32. Nachsitzen

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Stegi wartete noch, bis Tim weggegangen war und stand dann selbst auf, um nach Hause zu gehen. Stumm liefen ihm die Tränen die Wangen runter. Seine Jacke zog er fester um seinen bibbernden Körper, während der kalte Abendwind um seine Ohren wehte.
Die blonden Haare wirbelten im Wind umher und flogen ihm immer wieder ins Gesicht, aber es war ihm egal. Es war schon spät und seine Eltern machten sich wahrscheinlich Sorgen um ihn, aber auch das war ihm egal. Jetzt gerade war ihm alles egal außer, dass er höchstwahrscheinlich seinen besten Freund verloren hatte.

Er schluchzte auf und wischte sich wütend auf sich selbst über die Augen. Wie konnte er nur so dumm sein? Tim war nie eifersüchtig gewesen. Er hatte es sich vielleicht gewünscht und so dann eingebildet, aber er war es nie wirklich gewesen.
Tief traurig holte er seinen Schlüssel aus der Tasche. Er öffnete die Haustür und trat in den Flur. Kein Mucks war zu hören außer Stegis unregelmäßigen Atem und das Rascheln seiner Klamotten, als er sich Jacke und Schuhe entledigte. Er tappte kaputt und mit Liebeskummer die Treppe hoch in sein Zimmer. Morgen musste er in die Schule und dort dann Tim wiedersehen. Er schniefte nochmal und machte sich dann Bett fertig.
Im Bett liegend ließ er die Geschehnisse nochmal Revue passieren. Er war so dumm gewesen. Warum hatte er Tim das alles gesagt? Er hasste ihn doch bestimmt jetzt oder fand es total ekelig. Er hatte zwar gesagt er würde es nicht schlimm finden, dass Stegi schwul war, aber wer weiß?
Langsam fielen ihm die Augen zu und er schlief mit einem schlechten Gefühl im Bauch ein.

Am nächsten Morgen ging er alleine zur Schule. Den Kopf gesenkt und die Musik in seinen Kopfhörern voll aufgedreht. Er hörte nichts, nur die dröhnenden Bässe, bei denen man Angst haben musste, dass einem das Trommelfell platzen würde. Er hatte die Hände tief in den Jackentaschen seiner Winterjacke vergraben. Ja, es war schon wieder ein paar Grade kälter geworden, aber Stegi freute sich auf den Winter.
Auch in der Schule sah er kein mal auf und ging den altbekannten Weg zum Kunstraum, wie von Geisterhand gesteuert. Er seufzte und setzte sich dort vor dem Fachraum auf eine Bank und wartete auf seine Lehrerin. Die Kopfhörer hatte er immer noch auf, er wollte gerade einfach Nichts und Niemanden hören oder sprechen. Er wollte einfach nur seine Ruhe haben und hoffen, dass Tim es für sich behielt was er für Gefühle für den Größeren hatte.  Plötzlich wurden ihm die Kopfhörer abgenommen und er wollte die Person gerade ankeifen, als er in das Gesicht seiner Kunstlehrerin sah. "Nachsitzen. Eine Stunde. Heute.", donnerte sie und drückte Stegi die Kopfhörer in die Hand. Er seufzte nur resigniert und machte sowohl die Musik, als auch sein Handy schnell aus, ehe er wie alle anderen in den Kunstraum ging und seinen Platz einnahm. "So, guten Morgen!", maulte die missgelaunte Kunstlehrerin und fing an mit theoretischen Unterricht. Das wohl langweiligste der Welt. Theorie in Kunst. Seufzend schrieb Stegi das von der Tafel ab und versuchte sich jetzt schon möglichst viel für die nächste Arbeit einzuprägen.

Nach zwei langweiligen Kunststunden lief er durchs Schulgebäude und fand schließlich den Weg zur Bücherei. Er wollte gerade einfach nur alleine sein und in Selbstmitleid versinken. Da brauchte er keinen dauerfröhlichen Tobi oder einen wütenden Tim.

