Die restliche Stunde über, versuche ich Noah so gut es geht zu ignorieren. Schon allein der Gedanke daran, dass er unmittelbar hinter mir sitzt, lässt meinen ganzen Körper verkrampfen. Ich sollte vielleicht mit Scott darüber reden. Er kann da bestimmt etwas machen.

,,Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit, wir sehen uns Morgen wieder", verabschiedet sich Herr Atayan von uns und packt seine Sachen zusammen. Abwartend mustre ich den schlacksigen Mann mit dem dunkelblauen Hemd. Wenn mir jemand sagen kann, wie ich einen anderen Partner bekommen konnte, dann er.

,,Adiós Hannah! Ich freue mich schon sehr darauf, mit dir zusammen das Projekt zu machen", sagt Elena freudestrahlend und drückt mich kurz. Mit einem leichten Grinsen auf den Lippen erwidere ich ihre Umarmung und greife nach meiner Tasche, um mich nach vorne zu meinem Dozenten zu begeben.

Ein flüchtiger Blick nach hinten verrät mir, dass Noah bereits gegangen ist. Erleichtert atme ich aus. Während auch die letzten Schüler den Raum verlassen, stelle ich mich neben das Podium und sehe Herr Atayan abwartend an. Sein Blick wandert überrascht zu mir, jedoch scheint er bereits zu verstehen: ,,Ms. Malone", stellt er fest und grinst vorsichtig.

,,Sie sind bestimmt wegen des Partnerwechsels hier." Überrascht hebe ich eine Augenbraue. Es ist nicht gerade gewöhnlich, dass sich der Dozent die Namen jedes einzelnen Schülers merkt. ,,Ähm, ja", erwidere ich unsicher und knete mir die Finger. ,,Luke hat mir alles erklärt. Mr. Turner wird Ihnen nicht zu nahe kommen, da brauchen Sie sich keine Sorgen drüber zu machen."

Sein Gesichtsausdruck wird ernst. Weiß er etwa Bescheid über Noah? Und warum spricht er Luke mit Vornamen an?

,,Herr Atayan, ich verstehe nicht ganz-".

,,Das brauchen Sie auch nicht. Ich war selbst nicht begeistert darüber, Sie zusammen mit Noah an dem Projekt arbeiten zu lassen. Sie können sich glücklich schätzen, jemanden wie Luke als Freund zu haben. Und jetzt entschuldigen Sie mich bitte, ich muss zu meiner nächsten Vorlesung."

Mit einem breiten Lächeln nickt er mir zu und verschwindet dann aus dem Saal. Perplex bleibe ich noch eine Zeit lang auf der Stelle stehen, um mich dann auf den Weg zu meiner Pause zu machen. Ich werde vermutlich eh nicht mehr aus ihm herausbekommen und außerdem wartet Amber bestimmt schon auf mich.

Bevor ich rüber zur Bibliothek gehe, mache ich einen Abstecher zur Toilette. Die Flure sind größtenteils leer, was schon beinahe eine gruselige Atmosphäre schafft. Die meisten genießen noch die warmen Sonnenstrahlen, bevor es wieder kälter wird oder haben Unterricht.

Für Mitte September ist es sowieso viel zu heiß, aber der Wetterbericht sagt ohnehin schon seit Tagen, dass es die nächste Woche kälter werden wird. Ein Glück. Diese Hitze bekommt mir momentan eh nicht gut.

Ich öffne kurzerhand die Tür zu den Damentoiletten und stelle mich vor die großen Spiegel. Mein Gott, ich sehe ja noch beschissener aus, als vor zwei Stunden. Schnell krame ich einen Zopfgummi aus meiner Tasche raus und binde meine leicht zerzausten Haare zu einem hohen Pferdeschwanz zusammen, als ich plötzlich ein leises Rascheln höre.

Meine Augen wandern in die Richtung, jedoch kann ich nichts weiter erkennen. Vermutlich halluziniere ich schon vom vielen Alkohol. Seufzend greife ich nach meiner Handtasche und gehe in eine der Kabinen. Wieder ertönt dieses Rascheln und diesmal, wird eine Tür geöffnet.

Abwartend höre ich zu, wie neben mir jemand die Spülung betätigt und dann anschließend am Waschbecken den Hahn anstellt. Ich beschließe auch, langsam wieder von der Toilette runter zu kommen, da ich nicht wie ein verrückter Stalker rüberkommen möchte.

Unwissend entriegle ich das Schloss und trete hinaus, nur um relativ unsaft gegen eine andere Person zu stoßen. Bevor ich allerdings realisieren kann, wer es ist, hat er mich bereits gepackt und wieder zurück in die Kabine gedrückt. Vor Schreck lasse ich mit einem dumpfen Aufprall meine ganzen Sachen fallen, die sich beinahe vollständig auf dem Boden verteilen.

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