28. Kapitel |:ICH BIN DOCH KEIN WEICHEI:|

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Teil 1

Als ich auf der Plattform stehe und erneut in die Tiefe blicke, bereue ich meine Worte auch schon wieder. Ich habe nicht nur Schiss. Nein, ich habe Todesangst da runter zu springen.

Mir wird heiß und kalt zu gleich, aber jetzt werde ich bestimmt keinen Rückzieher mehr machen. Rob kontrolliert ein letztes mal die Gurte und nickt seinem Kollegen dann zu.

,,Wenn du willst, kannst du jetzt springen." Er lächelt aufmunternd, während ich mir am liebsten in die Hosen machen würde. ,,Wie tief geht es da nochmal runter hast du gesagt?", meine Stimme zittert.

,,Knapp 210 Meter."

Eine Gänsehaut bildet sich auf meinem ganzen Körper. Erneut atme ich tief ein und versuche vergeblich meinen viel zu schnellen Herzschlag zu beruhigen. Warum nochmal wollte ich als erste springen? Hätte ich doch mal lieber Tyren den Vortritt gelassen.

,,Hannah du musst das nicht machen, wenn du nicht willst", ertönt die leicht besorgte Stimme vom Besagten. Das war für mich der nötige Tritt in den Arsch, den ich gebraucht habe.

Ich bin doch kein Weichei.

Das werde ich Tyren und allen anderen auch beweisen.

,,Okay, ich mache das jetzt."

Wie mir bereits erklärt wurde, stelle ich mich rückwärts an den Rand der Plattform. Rob greift nach meinem Gurt. Ich lehne mich nach hinten, wohl wissend, dass es absolut nichts in meinem Rücken gibt, was mich hält. Unten wartet ein großes Luftkissen auf mich, aber da muss ich erstmal hinkommen.

Mein Herz droht mir fast aus der Brust zu springen, während Rob von drei an nach unten zählt. Der Wind rauscht in meinen Ohren. Das Adrenalin wird nur so durch meine Adern gepumpt. Ich schließe bei eins die Augen.

Dann lässt er los.

Automatisch reiße ich meine Augen wieder auf und schreie mir die verdammte Seele aus dem Leib. Mein Magen fühlt sich leer an und auch meine Organe befinden sich gefühlt nicht mehr am richtigen Platz. Für einen kurzen Augenblick habe ich panische Angst, doch das ist sofort wieder vergessen. Es fühlt sich einfach nur toll an.

Leider ist das nach wenigen Sekunden wieder vorbei. Ehe ich es mir versehe, werde ich mit einem Ruck nach oben gezogen und fahre mir einmal durchs Gesicht. ,,SEHR GUT HANNAH!!!" , höre ich Tyren von oben schreien und ich strecke, wie zur Bestätigung, beide Daumen in die Höhe. Ich habe es tatsächlich gemacht. Und ich lebe noch!!

Ein allerletztes Mal schreie ich, während ich langsam auf das große Luftpolzter gelassen werde, wo schon jemand auf mich wartet, um mich los zu machen.

Schwer atmend lächle ich den jenigen an.

Ein älterer Herr, ich schätze um die mitte fünzig, befreit mich aus der Sicherung. Meine Beine fühlen sich wie Pudding an, aber dieses Gefühl ist unbeschreiblich.

,,Du würdest am liebsten gleich nochmal oder?", lacht der Mann und entfernt einen Karabiner. ,,Definitiv", schnaube ich und beobachte, wie das Seil wieder nach oben gezogen wird.

,,Dazu gehört ziemlich viel Mut. Du kannst stolz sein, das gemacht zu haben." Ja, ich bin stolz auf mich. Wenn Scott das hört. Der würde das nie machen. Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen.

Für die Zeit, in der ich auf Tyren warte, setze ich mich auf die Wiese. Er ist von unten kaum zu erkennen. Unfassbar, dass ich aus der Höhe gesprungen bin. Ich streife mir eine Haarsträhne hinters Ohr und sehe nach wenigen Minuten auch ihn von der Plattform fallen.

,,WUHUUUUU!!", brüllt er laut.

Langsam laufe ich zur Luftmatte und mustre ihn. Er setzt den Helm mit der Kamera ab und streift sich einmal durch die dichten schwarzen Haare. Dabei spannen sich die Muskeln unter seinem schwarzen T-shirt an. Ich kann es nicht vermeiden und riskiere einen Blick.

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