Er huschte also schnell hinein und verkroch sich in die letzte Ecke. Er setzte sich die Kopfhörer auf und machte wieder auf volle Lautstärke Musik an. Er hatte sich einfach ein x-beliebiges Buch genommen und tat so als würde er lesen, aber in Wirklichkeit dachte er über die vergangenen Tage, wenn nicht sogar Wochen nach. Er hatte echt große Scheiße gebaut. Eigentlich wollte er bloß, dass Tim ihn auch mochte, aber im Nachhinein war alles schief gelaufen. Und dann war da noch die Sache, dass er seinen Eltern kein bisschen gleich sah. Klar, seine Mutter meinte, dass das ja mal passieren konnte, aber Stegi glaubte dem kein bisschen. Er war kein wirklicher Teil dieser Familie, das sah man auf den ersten Blick. Allein schon auf allen Familienfotos. Alle waren relativ braun und hatten braune oder dunklere Haare. Sie waren alle meistens glatt oder leicht gewellt und dann mitten drin: ein blonder, blasser Junge, mit unbändigen Locken. Stegi. 
Er seufzte und schloss das Buch. Mit einer geschickten Bewegung war es wieder im Regal und Stegi legte den Kopf auf die Knie. Wieder einmal flossen ihm stumm die Tränen über die Wange. Allerdings wurde er dann plötzlich sanft in eine Umarmung geschlossen. Erschrocken schaute er auf und blickte in die blauen Augen von Tobi. Dieser lächelte sanft und nahm Stegi die Kopfhörer ab. "Tim hat es mir erzählt.", sagte er sanft und zog Stegi an sich. Nun brach alles über dem Blonden zusammen und er weinte bitterlich in Tobias Schulter. "H-hasst er m-mich?", schluchzte er. "Nein, aber er ist etwas durch den Wind und würde gerne nochmal persönlich mit dir reden." Tobi strich ihm liebevoll über den Oberarm und versuchte Stegi zu beruhigen. "Ich habe ihm übrigens nochmal erklärt, dass die Pläne von mir waren.", lächelte Tobi aufmunternd. Stegi nickte bedrückt. "Wo ist er jetzt?", schniefte er und kuschelte sich an Tobi. "Bei den beliebten, aber er sieht irgendwie unglücklich aus. Du fehlst ihm auch Kleiner.", versuchte Tobi ihn weiter aufzumuntern. Stegi schniefte und nickte. "Danke.", murmelte der kleinere und beruhigte sich langsam wieder, was ganz passend war, da es bald darauf schon zum Pausenende klingelte. Gemeinsam liefen sie zum nächsten Klassenraum und Tobi wich die ganze Zeit nicht von Stegis Seite.

Als Stegi sich dann nach der sechsten Stunde von Tobi verabschiedete, da er ja selbst jetzt noch eine Stunde Nachsitzen durfte.
Missgelaunt schlurfte er also zu seinem Klassenraum und wartete in diesem auf die Lehrerin. Er starrte durchgehend aus dem Fenster und schaute auch nicht auf als er Jemanden in den Raum kommen hörte. Er wartete nur darauf, dass ihm die alte Hexe ein Aufgabenblatt auf den Tisch knallte oder ihn ermahnte sie anzuschauen, aber nichts dergleichen passierte.

Erst als sich dieser Jemand mit einem Stuhl vor Stegis Tisch setzte sah er die Person an. Er schluckte schwer als er in die dunklen Augen seines ehemaligen besten Freundes sah. "T-Tim...", murmelte Stegi. "Hey.", hauchte Tim leicht lächelnd. Stegi schwieg und wandte den Blick auf den Tisch. "Warum musst du nachsitzen Kleiner?", versuchte Tim sanft ein Gespräch anzufangen und wollte dabei so freundlich wie möglich rüber kommen. "Musik gehört.", murmelte der angesprochene und wusste nicht so recht wie er die Situation einschätzen sollte. "Tut mir leid was ich gestern gesagt habe. Du bist nicht wie Melissa. Du bist tausendmal besser als die.", fing Tim leise an und suchte Stegis Blick. "Stegi du bist mein bester Freund und ich vermisse dich. Ich stehe lieber mit dir in der letzten Ecke, als mit den ganzen Beliebten in einem Haufen aus Leuten." Er seufzte und Stegi sah ihn unsicher an. "E-ehrlich?", murmelte er. "Natürlich, aber ich war gestern so überfordert. Ich meine du hast mir ja indirekt gesagt, dass du mich halt sehr magst und ähm... Tobi hat dann vorhin nochmal mit mir geredet und mir alles erklärt." Tim kratzte sich verlegen am Kopf. "Oh...", murmelte Stegi bloß und sah Tim nun direkt in die Augen. Auch Tim sah ihm in die Augen.

Als beide gerade dabei waren, sich in den Augen des jeweils Anderen zu verlieren polterte die Lehrerin rein. "Jungs! Ihr seit hier zum Nachsitzen.", keifte sie beide an und die beiden Angesprochenen schreckten auseinander. Tim lächelte noch kurz und setzte sich dann zwei Tischreihen weiter nach vorne. Frau Kirsten, die Lehrerin, teilte ein Aufgabenblatt aus und setzte sich dann nach vorne ans Pult und korrigierte irgendwelche Arbeiten.
Stegis Herz schlug ihm bis zum Hals, wenn er an Tims Worte dachte. Er lächelte und fing an seine Aufgaben zu bearbeiten. Auch Tims Herz schlug schneller und er bearbeitete lächelnd die Aufgaben.

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Hallo meine Früchtchen^^

Wie gehts euch? Ich bin erkältete :c.

Tut mir leid, dass mal wieder so lange nichts kam, aber momentan ist Schule eben oberste Priorität und ich würde euch echt bitten mich nicht mit irgendwelchen Kommentaren zu hetzten.
Das soll nicht böse gemeint sein oder so, aber ich will mir einfach keinen Druck machen und den mache ich mir natürlich, wenn ihr mich quasi zum Schreiben zwingt.
Hab euch lieb<3

Und Danke für fast 600 Follower^-^

Bis denn meine Früchtchen<3
~Maddi

»Vertauschte Leben« Stexpert Lies diese Geschichte KOSTENLOS!