Lied: Fifth Harmony - No way

Teil 1

Mir viel es nie wirklich einfach, alles hinter mir zu lassen. Menschen, in der wenigen Zeit, die ich an einem Ort verbracht hatte, ohne ein weiteres Wort zu verlassen. Jedes mal, stellt es für mich einen großen Akt dar. Es macht mich fertig, doch dieses mal, zerreißt mich allein der Gedanke daran innerlich.

,,Es steht noch nichts fest". Scott dachte gestern Abend vermutlich, dass mich das auf irgendeine Art und Weise aufmuntern würde. Dass es mir dadurch besser geht. Aber das tut es nicht. Lauter als beabsichtigt knalle ich meine Spindtür zu und seufze einmal schwer. Einige Studenten mustern mich komisch, doch das ist mir egal.

Sollen sie ruhig gucken. Ich bin sowieso nicht mehr lange hier. Würde es nach mir gehen, wäre ich schon längst in Tränen ausgebrochen. Wer hätte denn auch damit rechnen können, dass sich nach all den Jahren ein Verräter unter den Polizisten befindet? Vermutlich beim FBI ebenfalls?

Mit einem dicken Kloß im Hals richte ich mich auf und werfe mir die Tasche über die Schultern, als ich bereits von weitem Tyren ausmachen kann, der hilflos an der Wand im Flur rumsteht und mir einen verzweifelten Blick zuwirft. Er möchte mit mir reden, das sehe ich ihm sofort an. Jedoch habe ich momentan keinen Kopf dafür.

Statt auf ihn zu zugehen, drehe ich mich um und laufe in die entgegengesetzte Richtung. Heute habe ich zum Glück nur fünf Stunden und dann kann ich mein wohlverdientes Wochenende genießen, sofern das unter diesen Umständen überhaupt möglich ist. ,,Hannah, warte, bitte!", höre ich Tyren hinter mir rufen und beschleunige meinen Schritt sofort. Er taucht neben mir auf und hält meinem Tempo locker mit, was für seine langen Beine ein leichtes ist.

,,Du gehst mir aus dem Weg", stellt er fest und sieht mich von der Seite an. Ach wirklich? Wäre ich im Leben nicht drauf gekommen.

,,Gut erkannt", entgegne ich knapp und starre stur auf den Boden vor mir, während ich die schwere Tür nach draußen zum Campus öffne. Tyren hilft mir netterweise dabei. Mein Puls schießt immer weiter in die Höhe. Auf seiner Geburtstagsfeier habe ich die Kontrolle verloren und Dinge gesagt, die lieber nicht meine Lippen hätten verlassen sollen.

,,Jetzt bleib doch bitte kurz stehen", höre ich ihn ruhig sagen und halte nur widerwillig am unteren Ende der Treppe, die zum Haupteingang führt. Er tritt vor mich und atmet kaum merklich aus.

,,Ich mache mir Sorgen um dich. Du wirfst mir auf der Party Sachen an den Kopf, die ich nicht im geringsten verstehe und mich ehrlich gesagt ziemlich beunruhigt haben. Im Krankenhaus, nachdem Ella angeschossen wurde, warst du tagelang verschwunden. Und zusätzlich, hat dich Noah gestern...", er stockt und ballt seine Hände zu Fäusten. Mein Körper spannt sich an. Zeitgleich wandern meine Finger an die Stellen an meinem Bauch, die heute früh deutlich blaue Flecke zum Vorschein gebracht haben.

Mir brennen bereits Tränen in den Augen. Wie gerne würde ich Tyren alles erzählen. Doch ich kann es nicht tun. In ein paar Monaten, wird vermutlich auch er nur einer der unzähligen Namen auf einer endlos langen Liste von Menschen sein, die ich einst mal gekannt habe.

Sollte der Psycho nicht bereits morgen schon vor meiner Tür stehen.

,,Hast du ein Geheimnis, was dich dein Leben lang verfolgen wird Tyren? Das dich so geprägt hat, dass es ständig in deinem Kopf herumschwirrt. Sich dort eingenistet hat und mit jedem weiteren Tag der vergeht einen Teil von dir auffrisst? Das dich Nachts nicht richtig schlafen lässt und nur bei dem kleinsten Gedanken daran in ein tiefes, schwarzes Loch zieht?", frage ich ihn mit bebender Stimme und warte eine Antwort ab.

Zeugenschutzprogramm (#Lichteraward2017)Lies diese Geschichte KOSTENLOS!