„Ich hoffe ja sehr, dass dein Vater, er war vorhin bei mir im Büro, dich im Auge behält!“

Mit sichtbarem Unbehagen erinnerte Freidrich Engelmann sich an den Besuch von Georg Schneider. Dieser hatte ihn über die neuesten Entwicklungen in Lucas Leben und darüber, dass er sein Vater sei, in Kenntnis gesetzt. Auch der Vater schien über den neuen Sohn nicht allzu erfreut zu sein und hatte dem Direktor sein Leid geklagt, war aber nur bedingt auf Verständnis gestoßen.

„Dieser Mensch hat seine Frau betrogen! Ehebruch ist auch ein Verbrechen! Aber immerhin hat sich diese Anita ihm an den Hals geworfen! Sie war wirklich ein sehr schlechter Mensch! Sie wollte eine Ehe zerstören und sie war eine Diebin! Leider ist dieser Herr Schneider kein Angestellter von mir, darum kann ich ihn nicht hinauswerfen, aber seinen Sohn werde ich genau im Auge behalten. Ich bin mir sicher, er ist genau so verdorben wie seine Mutter!“, dachte der Schuldirektor und schaute Lucas drohend an.

„Lass dir hier bloß nichts mehr zuschulden kommen, ich hörte bereits, dass du und auch dein Freund Andreas Unruhestifter seid!“

„Was hat der da über deine Mutter gesagt? Die hat gestohlen?“, fragte Andy ungläubig, nachdem der Direktor sie verlassen hatte.

„Ich weiß es nicht genau. Ich glaube es eigentlich nicht,“ antwortete Lucas, jedoch er war sich seiner Sache eigentlich ziemlich sicher. Seine Mutter hatte Geld gestohlen um ihm eine Jacke zu kaufen und deshalb hatte der Direktor eine der Statuen geschickt um sie zu töten.

„Hätte ich ihr doch nur nicht diese blöde Jacke gezeigt und ihr gesagt, dass sie mir gefällt, dann würde sie jetzt noch leben,“ dachte er unglücklich. 

Schweigend verließ er die anderen, am liebsten hätte er die Schule verlassen und wäre nach Hause gegangen. Vielleicht sollte er einfach sagen, er würde sich nicht wohl fühlen? Gelogen wäre es immerhin nicht.

„Lucas, jetzt warte doch mal!“, rief ihm Andy hinterher und gemeinsam mit Meike folgte er ihm, während Sabrina bei den Statuen zurück blieb.

„Die sind wirklich sehr unheimlich, ich kann schon verstehen, dass jemand denken könnte, die würden lebendig werden,“ dachte sie.

„Die sind so lebensecht gearbeitet worden, man sieht zwar nicht die Gesichter der Henker, dafür aber ihre Fingernägel und die scheinen sogar Haare auf den Armen zu haben!“

Nun sah sie sich den knienden Jungen an. „Du siehst auch lebendig aus, wenn du nicht aus Stein wärst, dann würde ich denken, dass du dich jeden Moment zu mir umdrehen würdest!“, sagte sie in Gedanken und trat noch einen Schritt näher an die Statue heran.

Diese war wirklich sehr realitätsnah gefertigt worden, auf einer Wange glaubte sie eine winzige Narbe zu erkennen, an einer Hand sah sie eine Schürfwunde.

Das alles sah ihr allmählich zu realistisch aus und sie wandte sich ab und folgte den anderen.

Jedoch nicht nur Sabrina und ihre Freunde hatten die Statue beobachtet.

Auch Nadja, Franziska, Gabriela und Jennifer, die Sabrina in dieser Pause nicht aus den Augen gelassen hatten, da sie sich an ihr rächen wollten, immerhin hatten sie ihretwegen die gesamten Ferien unter Hausarrest und Taschengeldentzug gelitten, sahen sich nun die Statuen ein wenig genauer an.

„Die sind echt gruselig,“ stellte Nadja fest und sie zitterte ein wenig, was nicht nur an den kalten Wintertemperaturen lag.

„Stimmt, und es ist wirklich saukalt!“, lachte Gabriela und zog ihre Mütze aus. Diese zog sie der Statue des Jungen auf den Kopf. 

„Hier, damit du armer Kerl nicht auch noch frieren musst, wenn sie dir deinen Kopf abschlagen!“

Jennifer und Franziska kicherten, jedoch auch sie schlangen ihre Arme um sich. 

Sie trugen beide kurze Oberteile und ebenso kurze Jacken, so dass ein Großteil ihres Rückens und ihres Bauches trotzt des kalten Winterwetters unbedeckt blieb. Zwar froren sie so zum Gotterbarmen, aber was machte das schon? Dafür sahen sie klasse aus und die Jungs sahen ihnen nach, auch wenn Jennifer am Morgen die deprimierende Erfahrung hatte machen müssen, dass Mirko, ihr eigener Freund, sie spöttisch angesehen und „Ist dir nicht kalt?“, gefragt hatte.

„Ich finde die Henker sehen so grimmig aus, die sind so grau und gruselig, da muss ein wenig Farbe rein,“ kicherte Franziska und sah sich um.

Es hatte bereits zur nächsten Stunde geläutet und mittlerweile befanden sich kaum noch Schüler auf dem Pausenhof.

„Passt mal auf, dass keiner guckt, ich mache dem mit dem Schwert mal eine Freude, der steht am günstigsten!“, lachte sie und die anderen beiden sahen sie fragend an. Schnell öffnete sie ihre teure Umhängetasche, die genau zu ihrem knappen pinkfarbenen Jäckchen passte und zog eine Flasche mit Nagellack heraus.

Sie schraubte das Flächschen auf und begann, die Fingernägel der mit dem Schwert bewaffneten Statue zu lackieren.

„So das sieht doch schön aus, ich finde, pink ist genau seine Farbe,“ lachte Franziska, während Gabriela der knienden Statue wieder die Mütze abnahm.

„So, du hast dich jetzt genug aufgewärmt, die nehme ich jetzt wieder,“ sagte sie und zog das Kleidungsstück wieder an.

Die Mädchen betrachteten die Henkersstatue mit den pink lackierten Fingernägeln.

„Das haben wir gut gemacht, bestimmt freut sich der Engelmann, wenn er sieht, wie lieb wir zu seinen Statuen sind!“, kicherte Franziska und die Mädchen beeilten sich, zu ihrem Klassenraum zu kommen.

Dämonische StatuenLies diese Geschichte KOSTENLOS!