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Ein Surren schlich sich in meine Halbschlafträume und schwoll neben meinem linken Ohr an. „Blöder Moskito", brummte ich und schlug danach.

„Aua, bist du völlig von Sinnen?"

Was zur Hölle ... ein sprechender Moskito?

Schwerfällig blinzelte ich gegen das einfallende Sonnenlicht und versuchte mich zu orientieren. Die Erinnerungen an gestern Abend prasselten wie Steine auf mich nieder. Ich war nicht in Budapest, ich war ... wo auch immer. Im Immernimmerland. In einer alten Villa mit hohen Decken und ein paar seltsamen Bewohnern. Doch das war nicht das, was mir so sehr schockierte. Nein, die leuchtende Fee, die vor meiner Nase umherschwirrte und dabei auf mich ein schimpfte, als wäre ich der Antichrist höchstpersönlich, war dagegen viel sonderbarer. Das war mit Abstand die bestgekleidete Fee, die ich je in meinem Leben gesehen hatte! Na schön, sie war auch die einzige, die ich je zu Gesicht bekommen hatte. Jedoch hatte ich vermutet, dass die in selbstgebastelten Blätterkleidchen daherflatterten und nicht in einer topmodernen Skinny-Jeans-Crop-Top-Kombination.

„Du dumme Nuss, du", zeterte sie gerade und richtete sich dabei ihren blonden Dutt. Ihre Stimme war so glockenhell, dass ich mich konzentrieren musste, um sie zu verstehen. „Das hat wehgetan. Wenn das Sam erfährt, dann schmeißt er euch umgehend wieder raus."

Ich petzte die Augen zusammen, um die Fee näher zu mustern. Träumte ich noch? Oder war ich nun endgültig und unwiderruflich verrückt geworden?

„Nein, du träumst nicht", beantwortete sie meine Frage.

„Du kannst Gedanken lesen?", quiekte ich. Erschrocken wich ich ein Stück zurück und hielt mir die Hände vor den Mund.

Sie verdrehte die Augen, als hätte sie es mit einem uneinsichtigen Kind zutun. „Nein, natürlich nicht. Aber deine Gedanken sind dir förmlich ins Gesicht geschrieben."

So. Na dann.

Ohne ein weiteres Wort an mich zu verschwenden zischte sie aus der halb geöffneten Tür. Gähnend rieb ich mir den letzten Schlaf aus meinen Augen. Was für ein Morgen. „Benci, wach auf", murmelte ich und befreite mich aus seinem Klammergriff.

„Ich möcht' noch nicht in den Kindergarten", brummte er.

„Musst du auch nicht."

Zack – neugierig ging ein Auge auf. „Wirklich nicht?"

„Wirklich nicht", bestätigte ich. „Ich glaube, dass es in ganz Immernimmerland keinen Kindergarten gibt. Komm, ich ziehe dich an."

Fort war Bences Müdigkeit. Mit großen Augen rappelte er sich auf und sah sich im Schlafzimmer um. Auch ich hatte in dem ganzen Stress noch keine Zeit gehabt, mich genauer umzuschauen. Wir hatten in einem Doppelbett aus massivem Eichenholz geschlafen. Auch in diesem Zimmer rollte sich bereits die barocke Tapete von den Wänden. Außer dem Bett war nur ein großer, mit Schnitzereien verzierter Kleiderschrank zu sehen, der direkt neben einem bodentiefen Fenster stand. Das würde ich mir gleich genauer ansehen, allerdings war jetzt erst Bence dran!

„Hände nach oben", sagte ich und zog ihm erst seinen Pulli, dann das T-Shirt über den Kopf. Wir hatten immer noch die gleichen Klamotten an, die wir gestern getragen hatten, da ich zu erschöpft gewesen war, um uns umzuziehen.

„Adri, sind wir in London?" Der Knirps hüpfte aufgeregt auf dem Bett herum, während ich mich auf die Suche nach meinem Rucksack machte. Unter dem Bett wurde ich fündig.

Ich zuckte mit einer Schulter und wühlte indes nach seinen Sachen. „Nein, Großer. London ist weit, weit weg. Wir sind im Immernimmerland."

„Ist das auch in England?", bohrte er weiter und schälte sich aus seiner Jeans. Dabei verlor er das Gleichgewicht und plumpste auf die Matratze.

Ein Himmel aus Asche und ScherbenLies diese Geschichte KOSTENLOS!