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Jungkook Pov

Meine Hände umklammern das Lenkrad so fest, dass ich selbst in der Finsternis, die um diese Uhrzeit herrscht erkennen kann, wie sich die Knöchel unter meiner blassen Haut ganz deutlich Abzeichen.

Auch wenn es unverantwortlich ist und ich nicht nur eine Geldstrafe, sondern auch meinen Führerschein damit riskiere, ignoriere ich einige der roten Ampeln an den sowieso leeren Straßen.

Mit einer Hand am Lenkrad, die andere am Handy versuche ich mich sowohl auf die Straße, als auch auf das eintippen der Nummer zu konzentrieren.

Ich klemme es zwischen meine Schulter und mein Ohr während ich aufs Gas trete und merke, wie mich das ganze in den Wahnsinn treibt.

Normalerweise bin ich selbst in den stressigsten und kritischsten Situationen ruhig, das habe ich mir antrainiert, aber dieser Fall macht mich verrückt, dabei weiß ich nicht mal ob es sich vielleicht nicht doch nur um einen schlechten Witz handelt.

"Notruf Rettungsdienst und Feuerwehr, wo genau ist der Notfallort?", meldet sich eine ruhige weibliche Stimme am anderen Ende der Leitung und kaum hat sie ihren Satz beendet, schreie ich ihr die Adresse praktisch entgegen.

"Was ist geschehen?", fragt die Frau erneut, aber meine Nervosität wächst ins unermessliche und obwohl ich weiß, dass es die Standard Fragen des Notrufes sind, habe ich gerade keinen Nerv dazu, vor allem weil ich bereits angekommen bin. 

"Ich weiß nicht was geschehen ist, aber ich denke da ist jemand schwer verletzt, eine Person, wahrscheinlich durch Gewalt Einwirkung", beantworte ich alle Fragen die später noch von ihr gekommen wären während ich den Motor ausstelle und aus dem Auto hinaus in die eisige Kälte springe.

"Meine Name ist Jeon Jungkook, ich bin Arzt im Asan Medical Center und ich brauche dringend einen Krankenwagen zu der genannten Adresse!"

Ich laufe zum Gebäude, das zu der Adresse passt und runzle verwirrt die Stirn. Nicht nur, dass es ein ganz normaler Kiosk ist, er ist auch noch geschlossen und die Lichter darin sind aus. Wenn darin der verletzte liegt, wie soll ich hinein gelangen?

Das erste was ich tue ist wie verrückt an der Tür zu rütteln, auch wenn ich das Gespräch mit der Dame dafür beenden muss, in der dummen Hoffnung, sie würde bei meiner erbärmlichen Kraft nachgeben und aufgehen, aber gerade als ich überlege, ob ich nicht vielleicht das Glas einschlagen sollte, kommt mir der Gedanke, dass es einen Hintereingang geben könnte.

Ich sprinte zurück zum Auto, öffne den Kofferraum und hole den kleinen Feuerlöscher heraus, der da immer für den Notfall lagert. Denn auch wenn es eine Hintertür gibt, die wahrscheinlich nicht so gesichert ist wie diese hier, wird sie sich nicht so einfach öffnen, nur weil ich mich davor stelle.

Mit dem Ding in der Hand laufe ich um das Gebäude zu dem der Kiosk gehört herum. Der Geruch der Müllsäcke die hier haufenweise lagern steigt mir in die Nase und ich wäre eigentlich so schnell wie möglich an ihnen vorbei gelaufen, weil ich ziemlich Geruchsempfindlich und an den sterilen Geruch in den Krankenhäusern gewöhnt bin, aber ich halte an als ich neben dem ganzen Müll auch schwach etwas anderes entdecke.

Mit zusammengekniffenen Augen versuche ich zu erkennen was das genau ist, aber ich denke mein klopfendes Herz verrät mir das, denn auch wenn meine Augen es noch nicht erkannt haben, ist es mir bereits klar.

Ich werfe den Feuerlöscher zur Seite und eile zu der Gestalt, die völlig regungslos an die Wand gelehnt mehr liegt als sitzt. Ohne groß darüber nachzudenken was ich tun soll, hocke ich mich vor ihn und nehme sein Gesicht in meine Hände. Sanft klopfe ich ihm auf die Wangen um zu kontrollieren, ob er wach ist, aber seine Lider zucken nicht mal.

"Hallo", versuche ich es leise, dann immer lauter, aber er reagiert nicht.

Im Dunkeln ist kaum etwas von ihm zu erkennen, ich sehe nur die blonden Haare und die Schwarze Lederjacke, für alles andere ist das Licht des Mondes und der Sterne zu schwach.

"Hören Sie mich?", frage ich ein weiteres Mal und suche seinen Körper nach Verletzungen ab, bis ich sehe wo seine Hand liegt.

Sofort ziehe ich meine Jacke aus und ignoriere die eisige Kälte des Winters als ich meine Hand unter seinen Kopf schiebe und ihn langsam auf den Boden lege. Die zusammengeknüllte Jacke presse ich mit so viel Druck wie ich nur kann auf die offene Wunde und sehe ihm ins Gesicht.

Erst jetzt erkenne ich die blauen Lippen und die rot umrandeten Augen im Mondschein. Es ist eine Unterkühlung, kein Wunder wenn er die ganze Zeit mit dieser Verletzungen in diesem Wetter hier draußen gelegen hat. 

Ich überprüfe die Atemwege und die Atmung, dann hebe ich seine Hand an und lege sowohl Zeige- als auch Mittelfinger auf sein Handgelenk um den Puls zu überprüfen, aber gerade als ich sie wieder neben seinen Körper auf den Boden legen will, fällt mir etwas auf.

Auch wenn es schwer ist das geschriebene in diesem Licht zu erkennen, ist die Schrift deutlich und die rote Farbe des Stiftes mit dem das geschrieben wurde auch. Verwirrt runzle ich die Stirn bei den Worten.

Du bist Taehyung

Ich sehe dem jungen Mann ins Gesicht. Der Name passt zu ihm, aber warum muss er sich seinen, zumindest denke ich das es seiner ist, Namen auf die Hand schreiben, um sich daran zu erinnern wie er heißt? Egal wie ich es drehe und wende, Normal ist das nicht.

Ich beuge mich über ihn um seinen anderen Arm nach Verletzungen oder sogar einer Schusswunde zu untersuchen, aber als ich seine Hand, die zu einer Faust geballt ist, öffne, merke ich, dass sich darin ein zettel befindet.

Er wurde angeschossen und muss gefroren haben, warum er diesen Zettel so verzweifelt festgehalten hat statt seine Hände unter die Achseln zu schieben, wo sie es wärmer gehabt hätten ist mir unklar.

Ich nehme ihn raus und merke das da noch etwas in der anderen Hand innenfläche steht, etwas was mich noch mehr verwirrt und sogar erschreckt als die andere Nachricht.

Das ist Jungkook

Drei einfache Worte, meinen Namen den ich schon so oft gehört habe, aber er steht auf der Hand eines mir vollkommen fremden Mannes der mit einer Schusswunde in der Brust zwischen Müllsäcken von mir gefunden wurde. Und er ist nicht mal wach um mir das zu erklären.

Ich übe wieder drück auf seine Wunde aus und öffne mit der anderen Hand den zusammengeknüllten Fetzen Papier und was da steht, treibt mir fast die Angst in die Knochen und den Mut aus dem Körper heraus.

Als nächstes bist du dran.

Catch me |Vkook|Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt