Lied: Wincent Weiss - Nur ein Herzschlag entfernt

Teil 4

,,Wie meinst du das?", er lässt mich langsam los und sieht mich dann an. Mein Herz schlägt mir bis zum Hals, allein bei dem Gedanken daran ihm gleich mein größtes Geheimnis zu offenbaren. Angesichts der jetzigen Situation ist das eine mehr als schlechte Idee, aber ich will es mir von der Seele sprechen. Und Luke scheint genau der Richtige dafür zu sein.

,,Das ist eine lange Geschichte."

,,Ich habe Zeit", sagt er verständnisvoll und lächelt leicht. ,,Ok.., aber nicht hier. Es soll sonst niemand mitbekommen. Können wir vielleicht zu dir gehen?", frage ich vorsichtig, da es mir unangenehm ist.
,,Sicher", entgegnet er, ohne weitere Fragen zu stellen. Er möchte nicht wissen, warum ich es ihm nicht an Ort und Stelle erzähle? Es ist weit und breit kein einziger Mensch zu sehen, warum also woanders?

Wenigstens akzeptiert er meine Entscheidung. ,,Danke", hauche ich mehr als erleichtert und schließe für einen Moment meine Augen. ,,Hannah, es bedeutet mir sehr viel, dass du mir zugehört hast. Ich habe einen schrecklichen Fehler gemacht, den ich nie wieder gut machen kann. Trotzdem bleibst du und verurteilst mich nicht. Das weiß ich wirklich zu schätzen."

Ohne ein weiteres Wort zu sagen, nicke ich ihm mit einem schwachen Lächeln zu und gemeinsam gehen wir schweigend zurück die Straße zu ihm nach Hause. Für heute hat er definitiv genug gelitten und wie er schon gesagt hat;
Jeder Mensch verdient eine zweite Chance.
Das musste ich bei Mackenzie ebenfalls feststellen, nachdem sie mich vor Noah gerettet hat. Unglaublich, dass das ein und die Selbe Person war.

,,Ihr seid wieder da?", fragt Lukes' Mutter uns irritiert, nachdem wir den Flur betreten. ,,Scheint so." Luke legt den Schlüssel auf die Ablage und zieht die Schuhe aus. Seine Mutter verdreht kaum merklich die Augen und tippt irgendetwas in ihrem Handy ein. Kann diese Frau eigentlich ohne dieses Teil leben?

,,Na gut. Falls ihr Hunger habt, könnt ihr euch ja etwas bestellen. Geld liegt auf der Arbeitsplatte in der Küche." Das laute Klingeln ihres Handys unterbricht sie kurzzeitig. ,,Tut mir leid, aber da muss ich dran." Mit einer überschwänglichen Handbewegung nimmt sie den Anruf entgegen und verschwindet sofort wieder.

,,So geht das ständig. Deshalb bin ich auch ganz froh, in ein paar Monaten meine eigene Wohnung zu haben", äußert Luke und deutet in Richtung Küche. ,,Was möchtest du essen? Asiatisch? Italienisch? Griechisch?", fragend hebt er eine Augenbraue und greift nach dem Telefon. Das hört sich alles verdammt gut an, zumal ich heute kaum etwas gegessen habe.

,,Griechisch klingt nicht schlecht. Ich nehme einen großen Gyros-Teller mit extra Pommes", sage ich schnell und kassiere von Luke dafür einen komischen Blick. ,,Was?", nervös ziehe ich beide Augenbrauen zusammen.
,,Nichts", erwidert er mit einem breiten Grinsen und kramt einen Zettel aus eine der unzähligen Schubladen heraus.

,,Jetzt sag schon!", ich haue ihm gegen den Oberarm und verziehe meine Mundwinkel.
Er schüttelt nur den Kopf, dabei immernoch ein Lächeln auf den Lippen: ,,Es gibt endlich mal jemanden in diesem Haus, der nicht auf seine Figur achtet."

,,Wieso, tun das alle bei euch?"

,,Wenn du damit meinen Vater und meine Mutter meinst, ja. Normalerweise kocht er immer für uns, sollte er nicht gerade unterwegs sein, aber falls er nicht da ist, bestelle ich mir meistens was, während meine Mutter an Gemüse knabbert. Neben denen komme ich mir vor wie die reinste Fressmaschine."

Ich lache kurz laut auf und weiß im Nachhinein selbst nicht, warum. Daran war rein gar nichts lustig. ,,Naja, dafür bin ich da. Du wirst mir nicht glauben, wie viel in mich hineinpasst. Und jetzt ruf bitte beim Griechen an, ich sterbe vor Hunger." Theatralisch hebe ich eine Hand an die Stirn und vergesse für einen kurzen Augenblick, dass ich Luke bald mein wahres Ich offenbaren werde. Mein größtes Geheimnis.

Zeugenschutzprogramm (#Lichteraward2017)Lies diese Geschichte KOSTENLOS!