Lied: I Wonder - Zoey Lily

Teil 3

Wer hängt einen roten Zettel mit einem Datum darauf, auf der Damentoilette auf? Alt scheint er zumindest nicht zu sein. Das Papier ist noch nicht mal zerknickt. Verwirrt streiche ich mir durch die Haare und ignoriere das Teil.

,,Hannaaaaah! Wie lange machschst du bitteee?", schreit Amber durch den Raum und stößt ein lautes Stöhnen aus. ,,Ich komme!!", entgegne ich seelenruhig, atme noch einmal ganz tief ein und aus und stehe wenig später neben ihr vor dem großen Spiegel.

Zum Glück sitzen Haare und Make up einigermaßen. ,,Daaa bischst du ja enndlich. Komm, wir gehen weiter tanzzeeen!". Ich schaffe es gerade noch so meine Hände ab zu trocknen, als Amber nach meinem Arm greift und mich wieder auf die Tanzfläche schleift. Kurz fasse ich mir an die pochende Schläfe. Alles scheint sich zu drehen und so langsam spüre ich die Übelkeit in mir aufsteigen.

,,Bin gleisch wieder daa", nuschle ich ihr zu, um mir an der Bar ein großes Glas Wasser zu bestellen. In der nächsten Sekunde, setzt sich ein groß gewachsener Typ neben mich und beugt sich zu mir rüber:

,,Du bist doch die Neue, die immer mit Luke und seinen Freunden abhängt", stellt er fest und mustert mich mit einem Lächeln. Seufzend stütze ich mich mit einer Hand auf dem Thresen ab und starre in seine braunen Augen: ,,Unnd?", frage ich völlig unbeeindruckt. Bin ich jetzt, nur weil ich etwas mit Luke zu tun habe, automatisch jemand, mit dem man unbedingt befreundet sein muss? Was soll diese Kinderkacke.

,,Nichts", antwortet er mit einem Grinsen auf den Lippen und streckt mir seine Hand entgegen: ,,Ich bin übrigens Cole und du bist-"

,,Viel zu besoffen und fährt jetzt deshalb auch nach Hause", beendet jemand anderes seinen Satz. Mein Kopf schnellt in die Richtung, was sich nicht gerade als gut erweist. Mir wird nur noch schlechter, als mir ohnehin schon ist. Nachdem ich endlich realisiere, wer gerade unser Gespräch unterbricht, spüre ich die Wut in mir aufkochen:

,,Ach Mister 'Ich-misch-mich-in-Angelegenheiten-die-mich-niiichtss-angehen-ein' ist auch wieder daaa", sage ich spöttisch und verdrehe die Augen. ,,Ich kann auf deine Hilfe guut und gernee verzichteeen."
Ich nippe an meinem Wasser, was mir der Barkeeper gerade auf den Thresen stellt und ignoriere Luke gekonnt.

Auch wenn ich mich für mein Verhalten morgen in Grund und Boden schämen werde, nutze ich die Wirkung des Alkohols und verdränge diesen Gedanken. Mit einem kurzen Blick zur Seite erkenne ich, wie dieser Cole aufsteht und Luke leicht zu nickt. Toll.

,,Hannah, bitte. Ich bring dich nach Hause", flüstert Luke hinter mir in mein Ohr und will mir von dem Stuhl helfen, jedoch ziehe ich meinen Arm weg: ,,Ich kann alleine laufen!", zische ich, nehme dabei einen letzten Schluck vom Wasser und klettre umständlich von dem hohen Barhocker runter.

Ein Glück ist knapp die Hälfte der Gäste bereits gegangen. Somit sind es weniger Menschen, die mich betrunken erleben.

Gut, dass ich Scott noch in nüchternem Zustand geschrieben habe, es könne etwas später werden. Jetzt würde ich keinen vernünftigen Satz mehr zu stande bringen. Stark schwankend gelange ich zum Ausgang und schaue mich nach Tyren um. Leider kann ich ihn nirgendswo ausmachen und so oder so, möchte ich einem Gespräch mit ihm heute lieber aus dem Weg gehen.

Ich öffne die schwere Holztür und trete raus an die kühle Nachtluft. Eine Gänsehaut bildet sich auf meinem Körper, aber gleichzeitig werden meine Sinne wieder schärfer.

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