30| Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen.

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30| Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen.

„Was soll das bedeuten?", fragte Marcus mich und ich hätte mit den Augen gerollt, wenn ich nicht selbst so schockiert gewesen wäre.

Ich sah zurück auf den Bildschirm und suchte nach Dan und Alex, nur um ganz sicher zu sein. Und da waren ihre Codierungen tatsächlich. Die Datenspur war schwach, selbst für einen NPC, und ihre Charaktereigenschaft nur dünn programmiert, was erklärte warum sie mir immer wie Roboter vorgekommen waren. Doch es war mehr als eindeutig, dass die Beiden keine echten Menschen waren.

„Dan und Alex sind NPC's!", erklärte ich und biss die Zähne aufeinander.

„Was ist das?", wollte Marcus unsicher wissen und nun rollte ich doch mit den Augen. Wie konnte man sowas nicht wissen?

„Das sind Non-Player Characters. Figuren in einem Spiel, die vom Computer gesteuert werden und nicht von einem Menschen. Sie sind simulierte Computerprogramme," machte ich es trotzdem klarer und wartete, dass bei Marcus auch endlich klick machte. Deutlicher konnte ich ja nicht werden.

„Du meinst sie sind gar nicht echt? Keine Menschen?!" Marcus hatte Mühe seine Stimme ruhig zu halten und schaute immer wieder von mir zu den Zwillingen und wieder zurück. Und dann schien die Information endlich in seinem Gehirn anzukommen, denn er wurde schlagartig bleich im Gesicht. Das machte ihn wohl gerade richtig fertig.

Und ich war auch nicht gerade erfreut davon. Natürlich hatte ich Dan und Alex nie leiden können. Aber die Tatsache, dass sie nicht echt waren, hatte weitgreifendere Folgen als nur zwei Personen zu verlieren.

Marcus ballte die Fäuste und schlug sie mit einem lauten Krachen auf die Tischplatte. „Ich hab ihnen all meine Pläne offen gelegt. Sie haben mich in allem beraten. Sie haben mir gesagt, ich darf dich auf keinen Fall wieder an einen Computer lassen!" Mit jedem Wort wurde er lauter und seine Wut hallte durch den ganzen Raum und von den Wänden wieder. Marcus' Gesicht änderte seine Farbe von Weiß zu Rot und ich war froh nicht Gegenstand seiner Wut zu sein.

Verdammt, der Kerl war nicht Thor. Er war der Hulk!

Dan und Alex ließen ihre Arbeit liegen und kamen angerannt. „Wir haben dir gesagt, du kannst ihr nicht vertrauen!", rief der eine im Näherkommen, als wenn der Wutausbruch mir gegolten hätte und reckte aufrührerisch den dürren Arm in die Luft.

Typisch, die Schuld wieder auf mich schieben zu wollen. Aber jetzt war es aus für sie. Ich hatte gewonnen und hatte Marcus bewiesen, dass ich die Vertrauenswürdige von uns war. Dan und Alex würden sich jetzt auf was gefasst machen können.

Ich drehte mich ihnen mit trotzig vorgestrecktem Kinn zu.

„Ihr seid zwei dreckige Spitzel!", brüllte Marcus und kam den beiden entgegen.

Dan und Alex blieben gleichzeitig stehen. Ihre Gesichter waren ausdruckslos und ihre Schildkröten-Hälse waren nach vorne gereckt.

„Was hat sie dir eingeredet?", wollte der Linke wissen und der Rechte ergänzte: „Sie ist eine Schlange. Sie lügt um ihre Haut zu retten."

„Ach ja?", platzte es aus mir heraus, weil ich mich trotz Selbstermahnung nicht beherrschen konnte. Es war einfach zu viel passiert und diese Zwei waren mir so auf den Sack gegangen. „Ich programmier euch Warzen auf den Arsch, wenn ihr nicht eure Fressen haltet!"

„Du tust was?", fragte der Linke und kniff irritiert die Augen zusammen, was ihn hinter den dicken Brillengläsern noch mehr wie eine Schildkröte aussehen ließ. Der Rechte machte einen hastigen Schritt auf mich zu.

Marcus verschränkte bedrohlich die Arme vor der Brust und schob sich zwischen mich und die Zwillinge, was ich reichlich überflüssig fand. Mit den zwei Hanseln würde ich noch allein fertig werden. „Wir wissen, dass ihr nicht echt seid," zischte Marcus gefährlich und machte noch einen Schritt auf die beiden zu, die ihrerseits zurückwischen. „Dass ihr mich nur verarscht," machte er weiter. „Und jetzt versteh ich auch, warum ihr mir den ganzen Scheiß ins Gehirn gepflanzt habt!", schrie er und sein ganzer Körper zitterte vor Wut. Es ging ihm ganz schon nah so verraten worden zu sein und ich konnte es gut verstehen. Nicht dass ich die Zwillinge je hatte leiden können, aber wir hatten zumindest alle darauf vertraut, dass sie auf unserer Seite standen.

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