„Ja, das weiß ich auch noch. Du hast meinen Teddy und mein kleines Schweinchen weg geworfen und ich konnte nächtelang nicht einschlafen!“, erinnerte sich Jonas an den Verlust seiner liebsten Spielkameraden im Alter von fünf Jahren.

„Die waren dreckig, und das Schwein war nicht mehr rosa, sondern grau! Die bekam ich auch beim Waschen nicht mehr sauber, also stell dich nicht so an! Und Lucas ist sowieso viel zu alt für Stofftiere!“, antwortete Hedwig spöttisch und Jonas erhob sich.

„Ich glaube, ich besuche meinen Bruder einmal im Krankenhaus, wenn ich schon mal hier bin!“, verabschiedete er sich von seiner Mutter.

„Du könntest ruhig etwas länger bleiben! Aber es sieht dir ja mal wieder ähnlich, dass du deine Zeit lieber mit diesem Bengel verbringst! Ich möchte außerdem nicht, dass du ihn als deinen Bruder bezeichnest, denn ich habe mit ihm nichts zu schaffen, “, beschwerte sich die Mutter, jedoch Jonas schüttelte nur den Kopf und verließ das Haus. 

Dabei stieß er aus Versehen gegen den Sack voll Erde, der am oberen Ende bereits aufgeplatzt war und nun, als er umfiel, noch weiter aufriss.

Braune, feuchte Erde ergoss sich über die weißen Flurfliesen und Hedwig, die Jonas zur Türe gefolgt war, schlug die Hände über dem Kopf zusammen.

„Kannst du nicht besser aufpassen? Meine schönen Fliesen! Jetzt muss ich schon wieder putzen!“

„Viel Spaß noch,“ verabschiedete sich Jonas und er zog die Tür hinter sich zu. 

Dann begab er sich zur grauen Tonne, die bereits auf dem Bürgersteig stand, genau so, wie die Tonnen sämtlicher Nachbarn.

Offenbar wurden diese Mülltonnen am nächsten Morgen abgeholt.

Jonas öffnete die Tonne und blickte in die Augen eines kleinen schmuddeligen Stoffhundes.

„Ich glaube, dich rette ich besser einmal“, dachte er und nahm das Tierchen heraus.

„Auf den Gedanken, so was weg zu werfen kann auch nur meine Mutter kommen,“ dachte Jonas mit einem Anflug von Verachtung.

Eine halbe Stunde später betrat Jonas, nachdem er sich im Krankenhaus durchgefragt hatte, Lucas Krankenzimmer.

Zu seiner Überraschung saß seine Großmutter Johanna an dessen Bett und sie lächelte Jonas freundlich an, als er eintrat.

„Oma, du bist auch hier?“, fragte er überrascht.

„Warum denn nicht, Georg hat mich heute morgen angerufen und mir erzählt, was passiert ist! Da wollte ich nach Lucas sehen!“, antwortete sie und Jonas reichte Lucas seinen Stoffhund.

„Den habe ich....gefunden,“ sagte er und Lucas strich dem Tierchen über den Kopf.

„Danke,“ sagte er. „Den hat mir meine Mutter gekauft, als ich noch klein war. Wo hast du ihn denn gefunden, der saß doch auf meinem Bett!“

„Äh, ja, also der ist wohl beim Betten machen heraus gefallen....,“ redete Jonas sich heraus.

Schließlich sollte sein Bruder, der einen erschreckenden Eindruck auf ihn machte, sich nicht auch noch wegen des Stofftieres aufregen müssen.

„Lass den Hund besser in Zukunft nicht mehr aus den Augen, sonst kommt er noch weg,“ sagte Jonas.

„Die doofe Kuh hat ihn also weggenommen,“ stellte Lucas fest und Jonas überhörte die Beleidigung seiner Mutter.

„Ich bin mir sicher, es ist nicht mit Absicht geschehen!“, versuchte er dennoch Hedwig in Schutz zu nehmen.

„Ja, aber dafür habe ich mich mit Absicht verletzt, das hat Georg jedenfalls heute morgen vermutet!“, antwortete Lucas und Jonas sah, dass seine Großmutter den Kopf schüttelte und nach Lucas unverletztem Arm, der andere war eingegipst, griff.

„Ich glaube nicht, dass du so was getan hast, aber du solltest uns vielleicht erzählen, was tatsächlich geschehen ist!“, forderte sie ihren jüngeren Enkel sanft auf.

„Ja, sag uns, wer das war!“, stimmte Jonas seiner Oma zu. „Wir könnten zur Polizei gehen, oder wenn es irgend welche Mitschüler waren...“

Nie im Leben hatte sich sein Bruder diese Verletzungen selber zugefügt. Jedenfalls hätte Jonas nicht gewusst, wie er das gemacht haben sollte.

