25| Scheiße, verdammte!

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25| Scheiße, verdammte!

Ich brauchte eine Weile bis ich realisierte, dass es still geworden war. Ich hatte keine Ahnung wie viel Zeit vergangen sein konnte. Doch es musste eine ganze Menge gewesen sein, denn als ich die Augen öffnete, begann es draußen bereits zu dämmern.

Hatte ich die ganze Zeit hier unter dem Tisch gelegen und mein Mantra runtergeleiert? Oder war ich etwa eingeschlafen? Wie konnte man denn in äußerster Lebensgefahr einschlafen?!

Apropos Lebensgefahr. Ich horchte angestrengt, doch die Stille hielt an. Kein Summen, keine Schüsse, keine Explosionsgeräusche.

Ich hob den Kopf an und versuchte mich ein wenig aufzusetzen. Mein Kreislauf streikte, mein Rücken war total verspannt und meine rechte Arschbacke war eingeschlafen.

Aber ich war am Leben! Ich hatte keinen Schimmer wie das möglich war, doch ich saß hier, ich atmete und ich hatte keine Löcher in der Lunge.

Hatten die Drohnen mich übersehen? Oder schossen sie nicht auf Unbewaffnete? Aber dann wären doch sicher Roboter vorbeigekommen, die mich ins System zurückgeführt hätten, oder?

Ich war verwirrt und ein bisschen unentschlossen, was ich als nächstes tun sollte. Ich hatte keine Ahnung, wo die Anderen waren. Vielleicht waren sie in die Savepoints geflohen. Doch ich wusste, dass zwei davon bereits entdeckt waren, aber welche das jetzt waren, hatte ich mir nicht gemerkt. Es wäre also riskant, einfach nach den Anderen zu suchen.

Doch weg musste ich hier trotzdem. Ich linste unter dem Tisch hervor und hielt nach Kameras Ausschau. Ich sah von meinem Platz aus keine und wollte mich ein wenig vorschieben, um am Haupteingang nachzuschauen, da stach mir jemand ein Messer ins linke Knie.

Ich jaulte vor Schmerz auf, unfähig meine Stimme zusammenzuhalten und griff mir reflexartig ans Bein, in dem natürlich kein Messer steckte. Aber es fühlte sich verdammt noch mal so an. Tränen traten mir in die Augen und ich musste mir auf die Lippe beißen, um nicht laut loszuheulen. Durch den Riss in meiner Hose konnte ich sehen, dass mein Knie total geschwollen und mit einem schwarz-lilafarbenen Bluterguss geziert war. Die Jeans drum herum war mit Blut getränkt. Super, so würde ich hier nie wegkommen.

Das Geräusch der Schiebetür am Haupteingang ließ mich augenblicklich erstarren und mein Herzschlag setzte noch einen drauf. Kamen sie zurück um mich zu holen? Ich hielt die Luft an, spürte das Adrenalin wieder durch meinen Körper rauschen und wie es den Schmerz in meinem Knie dabei wieder unterdrückte.

Doch das Surren einer Turbine blieb aus und dafür gab es Schritte von mindestens zwei Personen. Zu unregelmäßig um Roboter zu sein.

„Kameras sind aus," flüstere eine Stimme, die mir bekannt vorkam und ich hätte niemals gedacht, dass ich bei dem Ton von Chips Stimme jemals solche Glücksgefühle spüren würde.

„Die Zwillinge sagen, es gibt eine Tür nach unten, in der Kinderabteilung," hörte ich eine zweite Stimme. Allan. Sie waren hier um mich zu suchen. Hoffte ich jedenfalls.

„Ich bin hier!", wollte ich schreien, doch ich bekam nur ein Husten zustande. Aber es war egal. Ich war nicht mehr alleine! Sie waren wirklich gekommen, um mich zu holen! Ich war das dankbarste Mädchen der ganzen Welt.

Chip und Allan hielten inne, lauschten auf das röchelnde Husten, das ich abgegeben hatte und setzten sich dann langsam wieder in Bewegung.

Ich versuchte mich zu räuspern und mich auf meinen Hals zu konzentrieren, der staubtrocken und kratzig war. „Ich bin hier," versuchte ich es leiser und hoffe, sie würden mich hören. Ich setzte die zerschürften Hände auf den Boden um mich hochzustemmen und unter den Tischen vor zu kommen, doch es war schwieriger als gedacht, das Knie dabei nicht zu bewegen.

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