23.- Lichter

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«can you feel, can you feel my heart?»

Ich spüre das Licht schon auf meiner Haut, bevor ich meine Augen öffnen, um es zu sehen. Über mir ist immer noch der Sternenhimmel zu sehen und ich frage mich, wo das helle Licht herkommt. Langsam stütze ich mich auf, verwundert dass ich irgendwie doch noch da bin. Doch als ich meinen Kopf ein wenig zur Seite drehe, erkenne ich die Quelle des Lichts. Es ist eine Taschenlampe. Gelbe Regenstiefel. Angus sitzt auf der Hollywoodschaukel neben mir und spielt mit einer Taschenlampe. "Angus?", frage ich. Meine Stimme hört sich immer noch gleich an. "Tach Shay, schön dich wiederzusehen." "Also bist du auch... Tot?" Das ist das einzige, was mir gerade durch den Kopf schießt. Ein Lächeln legt sich auf seine Lippen und er klopft auf den freien Platz neben sich. Ich stehe langsam auf, meine Schritte fühlen sich auch noch genauso an wie vorher und ich lasse mich neben ihn fallen. Langsam schaukeln wir nach vorne und nach hinten. "Nein.", sagt er schließlich und ich schlucke. "Ist es... Ist es vorbei?", möchte ich wissen. Meine Stimme ist so leise, dass es mich wundert , dass er meine Frage überhaupt verstanden hat. "Nicht wirklich", antwortet er ruhig und schaut mir in die Augen. Tränen steigen in mir auf, brennen wieder in mir. Sofort fange ich an zu weinen. "Aber... Aber ich hab" Angus nimmt meine Hand in seine und ich sehe auf meine Arme hinunter. Da ist nichts. Kein Blut. Keine Narben. Sie sehen schön aus. So wie sie hätten sein sollen. "Was..." Doch Angus unterbricht mich. "Shay, deine Geschichte ist noch nicht vorbei. Und das weißt du. Und du willst auch gar nicht, dass sie vorbei ist. Hör auf den Herz. Es ist noch da. Dein Herz ist noch da." Und tatsächlich spüre ich in dieser Sekunde mein schlagendes Herz so fest wie noch nie zu vor in meiner Brust. Ich stoße die Luft aus meinen Lungen, klammer mich an seinen rauen Händen fest. Für einen kurzen Moment schließe ich die Augen und mein Kopf sinkt auf seine Schulter. Das Taschenlampenlicht fällt wieder auf mein Gesicht, doch als ich meine Augen öffne, sitze ich nicht mehr auf der Schaukel. Grelles Licht fällt von oben auf mich hinunter, fremde Menschen in einem kleinen, engen Raum um mich herum. Irgendjemand ruft etwas, doch da fallen meine Augen wieder zu.

"cherry lips, crystal skies, I could show you incredible things." Das ist es, was ich als nächstes höre. Ich lasse meine Augen geschlossen und höre Taylors Stimme. Ich frage mich nicht, woher sie kommt. Ich möchte nicht wissen wo ich bin. Ich bin nur froh, dass sie es ist, die mich begrüßt, wo auch immer ich bin. Doch diese Ruhe und Zweisamkeit hält nicht lange an, denn irgendwo vor mir geht die Tür auf und jemand macht die Musik aus. Es bleibt mir ja gar nichts anderes übrig, als denjenigen mit einem wütendem Blick zu strafen, der Taylor Swift ausmacht. Vielleicht würde ich jetzt das erste mal einen Engel sehen? Gibt es die?
Meine Sicht ist verschwommen, doch das regelt sich nach ein paar mal blinzeln und ich starre auf die weiße Wand vor mir. Ich liege in einem Bett, in einem fremden Bett. Meine Stimme ist zu schwach, mein Hals zu trocken, als nur einen einzigen Ton heraus zu bekommen, dabei möchte ich schreien. Stattdessen versuche ich mich aus der Bettdecke zu befreien, die an beiden Seiten in das Bett gesteckt ist und damit das perfekte Gefängnis für meinen Körper bildet. "Herrje", sagt plötzlich eine Stimme und der jemand beugt sich über mich. Es ist eine ältere Dame mit kurzen Haaren und ich runzle die Stirn. "Sie sind wach! Jetzt ganz ruhig bleiben" Tränen steigen in mir auf und rollen meine Wangen hinunter, trüben meine Sicht erneut. "Was", krächze ich schließlich. "Psst, ganz ruhig, Miss, alles gut" Die Frau löst die Bettdecke und setzt sich neben mich. Beruhigend fährt sie mir über die Haare und ich versuche weiter zu atmen. "Was... Wo", frage ich ein weiteres Mal, da nichts besseres aus meinem Mund zu kommen scheint. "Sie sind im St Thomas Hospital, London. Es ist Samstag, der 22. Juli, Nachmittag. Atmen Sie ganz ruhig. Tief ein und aus." "Aber... Aber" Ich kann nicht glauben, immer noch hier zu sein. Ich habe mich umgebracht. Ich hab mir die verdammten Pulsschlagadern aufgeschnitten. Ich hab das Blut gesehen, gerochen, gespürt. Ich habe geschrien und meine Augen geschlossen und ich war tot. Ich muss tot sein. Ich muss doch tot sein.
"Der Nachbar hat sie schreien gehört und sofort die Polizei und den Krankenwagen gerufen. Er ist über den Gartenzaun geklettert."
Ich sinke in mein Kissen zurück und starre an die Decke, während die Frau mir immer noch über die Haare streicht. "Wollen Sie mir Ihren Namen verraten?"
Ich schlucke. "Shay Marchand." "Nun Shay, wollen Sie mir eine Nummer von einem Angehörigen geben?"
"Sie können meine Schwester anrufen.", antworte ich immer noch mit trockener Stimme. "Gut, verraten Sie mir noch die Nummer?"

All I ever feel (Aidan Turner ff)Lies diese Geschichte KOSTENLOS!