese Kraft aufzubringen. Wurde mir doch immer nur gezeigt, dass ich schwach und hilflos sei.

Als das farblose Gift in dem klaren Schnaps zu wirken begonnen hatte, spürte er das etwas nicht stimmte. Er fand mich in unserem Schlafzimmer und schlug mich. Er schlug zu. Zum letzten Mal in seinem Leben. Zum letzten Mal in meinem Leben!

Ich fahre mit meiner Zunge über das getrocknete Blut an meinen Lippen. Wie oft habe ich das schmecken müssen? Wie oft hatte ich Angst? Wie oft fühlte ich mich alleine, vom Leben ausgeschlossen? Eingesperrt in einer Welt ohne Liebe.

Ich öffne meine Augen wieder und sehe auf den schmalen Bachlauf direkt vor mir. Die aufgehende Sonne spiegelt sich in den kleinen Wellen wieder, die jeder Stein welcher die starke Wasseroberfläche durchbricht, verursacht. Das Funkeln und Glitzern des Lichtes sticht in meinen Augen, dennoch neige ich mich herab, um meine schmerzenden, mit Erde beschmutzten Hände zu waschen.

Schmutz und Blut werden von dem eiskalten Wasser davongetragen. Werden aus meinem Leben gewaschen. Weit fortgetragen, an einen Ort, an den ich niemals wieder gehen werde.

Mit noch immer zitternden Knien richte ich mich auf, steige mit einem großen Schritt über den Bachlauf hinweg und trete aus dem Waldstück heraus. Die Sonne hat die Baumwipfel nun vollkommen überwunden und strahlt mir, mit ihrer vollen Kraft und Wärme in das Gesicht. Sie sagt mir Hallo! Sie sagt, Hallo, schönes Kind, willkommen in deinem neuen Leben!

Der Wind umspielt meinen, über die Jahre hinweg misshandelten Körper und zum ersten Mal seit, nein! Zum ersten Mal in meinem Leben fühle ich mich frei! Ich umschlinge meine Brust mit meinen Armen, halte mich so einen Augenblick lang einfach fest. „Hallo, neue Welt", flüstere ich und lasse eine Hand hinab auf meinen leicht angewachsenen Bauch gleiten und streichel mit einem glücklichen Lächeln darüber. „Hallo, neues Leben! Jetzt wird für uns alles gut!"


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