K a p i t e l 0 3

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Kapitel 03

„Also, was willst du uns unbedingt erzählen?", fragte mein bester Freund Matthias Meier mich neugierig, als wir die Treppen zum Heuboden über den Stallungen erklommen hatten. Zusammen mit Lily und Natalie Köhler, einer Dressurreiterin, setzten wir uns auf die Heuballen am Fenster des Dachbodens. Die zwei Mädels blickten ebenfalls gespannt zu mir.

Ein breites Grinsen bildete sich auf meinen Lippen und unschuldig zog ich meine Schultern hoch. „Ich werde nur noch zwei Wochen hier im Stall sein", sagte ich und sah gespannt in ihre Gesichter. Sofort wechselten ihre Mienen von Neugier in Verwirrung und Überraschung. „Und was genau soll das jetzt heißen?", fragte Natalie mich und blickte mich forschend an.

Ich presste meine Lippen aufeinander um nicht noch mehr zu lächeln. Dann faltete ich meine Hände in meinem Schoß und sagte: „Ich werde den Stall wechseln" „Wie? Du gehst?", fragte Lily mich und sah mich entsetzt an. Kein Wunder, die meisten Reiter in diesem Stall waren eingebildet wie noch Mal was, während die Einsteller sich am liebsten gleich wieder verabschieden würden, wenn sie jemanden von uns erblickten. Jugendliche gab es hier nicht sonderlich viele. Das waren wirklich nur Matti, der Sohn des Betreibers dieses Stalles, Nati und mich.

„Und wohin genau wechselst du?", fragte Natalie mich neugierig. Sie sah als Einzige so aus als würde sie sich für mich freuen. Wenn auch nur ein winziges Bisschen. „Nach Riesenbeck", sagte ich und presste meine Lippen aufeinander. Ich fragte mich, ob sie überhaupt wussten wer alles in Riesenbeck lebte.

„Und wo zum Teufel soll Riesenbeck überhaupt sein? Hört sich nicht gerade Bayerisch an", stellte Lily fest und auch Matti sah nicht sonderlich schlauer aus. „In der Nähe von Münster und Osnabrück. Da Oben halt", sagte ich und grinste sie weiterhin an. Es machte schon einen Spaß, sie alle hier etwas zu ärgern.

Natalie atmete schwer aus und sagte: „Der einzig große Reiter, den ich kenne, der da oben seinen Stall hat ist Helen Langehanenberg. Aber da wechselst du mit Sicherheit nicht hin, oder?" Natürlich musste sie ihr Dressurass gleich ausspielen.

Eine kleine Pause legte sich zwischen uns. Man konnte förmlich hören wie es in ihren Gehirnen ratterte. Matti durchbrach die Stille: „Sag oder ich frage das allwissende Internet" Gewinnend grinsend zog er sein Handy aus der Reithose. „Wir wissen doch alle, dass du hier oben keinen Empfang hast. Du kannst es also sein lassen. Aber nein, ratet mal weiter", erwiderte ich und blickte zu Lily.

„Daniel Deusser? Aber der Trainiert doch in Belgien" – „Ein anderer", sagte ich und schüttelte nur lachend meinen Kopf. Seitdem Deusser 2013 die Deutschen Meisterschaften gewonnen hatte, hatte Lily einen Fabel für ihn und seine Pferde. Sie kannte seinen Lebenslauf praktisch auswendig.

Nun sahen wir alle zu Matti, der sich als einziges noch Gedanken über meinen zukünftigen Stall machte. Doch er hatte seine Stirn nur in Falten gelegt und sah gedankenverloren auf den Strohballen hinter uns.

„Okay ich gebe es auf. Das ist mit euch ja kaum auszuhalten. Ich wechsle in die Ludger Beerbaum Stables", platzte es aus mir heraus. Augenblicklich schrie Matti überrascht auf und drückte mich sofort in eine feste Umarmung. „Das ist nicht dein Ernst! Du reitest nicht Mal Turniere und dann wirst du in einen so großen Stall geladen? Wie kannst du nur?" Ich lachte während Matti mich nur schwer los lassen konnte.

„Du willst mich doch verarschen. Das kann doch nicht wahr sein! Der Springreiter schlechthin. Du bist so fies", rief Lily aus und stoß Matti von meiner Seite um sich mir um den Hals zu werfen. Ich konnte mir das Grinsen nicht verkneifen. Ein schallendes Lachen entfuhr mir und hallte durch den gesamten Heuboden.

„Du bist Verrückt, sogar ich als Dressurreiterin kenne ihn. Hut ab", sagte Nati und drückte mich ebenfalls. „Wenn ihr mich jetzt noch fester drückt, werde ich wohl nie Riesenbeck erleben. Wenn ich wegen euch Erdrückt werde, hat Ludger von meinem Talent, so wie er es formuliert hat, nichts mehr", meinte ich lachend als sich wieder alle drei an meinen Hals warfen.

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