K a p i t e l 0 5

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Kapitel 05

Ich ließ von dem Foto ab und entschloss mich dazu all meine Sachen irgendwie zu verstauen. Geordnet trennte ich meine Reitsachen von meinen Freizeitklamotten. Viel zu schnell hatte ich meine Sachen ausgepackt und mich soweit eingerichtet.

Etwas verloren sah ich mich in meinem Zimmer um. Es war wirklich wunderschön, wobei ich in naher Zukunft diesen Raum wohl nur in der Nacht betrachten konnte, da ich Tagsüber den ganzen Tag in den Ställen sein würde. Ich entschloss mich dazu meine Kleidung auszutauschen. Schnell schlüpfte ich in einen roten Pullover und eine bequeme Jeans. Ich wuschelte mir durch meine braunen Haare und bändigte sie anschließend zurück in einen Pferdeschwanz.

Und da ich nichts Besseres zutun hatte, ging ich wieder die Treppen hinunter. Als ich in der Küche Geschirr klappern hörte blieb ich stehen und trat langsam in die Küche ein. Eine junge Frau beugte sich gerade über die Geschirrspülmaschine und schaltete diese ein.

„Hallo", begrüßte ich sie schüchtern. Überrascht drehte sich die Frau um und ich erkannte, dass sie Lisa war. Philipps Pflegerin und wohl eine der bekanntesten Pferdpflegerinnen Deutschlands. „Ah, du bist schon da. Ich bin Lisa, und du bist Doreen?", fragte sie und wischte sich ihre nassen Hände an einem Geschirrtuch ab. „Dorothea, aber bitte nur Doro", verbesserte ich sie und gaben uns anschließend die Hände.

„Oh tut mir leid. Im Namen merken war ich nie sonderlich gut. Aber okay, hat dich schon irgendjemand rum geführt?", fragte sie und zusammen gingen wir aus dem Haus. „Nein, Ludger meinte ich soll mir Zeit lassen", meinte ich schüchtern grinsend. „Pff, Ludger meint viel wenn der Tag lang ist. Ich führ dich mal rum und stell dich den anderen vor. Sonst kennst du dich ja gar nicht aus", sagte Lisa bestimmt und führte mich in Richtung der Stallungen.

„Deiner steht ja bei den Privatpferden von den Beerbaums. Ich bin die meiste Zeit hier im Turnier- oder Hengststall. Die Führanlage hier benutzen wir meistens morgens und abends. Wenn du willst können wir deinen auch mit reinstellen. Das hier, gerade aus, ist die Reithalle und wie du siehst sind dahinter die Koppeln. Wenn du den Weg entlang gehst kommst du zum Sandplatz und zum Grasplatz. Um den Grasplatz rum geht die Galoppbahn. Ja, sonst haben wir hier nicht mehr viel. Wenn du noch weiter nach hinten gehen würdest gibt es noch die ganzen Zuchtställe, die Stallungen der Gastreiter und einen Roundpen, aber sonst haben wir nicht mehr viel", erklärte Lisa und deutete mit ihrer Hand in die jeweiligen Richtungen.

Ich nickte begeistert und folgte ihr weiter in den Turnierpferdestall. Schon jetzt merkte ich, dass hier viel mehr los war, als in dem Privatstall von Ludger. Einige Pferde standen angebunden auf der Stallgasse und wurden von anderen Pflegern gesattelt beziehungsweise gerade wieder abgesattelt.

„Shirin? Tiia? Saskia? Darf ich vorstellen, das ist Doro. Sie hat das letzte freie Zimmer in unserem Haus bekommen", sagte Lisa und bekam sofort die Aufmerksamkeit einer Rothaarigen und zwei Braunhaarigen. „Hi, freut mich euch kennen zu lernen", sagte ich und reichte den Dreien meine Hand. Auch sie begrüßten mich freundlich. „So und da hinten stehen unsere Reiter uns tratschen und lassen uns hier die Drecksarbeit machen", sagte Lisa und wurde zum Ende hin immer lauter, sodass sie die Aufmerksamkeit der drei Reiter bekam.

Philipp erkannte mich und kam mit einem breiten grinsen auf uns zu. Er drückte mich in eine Freundschaftliche Umarmung. „Schön, dass du da bist. Gib dich nicht mit den Pflegerinnen ab, die sind alle nicht sonderlich helle. Du bist eine der Reiter hier. Leute darf ich vorstellen, Doro Schwarz. Sie ist die Neue", sagte Philipp wendete mich von Lisa und den anderen ab und drückte mich in Richtung der anderen zwei Reiter.

„Freut mich euch kennen zu lernen", sagte ich mit einem lächeln und drückte die Hand von Christian Kukuk und Henrik von Eckermann. „Die Freude ist ganz unserer Seit's", sagte Henrik und brachte mich zum Grinsen.

