33| Erwachen

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33| Erwachen

Es gelang mir nur mit Mühe die Augenlider zu bewegen, die immer wieder flackerten. Mein Kopf war so schwer wie ein Röhrenmonitor aus dem letzte Jahrhundert und der Schlaf hielt mich so fest gefangen, dass ich es nicht schaffte die Augen offen so halten.

Ich dämmerte dahin, wusste nicht wie viel Zeit vergangen war und der Schatten, der so hartnäckig über meinem Geist hing, löste sich nur ganz langsam auf. Doch irgendwann lag ich da, ohne Gedanken, und starrte an die Decke.

Sie war hellgrün und sollte sicher so etwas wie Wärme und Geborgenheit ausstrahlen, aber ihre Vollkommenheit machte sie kalt und auch die unpersönliche, flache Scheibe, die in die Decke eingelassen war und die hell erleuchtet das Zimmer in ein medizinisch weißes Licht tauchte, ließ einen mit dem Gefühl von Krankenhaus zurück.

Ich bewegte mich nicht, wartete darauf, dass sich die Lähmung langsam aus meinem Körper zurückzog und die Wirkung des Betäubungsmittels nachließ.

Meine Gedanken blieben weiterhin ruhig, schlugen keine unnötigen Wellen und konzentrierten sich ganz auf das gleichmäßige Pochen meines Herzens, das in meiner Brust schlug.

Aus den Augenwinkeln nahm ich eine Bewegung war und ich brauchte einen Moment, bis ich mich entschieden hatte, ob ich mich in meinem trägen Zustand überhaupt dazu genötigt fühlt nachzusehen, was es war.

Doch bevor meine Entscheidung überhaupt gefallen war, beugte sich auch schon ein Mann über mich. Er war schon etwas älter, hatte ein gepflegtes Aussehen und sein Haar war bereits ergraut. Er machte ein freundliches, aber dennoch distanziertes Gesicht. Ich hielt ihn für einen Arzt, was auch der weiße Kittel nahe legte und blinzelte ihm entgegen.

„Sie sind wach," stellte er fest, die Stimme ein weicher Tenor und griff nach einem Stift, der an der Tasche auf seiner Brust klemmte. „Können Sie mich hören?", fragte er und hielt mir den Stift vor die Augen, der sich als kleines Licht herausstellte. Er leuchtete mir erst ins eine und dann ins andere Auge, nickte und zog sich einen Hocker rann.

„Ich kann Sie hören," kam es mit viel Mühe über meine Lippen und ich blinzelte noch einmal, um die Benommenheit loszuwerden, die immer noch auf mir lag.

„Gut," meinte der Mann, griff nach einem Tablet, das er eben neben mir abgelegt hatte und schaltete es ein. „Können Sie mir ihren Namen sagen?", erkundigte er sich und ich versuchte mich zu erinnern. Es fühlte sich an, als ob mein Erinnerungszentrum irgendwie schwerer zugängig war als sonst und ich brauchte länger als gewöhnlich die Informationen abzurufen.

„Ewia Nelles," brachte ich jedoch zusammen und kniff die Augen zusammen. Es war wie Kopfschmerzen haben, nur ohne Schmerz. Nur eine taube Schwere. „Warum kann ich mich so schwer erinnern?", wollte ich wissen und der Mann lächelte dünn.

„Das sind die Nachwirkungen der Erinnerungssperre. Sobald die Aufwachphase abgeschlossen ist, wird es wieder leichter," erläuterte er und es fiel mir immer noch schwer, alles zu verarbeiten. „Wissen Sie wie alt sie wirklich sind?", fragte er und sah mich aufmerksam an.

Wie alt ich wirklich war? Das war ja eine komische Frage. Ich versuchte die Stirn zu runzeln, aber es klappte nicht und ich dachte währenddessen über seine Frage nach. Mit erschreckendem Ergebnis. „Ich bin 23," sagte ich überrascht und das Lächeln auf den Lippen des Mannes vertiefte sich. Leichte Falten bildeten sich um seine Mundwinkel und an seinen Augen.

„Gut gemacht. Willkommen zurück in der Wirklichkeit!", kommentierte der Mann und tippte etwas in sein Tablet ein. „Jetzt müssen Sie mir nur noch sagen, ob Sie wissen, wo Sie sich befinden und dann lass ich Sie auch schon wieder in Ruhe, damit Sie sich sammeln können," eröffnete er mir und räusperte sich dezent.

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