Chapter 19

818 40 0
                                    

Seoul
Jay zog weiter an meinem Arm. Ohne mich zu verteidigen, rannte ich hinter ihm her. Ich hatte ja schließlich kein Problem damit, dass mich ein gut aussehender, lebensrettender, niedlicher, verloren geglaubter Popstar durch meine Heimatstadt schleppte. Vage konnte ich mich an den Flughafen erinnern, aber aus einem anderen Blickwinkel. Das letzte mal war ich hier gewesen, nach dem Unfall meiner Mutter, als wir nach Amerika wollten und es auch getan haben. Manchmal frage ich mich, wie mein Leben gewesen wäre, wenn ich hier geblieben wäre? Wäre es schöner gewesen oder hätte mir immer etwas gefehlt? Menschen strömten an uns vorbei, plötzlich rämpelte mich eine Person an. "Hey!", wollte ich rufen, aber ließ es lieber sein. Warte. WARTE WAS? WO WAR MEIN KOFFER? Für kurze Zeit setzte mein Gehirn aus, bis ich über meine eigene Dummheit lachen konnte. Wir waren ganz ohne Gepäck hier her gereist! Wie hatte ich das nur vergessen können? Die dreckige Luft vernebelte wohl schon ganz meine Sinne. Dann stiegen wir in einen Bus, der gerade schon wieder wegfahren wollte. Der Fahrer war freundlich, das komplette Gegenteil von den Bus- und Taxidrivern aus New York, die anscheinend nicht für ihr Geld arbeiten wollten, sondern einfach nur Zeitung lesend in ihren Wägen dahinvegetierten und ihr Leben bemitleideten.

2 Stunden später, etwas außerhalb von Seoul
"Wir müssen raus", flüsterte mir Jay ins Ohr und strich mir eine Strähne aus den Augen. Lange Zeit über hatte ich die sich dauern verändernde Landschaft beobachtet, irgendwann war ich dazu übergegangen einfach die Augen zu schließen und seine Wärme zu genießen. Wir sprangen aus dem Bus und standen auf einer breiten Straße. Sie war mehrspurig und ich konnte mich irgendwie daran erinnern. In gewisser Weise verband ich Angst mit dieser Straße. Es war aber sicher nicht die von dem Unfall, denn die war auf dem Weg zu einem Supermarkt gewesen. 5 Minuten lang lief ich still neben Park her. Er wusste genau wohin er wollte und ich vertraute ihm blind. Menschen liefen an und vorbei und ich musste schockiert feststellen, wie eingerostet und auf niedrigem Niveau mein Koreanisch war. In mindestens jedem Satz, den ich aufschnappen konnte, befand sich mindestens ein mir unbekanntes Wort. Wie nervig. Wir kamen in ein Wohngebiet, das nur aus neuen, gleichen Reihenhäusern bestand. Wann hatten sie die gebaut, oder standen sie da schon immer? Nein, das kann nicht sein! Die Umgebung war so fremd, eintönig und.... langweilig. Es beruhigte mich, dass er weiterlief. Ich hatte schon befürchtet, dass sich unser altes Haus unter einer der Neubauten befand. Purer Horror. Zwei Straßen weiter kamen wir in ein etwas heruntergekommeneres Gebiet. Die Häuser wurden grauer. Und er zeigte auf eines auf der rechten Seite. "Meine Eltern wohnen hier immer noch, wir können sie nachher besuchen", schlug er vor und ich nickte. "Steht unser Haus auch noch?",fragte ich ihn. Er antwortete:" Finden wir es raus!" Er ließ meine Hand los und wartete darauf, dass ich vorauslief. Als ob ich das Haus noch erkennen würde? Ich erinnerte mich gerade so noch an die Straße, aber fast alle Häuser waren renoviert worden, bis auf eines. Am Ende der Straße konnte ich ein braun graues Haus erkennen. 13. Eine Zahl trat in meinen Kopf. 13. 13. 13. 170. 13. ich war total verwirrt. "J-jay? Hab ich in Nummer 170 gewohnt?", wollte ich von ihm wissen und sah zu ihm hinauf. Er nickte nur und ich beschleunigte meine Schritte. Und die 13.... war die Entfernung von seinem zu meinem Haus, oder? Eigentlich nur die Spielereien eines Kindes, aber eine Zahl die mir im Kopf geblieben war. Zählend wurde ich immer schneller, rannte die letzten Schritte. Tatsächlich! Es waren 13 Häuser weiter. Und.... es war genau so, wie es zurückgelassen worden war. Also nicht genau so, aber meine Lieblingsschaukel hing noch im total verwucherten Vorgarten. Ausgebleichte Bilder hingen an den teilweise eingeworfenen Fenstern. Der Schornstein ragte immernoch aus dem Dach heraus, das an einigen Stellen Löcher aufwies. Es war alles zerstört, ich erkannte es aber trotzdem wieder.... es war..... perfekt.

The Job (Jay Park FF), K-popWo Geschichten leben. Entdecke jetzt