„Wann bist du angekommen? Hattest du eine gute Fahrt?", fragte Philipp mich und ließ dabei seine Finger knacken. „Alles super gelaufen. Hat nichts angestellt, der Idiot. In deinen Jungen hast du ihn wohl doch noch gut erzogen", sagte ich grinsend. „Jetzt nicht beleidigend werden. Agend Cooper war einer meiner ersten selbst gezüchteten Pferde. Als er nicht gekört worden ist haben wir ihn dreijährig an sie hier verkauft", erklärte Philipp den anderen unsere kleine Geschichte. Deswegen kam ich auch so gut mit Max und den anderen aus. „Und jetzt beißt er sich in den Hintern, weil er ihn mir damals verkauft hat und ich mit ihm erfolgreich war", meinte ich leicht stolz und faltete meine Hände vor mir.

„Philipp konnte noch nie gute Geschäfte machen. Im Stall ist er dafür bekannt", meinte Christian und lehnte sich entspannt gegen die Boxentür. „Und du bist dafür bekannt, dass du nur die jungen Pferde reitest und keinen Erfolg hast", konterte Philipp und brachte Henrik und mich dazu laut loszuprusten. „So geht das Tag ein Tag aus zwischen den Beiden. Denk dir nichts, manchmal ist das echt interessant", sagte Henrik und verabschiedete sich von uns, als seine Pflegerin ihm die Zügel in die Hand drückte und ihn in den Sattel warf.

„Ich denke es war doch nicht so eine gute Idee hier her zu kommen. Der arme Philipp. Jetzt wird er schon von zwei Menschen geärgert", meinte ich und verzog entschuldigend mein Gesicht. Lisa hinter uns lachte laut auf. „Mich darfst du hier auch nicht vergessen", warf sie ein und brachte uns zum lachen. „Doro, ich darf dich doch so nennen, ich denke wir werden ziemlich gute Freunde", sagte Christian und klopfte mir auf die Schulter. Ich nickte nur lächelnd und verabschiedete mich von den Beiden als auch ihre Pferde fertig gerichtet waren und zum Training auf den Platz gingen.

Ich entschloss mich ihnen nicht zu folgen. Stattdessen führten mich meine Beine in Richtung Privatstall. Ich öffnete die Boxentür von Cooper und klopfte ihm auf den Hals. Er grummelte leise und spielte mit den Reisverschlüssen meiner Jackentaschen herum. Ich grinste nur etwas und entschloss mich ihn etwas spazieren zu führen.

Ich machte ihm sein Halfter um und führte ihn anschließend aus der Box. Langsam schlug ich den Weg zum Grasplatz ein und holte während dem Laufen mein Handy aus der Hosentasche. Schnell war die Nummer von Matti eingetippt.

Das typische Tuten ertönte und schon nach dem zweiten Mal hob er ab. „Und bist du angekommen? Wie ist es so? Warte ich stell auf Laut. Nati will auch mithören", sagte er sofort und gab mir wenig später das Okay erstmal etwas zu sagen.

„Tja, was soll ich sagen. Ludger hat mich persönlich begrüßt und mir mein Zimmer gezeigt. Ich bin bei den Pflegern untergebracht. Ich habe auch schon Philipps Pflegerin Lisa kennen gelernt. Sie ist echt nett. Und die anderen Pfleger und Reiter sind bis jetzt auch echt cool drauf", sagte ich in den Hörer als Cooper und ich am Grasplatz angekommen waren.

Einzelne Hindernisse standen einsam auf dem Gras und leuchteten in der untergehenden Abendsonne. „Wen hast du alles getroffen? Und sehen sie besser aus als auf den Fotos?", fragte Natalie und ich schüttelte lachend meinen Kopf. Das Aussehen von Reitern war ihr schon immer am wichtigsten gewesen.

„Sie sehen alle ganz normal aus, aber bis jetzt kann ich nicht wirklich etwas gegen sie sagen. Philipp ist, wie es im Moment aussieht das kleine Mobbingopfer der Reiter und Christian ist echt cool drauf, Henrik genauso. Es gibt nichts zu meckern", sagte ich und fuhr Cooper über seinen seidigen Hals.

„Das wohl größte Kompliment, das man von einem Deutschen bekommen kann", scherzte Matti und brachte mich dazu meine Augen zu verdrehen. „Du bist unmöglich", sagte ich und schüttelte meinen Kopf. „Gibt es bei euch etwas Neues?", fragte ich und führte Cooper wieder zurück in seine Box als wir den Platz zweimal umrundet hatten.

„Nein, nicht wirklich. Nati ist heute geflogen, aber sonst nichts", ich hörte wie Natalie empört aufschnaubte und anschließend Matti wohl auf die Schulter Boxte. „Ich hoffe dir ist nichts passiert", sagte ich grinsend und fragte mich wie man aus einem Dressursattel fallen konnte. Ich hatte das noch nie geschafft. Die Pauschen hielten einen doch an Ort und Stelle. Jedenfalls bei dem Sattel, den ich in der Dressur immer benutzt hatte.

Ich stellte Cooper wieder in seine Box, unterhielt mich währenddessen weiter mit Matti und Nati. Meine Beine führten mich anschließend zu den Koppeln, auf denen gerade Chaman graste. Ich konnte es immer noch nicht fassen hier auf einem internationalen Top Gestüt zu sein. Das war einfach alles viel zu surreal.

Und eigentlich hatte ich das auch gar nicht verdient.

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