K a p i t e l 0 4

2.4K 166 13

Kapitel 04

Auf meiner Rechten Seite erblickte ich ein strahlend weißes Schild. "Ludger Beerbaum Stables – 500 Meter", stand dort geschrieben. Nervös atmete ich tief durch und krallte meine Finger in das Lenkrad. In gut Fünfhundert Metern würde ich da sein. Fünfhundert Meter, die mich noch von weltklasse Reitern trennten.

Ich bog Rechts ab und konnte sogleich durch ein Schmiedeisernes Tor fahren. Die Kieselsteine knirschten unter den schweren Autoreifen. Eine kleine Allee bestehend aus Buchen leitete mich an zwei Wohnhäuser vorbei. Ich fuhr Rechts ein und blieb vor einer Führanlage stehen.

Ich atmete noch einmal tief durch und wuchtete mich anschließend aus dem Auto. Die Oktobersonne blendete mich etwas, als ich mich streckte. Ich schlug die Autotür zu und drehte mich um. Freudig erkannte ich, dass jemand aus einem der Wohnhäuser ging und mir mit einem breiten Grinsen entgegen kam. Und es war niemand geringerer als Ludger Beerbaum persönlich.

Lächelnd ging ich ihm entgegen und reichte ihm meine Hand. „Schön, dass du deinen Weg doch hier er gefunden hast", sagte er und schüttelte meine Hand. Ich nickte angespannt und ließ meinen Blick kurz umherschweifen. Ein paar Pferde grasten zufrieden auf der Weide und verscheuchten mit ihren gepflegten Schweifen die wenig lästigen Fliegen, die sich noch nicht vor dem kalten Winter verzogen hatten.

„Gut, dann laden wir deinen Großen Mal ab", sagte Ludger voller Tatendrang und klatschte in die Hände. Ich nickte zustimmend und mit vereinten Kräften öffneten wir die Heckklappe. Ich schlüpfte durch die Seitentür zu Cooper. Sofort spitzte er seine Ohren und streckte seinen Kopf in die Richtung meiner Jackentaschen. Ich streichelte ihm über seinen Stern und löste den Strick. Anschließend führte ich Cooper gelassen rückwärts aus dem Anhänger.

Kaum stand er draußen hob er seinen Kopf und sah sich aufmerksam um. Seine braunen Nüstern blähten sich etwas und wenige Sekunden später stoß er sein markerschütterndes Wiehern aus. Ein paar von Ludgers Pferden streckten daraufhin ihre Köpfe aus den Boxen und schnaubten alarmiert aus. Stolz bemerkte ich Ludgers Blick auf Cooper.

Ich hatte Coopers Fell vor meiner Abreise extra noch einmal lange gebürstet und seine Hufe mit Huföl eingeschmiert. Seine dünnen Beine waren in Transportgamschen eingewickelt. Seinen Schweif hatte ich eingeflochten, damit er sich während der knapp Siebenstündigen Fahrt keine Haare ausriss. Lieben gerne hätte ich ihm einen Schweifschoner angelegt, diese konnte er allerdings so überhaupt nicht leiden. Seine schwarze Mähne fiel ihm seidig glänzend über seinen sehr muskulösen Hals. Man konnte fast meinen, dass der Wallach doch ein Hengst war.

„Komm mit. Ich zeige dir wo seine Box ist", forderte Ludger mich auf und artig folgten wir ihm. Cooper trottete entspannt hinter mir her. Ihm schien es überhaupt nichts auszumachen auf einem fremden Gestüt zu sein. Das hatte ich wohl unseren vielen Turnieren der Vergangenheit zu verdanken.

„Du stehst mit ihm in meinem Privatstall. Zinedine steht da auch, da er sich mit den anderen Turnierpferden nicht so sonderlich gut versteht. Meine Frau hat da auch ihre Pferde, genauso wie meine Töchter. In den Stall kann jeder der Angestellten, aber im Allgemeinen ist hier viel weniger los als im Turnier- oder Hengststall", erzählte er mir und deutete dabei auf einen weiß-grünen Stallkomplex.

Beeindruck schluckte ich. Allein der Durchmesser war schon doppelt so groß wie zuhause in München. Als wir den Stall betraten streckten einige Pferde ihre edlen Köpfe aus den Boxen und betrachteten die Eindringlinge. Die Gitter vor den Boxen waren auf Hochglanz poliert und die keinen Goldkugeln an jeder Ecke einer Box spiegelten uns wieder, als wir daran vorbei gingen. Nirgends waren Spinnenweben zu sehen. Nicht einmal irgendwelche Heuhalme langen auf der Stallgasse. Jede Box hatte einen Deckenhalter vor sich hängen. Auf jedem Deckenhalter lag die immergleiche Abschwitz- und Fliegendecke. Auch bei Coopers neuer Box. Alles war einwandfrei und super ordentlich aufgeräumt.

Never give up your biggest Dream Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt