Lied: Astrid S - Hurts so good

,,Hannah!", ruft Luke nachdem ich diesen unheimlichen Flur verlassen habe und kommt auf mich zugelaufen. An der Tür hält er an und lässt seine Sporttasche auf den Boden fallen. Tyren scheint wie vom Erdboden verschluckt und wahrscheinlich ist es erstmal besser, nicht mit ihm über diese Sache zu reden. Mein Puls rast, was hauptsächlich an meinem schlechten Gewissen liegt.

,,Was sollte das?", fragt er ernsthaft besorgt und fährt sich durch seine wüst abstehenden Haare. Ich öffne meinen Mund, nur um ihn sofort wieder zu schließen. Schweigend zucke ich mit den Schultern und denke an den Brief, den ich zufällig gefunden habe. Allerdings hält mich irgendetwas davon ab, ihn Luke auszuhändigen. Es scheint mir nicht der richtige Ort und Zeitpunkt dafür. ,,Wir sollten wann anders darüber sprechen. In Ruhe", äußere ich mit leicht gesenktem Blick.

Das stetig wachsende Unwohlsein kann ich nur so in meinen Adern spüren. Wenn ich wenigstens wüsste, ob Tyren damit klar kommen wird. Die beiden sind die besten Freunde und ich würde mich nie wirklich wohl fühlen, sollten sie gleichzeitig in meiner Nähe sein. ,,Muss ich mir Sorgen machen?".
Mit zusammengepressten Zähnen sehe ich ihn an und schüttle nur den Kopf:

,,Nein, das musst du nicht."

Einige von Lukes' Kollegen gehen bereits schulterklopfend an ihm vorbei und begrüßen ihn mit einem festen Handschlag, die er allerdings eher halbherzig entgegennimmt. ,,Ich werd' dann mal. Bis Morgen". Schnell stelle ich mich auf die Zehenspitzen und hauche ihm einen Kuss auf die Wange. ,,Bis Morgen", erwidert er verwirrt und zieht mich in eine kurze Umarmung, die ich mir für einen Moment erlaube zu genießen.

Mit einem allerletzten Lächeln, verschwinde ich Richtung Hauptgebäude und versuche zumindest für die restlichen drei Vorlesungen meine Konzentration auf den Stoff zu richten. Dabei habe ich immer mehr das Gefühl, dass vielleicht Tyren diesen Brief verloren hat. Ich konnte ihn zwar nirgendswo finden, aber er ist in dieses Gebäude gegangen. Da bin ich mir zu hundert Prozent sicher.

Auf dem Weg über den Campus rüber zu meinem Literaturkurs, schicke ich Scott eine Nachricht, dass er mich mal wieder nicht abholen braucht und erkläre ihm gleich den Grund dafür. Mittlerweile ist es mir schon mehr als unangehem ihm jedes Mal absagen zu müssen. Außerdem vermisse ich sein leckeres Mittagessen, was meistens in der Küche bereit steht, sobald ich nach Hause komme. Wenigstens kann ich so einem erneuten Gespräch erstmal ausweichen.

***

,,Ich bin echt froh dich hier zu haben Hannah. Mein Modegeschmack ist nicht unbedingt gut. Und ich will für Marcus perfekt aussehen." Manila hält vor einem türkisfarbenem, langen Kleid was an den Schultern hochgeschlossen ist. An der Taille befinden sich vereinzelt bunte Steinchen.
,,Was hältst du davon?", fragt sie unsicher und nimmt es von der Stange ab. Skeptisch mustre ich es von oben bis unten und schüttle dann den Kopf.

,,Die Farbe ist nichts. Man wird dadrin kaum deine Schultern sehen und ich bin mir sicher, dass du die ruhig zeigen kannst."
Suchend schaue ich mich in dem riesigen, leicht überteuerten Geschäft für Ballkleider um. Hier gibt es viele schöne Kleider, die ich mir allerdings nie leisten könnte. Kein Wunder in einer Gegend, in der es Uhren von Cartier oder Schuhe von Prada zu kaufen gibt.
,,Wie wäre es mit dem hier?". Ich greife nach einem dunkelblau leuchtendem Kleid. Der Schnitt ist sehr figurbetont und macht durch den tollen glitzernden Gürtel eine schmale Taille. Dazu ist es schulterfrei und die Farbe kann Manila definitv gut tragen.

,,Meinst du? Ich meine es ist wunderschön, aber nicht zu übertrieben?". Ich verdrehe die Augen und halte ihr das Preisschild entgegen: ,,Das einzige was hier übertrieben ist, ist das hier; 2,600 $. Wenn der Gürtel nicht mit Diamanten bestickt ist, dann verstehe ich die Welt nicht mehr."
Manila nimmt es mir mit einem unterdrückten Grinsen aus der Hand und fühlt nach dem Stoff: ,,Du hast mich überzeugt. Es kann ja nicht schaden es einmal anzuprobieren. Und sollte ich es nehmen, zahlen zum Glück meine Eltern alles. Sie freuen sich schon seit ich ein kleines Kind bin auf diesen Tag."

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