27| Raus mit der Sprache!

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Für @breesnop. Auf dass du ganz schnell aus dem Krankenhaus rauskommst und dein Knöchel wieder super verheilt. 😚😉
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27| Raus mit der Sprache!

Die Kameras registrierten automatisch die Gesichter der Menschen, die durch die Drehtür liefen und ich sortierte sie den Einträgen zu, die ich gemacht hatte. Die Plastikkarten kamen eine nach der anderen aus den Schlitzen und Chip verteilte sie an die Leute.

Die Stimmung hatte sich wieder gehoben und alle waren erleichtert, sich jetzt erst mal an einem sicheren Ort ausruhen zu können.

Als alle durch waren, blieb ich allein am Tresen zurück, während Merle und ein Mädchen aus der Küche schwatzend an mir vorbei und den Anderen hinterher im Treppenhaus verschwanden.

„Hey!", rief ich ihnen nach, doch sie reagierten nicht, gingen einfach weiter, als ob sie mich nicht gehört hätten. Contra-Ewia also, dachte ich bei mir und verschränkte die Arme vor der Brust. Das konnte ja wohl nicht wahr sein, dass man mich hier unten vergessen hatte, oder?

Ich fühlte mich ganz schön angeschissen und ich wusste auch nicht genau was ich jetzt tun sollte. Aufzustehen und es selbst zu versuchen wäre eine Möglichkeit, aber auch ne ziemlich beknackte Idee.

So ne Scheiße aber auch. An dem ganzen Schlamassel waren doch nur die dämlichen Schildkröten schuld. Sie behaupteten Dinge, die gar nicht wahr waren. Ich bereute es jetzt schon ihnen genauso viele Rechte auf ihre Schlüsselkarten gegeben zu haben, wie allen anderen auch. Vielleicht hätte ich sie für die Toiletten streichen sollen, damit sie immer jemanden fragen mussten, wenn sie mal pissen wollten. Ob ich das wohl im Nachhinein noch ändern konnte?

Meine Finger hingen über der Tastatur in der Luft und ich hatte meine Entscheidung noch nicht ganz gefällt, da bemerkte ich, dass jemand neben mir stand.

„Brauchst du noch Zeit oder kann ich dich mitnehmen?", fragte Lian und ich zuckte ertappt zusammen.

Lians Blick bekam sofort einen Hauch von Misstrauen, während bei mir jedoch nur der Magen aufgeregt zu flattern begann.

„Hattest du grade vor was auszufressen?", erkundigte er sich und klang dabei so, als ob er es eh bereits wüsste.

Ich ließ die Schultern sinken. Dieser Mann konnte mich scheinbar genauso durchschauen wie ich ihn. „Ich hab mir überlegt die Karten der Zwillinge für die Toiletten zu sperren," gab ich also ohne Umschweife zu, weil er es merken würden wenn ich log.

„Und was soll das bringen?", wollte Lian wissen und zog fragend die Augenbrauen zusammen.

Ich wollte gar nicht, aber ich musste grinsen und zuckte mit den Schultern. „Weiß nicht. Mobbing?", schlug ich vor und jetzt fiel der Groschen wohl auch bei Lian.

Er schüttelte den Kopf über mich, aber ich konnte ein Schmunzeln sehen, dass sich im Mundwinkel versteckte. Verdammt, er sah dabei echt gut aus. „Komm," forderte er mich mit nachsichtigem Ton auf und streckte mir seine Arme entgegen.

Mein Lächeln fiel in sich zusammen und ich schluckte. Es war viel zu leicht meinem gefassten Vorsatz einfach einen Arschtritt zu geben. Und Lian half mir nicht gerade dabei mich von ihm fern zu halten.

Ich klickte mich aus den Menüs und ging auf die Startseite zurück, um ein bisschen Zeit zu schinden. Ich musste mich in Gedanken darauf vorbereiten, ihn als etwas anderes zu sehen, als mein Herz mir vorgaukelte. Ich würde einfach versuchen in ihm Anna's Freund zu sehen. Zwar war das ziemlich weit vorgegriffen, aber im Moment das Einzige was mich davon abhielt, ihm in die Arme zu fallen und mich an ihn zu kuscheln, weil er einfach so scheiß-nett zu mir war.

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