Lied: Zayn ft. Taylor Swift - I don't wanna live forever

Sprachlos sehe ich sie an. Mein Körper bebt und am liebsten würde ich auf der Stelle verschwinden. Ihr stetiges, eindringliches Starren macht die ganze Sache nicht besser. ,,Sara i-ich.. woher weißt du es?", frage ich kleinlaut und senke den Blick. Ich kann ihr nicht länger in die Augen schauen. Es tut mir in der Seele weh ihr ohne weiteres die ganze Zeit über mitten ins Gesicht gelogen zu haben.

Natürlich hätte ich damit rechnen sollen, dass sie es früher oder später rausbekommt. Mir wäre später allerdings lieber gewesen. ,,Du gibst es also zu...", entgegnet sie fassungslos und fährt sich über's Gesicht. ,,Und ich dachte wir wären Freunde. Scheinbar habe ich mich geirrt. Freunde sind schließlich ehrlich zueinander...", mit diesen Worten dreht sie sich um und ist genauso schnell weg, wie sie gekommen ist. Im vorbeigehen sieht sie Luke noch einmal an und tippt gleichzeitig eine Nummer in ihrem Handy ein, als sie komplett in der Menschenmasse verschwindet.

Völlig neben mir presse ich meine Hand auf den Mund und versuche ein Schluchzen zu unterdrücken. Gerade wo ich dachte, dass sich meine kleine, schreckliche Welt etwas bessert, wird sie durch den nächsten Supergau wieder zerstört. Tränen sammeln sich in meinen Augen, die sich heiß in sie hineinbrennen und mir die Sicht nehmen. ,,Hannah..", Luke taucht vor mir auf und nimmt mich schweigend in den Arm. Allmählich leert sich der Gang und bis auch der Letzte in seine wohlverdiente Pause verschwindet, bleiben wir beide noch so stehen.

Die Zeit scheint an uns vorbeizurasen. Luke stellt währenddessen keine einzige Frage. Wenn er wüsste wie froh ich bin, ihn gerade bei mir zu haben. Das klingt selbst für eine Einzelgängerin wie mich abwegig.
,,Müssen denn alle Entscheidungen, die ich treffe falsch sein?", nuschle ich an sein Shirt und wische mir eine Träne aus dem Augenwinkel. Langsam löse ich mich von ihm und atme mehrmals tief ein und aus.

,,Nicht alle", antwortet Luke mir auf meine Frage und drückt mir einen Kuss auf die Stirn.
,,Komm, du siehst hungrig aus. Wir sollten etwas essen gehen", höre ich ihn bestimmt sagen, während er nach meiner Hand greift und seine Finger mit meinen verschränkt. Man sollte meinen, dass mich seine Berührungen mittlerweile nicht mehr so nervös machen, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Jedes Mal aufs neue durzuckt ein Stromstoß meinen Körper, der selbst auf meiner Kopfhaut ein Prickeln auslöst.

,,Willst du gar nicht wissen, was Sara von mir wollte?", frage ich Luke auf dem Weg in die Mensa. Mich lässt der Gedanke nicht los, dass sie es irgendjemandem erzählen könnte. Was würde dann wohl passieren? Die Leute würden Fragen stellen auf die ich ihnen keine Antwort geben darf. Scott wird davon Wind bekommen und ich werde von der Bildfläche verschwinden. Als hätte es mich nie gegeben.

,,Du wirst es mir schon erzählen, wenn du soweit bist", entgegnet Luke und lächelt mich an. Zwar beschäftigt mich die Tatsache, dass Sara meinem Geheimnis auf die Spur gekommen ist, jedoch macht mir zusätzlich ein ganz anderes Problem zu schaffen. Jeder Schritt Richtung Mensa stellt die reinste Qual für mich dar. Bis wir vor der großen Doppeltür halten, schlägt mir mein Herz bereits bis zum Hals.

,,Ich glaube mir wird gleich schlecht", stelle ich fest und fasse mir an den Bauch. Die Mensa ist um diese Zeit mehr als voll und ich kann mir gut vorstellen, wie viele hunderte Augenpaare uns gleich mustern werden, sobald wir sie betreten. ,,Wir können auch woanders hingehen", sagt Luke verständnisvoll und zieht mich an die Seite, um den anderen Studenten nicht den Weg zu versperren. ,,Nein! Nein..ist ok. Halt mich einfach nur fest, sonst kippe ich noch um. Glaub mir, meine Beine fühlen sich an wie Wackelpudding."

Auf seinen Lippen bildet sich ein breites Grinsen. Leider kann ich überhaupt nicht nachvollziehen, was daran so amüsant sein soll. ,,Hör auf so blöd zu grinsen", sage ich leicht eingeschnappt und seufze.

Zeugenschutzprogramm (#Lichteraward2017)Lies diese Geschichte KOSTENLOS!