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Eine Staubwolke stob um meinen Körper und rieselte ganz sachte daran hinab. Ich blinzelte angestrengt und registrierte viel zu spät, dass ich in einer riesigen Dreckpfütze stand, die mir bis zu den Knöcheln reichte.

„Igitt!" Mit dem Gesicht zu einer Grimasse verzogen watete ich hinaus und sah mich um. Wir befanden uns in einer Höhle. Das ließen zumindest die hohen Steindecken und die spitzen Stalaktiten, die daran herunterragten, vermuten.

„Alles in Ordnung?", rief Sam. Die Wände gaben seine Stimme um ein Vielfaches wider und ich vermutete, dass die Höhle verdammt groß war.

„Nein, ist es nicht", zischte ich leicht hysterisch. „Wo sind wir?"

Sam wirkte völlig unbeeindruckt, als er auf mich zukam und mir die Hand entgegenhielt. Ich ignorierte sie geflissentlich. Außerdem hätte ich ohnehin keine Hand frei gehabt, da Bence noch immer wie ein Stein in meinen Armen schlummerte. Die letzten Stunden waren anstrengend gewesen und ich bezweifelte stark, dass wir in nächster Zeit ein bisschen Ruhe finden würden.

Langsam sank seine Hand, stattdessen breitete sich ein spitzbübisches Grinsen auf seinem Gesicht aus. Dabei sah er ein wenig aus wie ein Schuljunge, der etwas ausgefressen hatte. „Im Inneren der Totenkopfhöhle. Eigentlich ist das hier Piratenterritorium, allerdings haben wir momentan Ebbe und ..."

„Moment, Moment – Piratenterritorium?", unterbrach ich ihn und blieb wie vom Blitz getroffen stehen. Meine Stimme hallte zunächst an den hohen Decken, dann schrill in meinem Kopf wider.

„Ja, hast du etwa Angst?" Sams blonde Augenbrauen wanderten belustigt nach oben. Ich fragte mich, warum er nicht einmal etwas ernst nehmen konnte und wollte es ihm mit gleicher Münze heimzahlen.

„Natürlich nicht, zu meinen besten Freunden gehören Piraten. Genauso wie Feen und ein paar Orks", brummte ich sarkastisch. „Was geht nur in deinem Kopf vor?"

„Was sind Orks?" Nun schien er ehrlich irritiert.

„Ist das alles, was du dazu zu sagen hast? Ach vergiss es. Wie sind wir überhaupt hierher gekommen?"

Eben hatte ich noch in einer versifften Kneipe gestanden und jetzt, waren Bence und ich irgendwo im Nirgendwo.

„Das war ein Portal. Cool, oder?"

„Total cool", brummte ich und tappte prompt in eine weitere Dreckpfütze. „Was hast du jetzt vor? Wo sollen wir hin?"

"Ihr kommt mit mir nach Hause."

"Wir kennen dich nicht. Das ist absolut verrückt. Oh mein Gott, ich ..." Bekam eine Panikattacke. Mit einer Hand hielt ich Bence fest, die andere presste ich mir aufs Herz. Jetzt nicht durchdrehen, nicht durchdrehen.

„Alles okay bei dir? Du siehst so blass um die Nase aus." Sam kam auf mich zu und drückte seine Hand auf meine Stirn. „Dschungelfieber hast du nicht."

„Geh weg", keuchte ich, versuchte meine Atmung und mein rasendes Herz wieder zu beruhigen. Ein und wieder ausatmen. Ganz einfach. Ein und aus. Ein und wieder aus.

Aber Sam ging nicht weg. Er blieb bei mir bis meine Panik abgeebbt war und mein Körper wieder normal funktionierte.

„Geht's wieder?"

„Ja, ich glaube schon. Lass uns einfach aus dieser Höhle verschwinden."

„Da bin ich dabei."

Wir stapften über spitze Felsen und einzelne Pfützen hinweg in Richtung eines fahlen Lichts, das sich durch eine Felsspalte ergoss. Ich musste mich konzentrieren, um nicht den Halt zu verlieren oder auszurutschen. Sam hingegen schritt so leichtfüßig darüber hinweg, als hätte er sein ganzes Leben nichts anderes gemacht. Bereits in Budapest hatte mich das Gefühl beschlichen, dass er durch die Luft geschwebt war. Ich schüttelte ungläubig den Kopf. Das konnte nicht sein. Das war gegen jegliches physikalische Gesetz. Allerdings schien sich dieses Immernimmerland und seine Bewohner nicht wirklich daran zu stören.

Ein Himmel aus Asche und ScherbenLies diese Geschichte KOSTENLOS!