„Sich selber den Arm brechen, blaue Flecken im Gesicht und eine Gehirnerschütterung? Die Stiefmütterchen nicht zu vergessen...“, dachte er.

„Nein, das war kein Mitschüler von mir. Die sind zwar fast alle ätzend, aber die haben damit nichts zu tun, und Georg oder Hedwig waren es auch nicht, das hat der Arzt mich heute morgen gefragt!“, antwortete Lucas leise und starrte nachdenklich auf den kleinen Stoffhund. 

„In Wahrheit war es eine der drei Henkersstatuen, die auf dem Schulhof stehen! Die haben schon meine Mutter auf dem Gewissen und beim nächsten Mal bringen sie mich um!“, dachte Lucas und er war kurz davor, es laut zu sagen, aber die beiden sahen ihn so freundlich und mitfühlend an, wollte er das wirklich riskieren?

Sollten ihn die einzigen Mitglieder seiner neuen Familie, die er mochte, er hatte sich über die Besuche wirklich sehr gefreut, für verrückt oder sogar für einen Lügner halten?

Niemals würde ihm irgend jemand diese Geschichte glauben, er würde leider alleine mit diesem Alptraum fertig werden müssen...

„Ich kann mich nicht mehr richtig erinnern, wer das war! Auf jeden Fall niemand, den ich kannte. Es war ja auch dunkel und so. Vielleicht wollte derjenige ins Haus einbrechen und hat sich erschrocken, als ich heraus kam, um etwas....in den Müll zu werfen!“, versuchte Lucas sich heraus zu reden. 

Eine ähnliche Geschichte hatte er auch bereits dem Arzt erzählt und dieser führte Lucas Unvermögen, sich genauer zu erinnern, auf dessen Kopfverletzung zurück.

„So was kann schon mal passieren!“, hatte er gemeint und sich mit seiner Erklärung zufrieden gegeben.

„Ich weiß nicht so recht,“murmelte Johanna, sprach aber nicht weiter. 

Sorgenvoll sah sie ihren Enkel an, dann erhob sie sich. Auch die Besucher der beiden anderen Patienten, es handelte sich um zwei Jungen, die nur ein wenig älter als Lucas waren, machten sich bereit für den Aufbruch.

„Ich komme morgen noch einmal vorbei, soll ich dir was zum Lesen mitbringen?“, erkundigte sich Johanna und strich ihrem Enkel kurz über die Wange, was dieser dankbar zur Kenntnis nahm.

Auch Jonas verabschiedete sich nun, jedoch ein flaues Gefühl im Magen blieb.

Irgend etwas stimmte doch nicht.......

„Ich glaube, er kennt uns noch nicht gut genug, als dass er uns wirklich vertrauen würde, aber das ist ja auch kein Wunder,“ seufzte Johanna, als sie gemeinsam mit Jonas vor dem Krankenhaus stand.

Es hatte wieder leicht zu schneien begonnen und sicherlich würde es in dieser Nacht sehr kalt werden.

„Nein, aber ich mache mir Sorgen! Irgend etwas verschweigt Lucas uns und ich bin mir sicher, dass er ganz genau weiß, wer ihn so zugerichtet hat,“ antwortete Jonas und auf einmal kam ihm der Gedanke, dass er besser sein Schwert mitgenommen hätte....

Aber natürlich war das Unsinn! Er konnte nicht ein paar boshafte Mitschüler, denn von solchen ging er aus, mit seinem Schwert erschrecken oder bekämpfen. 

Das diente einzig und allein dem Zweck, Dämonen und insbesondere Dämonenstatuen zu bekämpfen.

Das zertrampelte Blumenbeet vor seinem Elternhaus fiel ihm wieder ein, als er sich auf dem Heimweg befand. Irgendetwas war mit diesem Blumenbeet, das ihm erschreckend vertraut erschien.....

„Dennis! Als damals die Statue der St. Andreas Kirche bei ihm auftauchte und er nur mit Mühe und Not sowie einem Versicherungsschaden entkam, sah das Blumenbeet vor seinem Haus am nächsten Tag genau so aus!

Jonas fuhr ein eiskalter Schauer über den Rücken, jedoch dann beruhigte er sich wieder. Diese Statue gab es schließlich nicht mehr, außerdem war Lucas zwar übel zugerichtet, aber nicht getötet worden und seine Seele besaß er auch noch.

Es musste etwas anderes dahinter stecken als eine Dämonenstatue, jedoch ein ungutes Gefühl begleitete ihn noch, als er Abends ins Bett ging.

Dämonische StatuenLies diese Geschichte KOSTENLOS!