Der Grimm und seine Wirkung

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„Hat denn ... hat denn kein Einziger sein Buch öffnen können?" fragte Hagrid ganz verdattert und die Schüler schüttelten ihre Köpfe, „Ihr müsst sie streicheln." sagte Hagrid, als wäre es ganz selbstverständlich und demonstrierte es an Hermine's Buch. Das haarige Buch versuchte zu beißen, doch Hagrid fuhr mit seinem riesigen Zeigefinger an seinem Rücken entlang und das Buch fing an zu zittern, klappte auf und blieb ruhig in seiner Hand liegen.

„Oh, wie dumm wir doch alle waren!" höhnte Malfoy, „Wir hätten sie streicheln sollen! Da hätten wir doch von allein draufkommen können!"

„Ich...ich dachte, sie sind ganz lustige Dinger." sagte Hagrid unsicher zu Hermine.

„Oh , total lustig!" Erwiderte der Slytherin, „Unglaublich witzig, uns Bücher zu geben, die uns die Hände abreißen wollen!"

Hagrid schien ein wenig den Faden verloren zu haben, ehe er sich wieder den Wesen zuwandte, „Das sind Hippogreife! Herrlich, nicht wahr?"

Serena konnte durchaus sehen, was Hagrid meinte. Wenn man einmal den ersten Schreck angesichts einer Kreatur überwunden hatte, die halb Pferd, halb Vogel war, lernte man den Anblick der Hippogreife zu schätzen. Der Wildhüter rieb sich die Hände und strahlte in die Runde, „Wollt ihr nicht ein wenig näher kommen?"

Keiner schien sich darum zu reißen. Serena, Harry, Ron und Hermine jedoch näherten sich vorsichtig dem Zaun, damit Hagrid sich nicht ganz so schlecht fühlen würde. Doch ganz Geheuer war es wohl noch immer keinem von ihnen.

„Nun, als Erstes müsst ihr wissen, dass Hippogreife stolz sind." erklärte er, „Sind leicht beleidigt, diese Hippogreife. Beleidigt nie keinen, denn das könnte eure letzte Tat gewesen sein. Ihr müsst immer abwarten, bis der Hippogreif den ersten Schritt macht, „fuhr Hagrid fort, „Das ist höflich, versteht ihr? Ihr geht auf ihn zu und verbeugt euch und wartet. Wenn er sich auch verbeugt, dürft ihr ihn berühren. Wenn er's nicht tut, dann macht euch schleunigst davon, denn diese Krallen tun weh. Also, wer will als Erster?"

Die meisten wichen noch weiter zurück. Auch Serena war nicht wohl zumute. Die Hippogreife warfen ihre grimmigen Köpfe in die Luft und spannten ihre mächtigen Flügel. Offenbar konnten sie es nicht leiden, angezäunt zu sein.

„Keiner?" sagte Hagrid mit flehendem Blick, woraufhin Harry sich freiwillig meldete, „Ich mach's."

„Ooooo nein, Harry, denk an deine Teeblätter!" Tuschelten Lavender und Parvati, doch Harry war schon über den Zaun der Koppel geklettert.

„Mutiger Junge, Harry!" polterte Hagrid, „Gut, schauen wir mal, wie du mit Seidenschnabel zurechtkommst."

Er löste eine der Ketten, zog den grauen Hippogreif von seinen Artgenossen fort und befreite ihn von seinem Lederkragen. Die Klasse auf der anderen Seite des Zauns schien den Atem anzuhalten. Malfoys Augen waren gehässig verengt.

Serena schaute gespannt zu, wie Harry sich dem Hippogreif näherte und sich tief verbeugte. Eine kurze Zeit lang machte es den Anschein, als würde Seidenschnabel sich nicht rühren, doch dann knickte er eines seiner geschuppten Vorderknie ein und neigte unmissverständlich den Kopf.

Malfoy neben ihr, brummte verärgert, löste seine Augen allerdings keine Sekunde von Harry, der inzwischen auf dem Rücken von dem Wesen saß. Hagrid klatschte dem Tier heftig auf das Hinterteil und es erhob sich in die Luft, einen panisch dreinblickenden Gryffindor auf dem Rücken tragend.
Seidenschnabel flog einmal um die Koppel herum und Serena sah ihm bewundernd und vielleicht auch ein bisschen neidisch hinterher.

„Gut gemacht, Harry!" rief Hagrid, als Seidenschnabel wieder gelandet war und alle außer Malfoy, Crabbe und Goyle brachen in Jubel aus, „Gut, wer will als Nächster?"

Der Rest der Klasse kletterte vorsichtig in die Koppel. Hagrid löste die Hippogreife nacheinander von ihren Ketten, und bald waren auf der ganzen Koppel Schüler verteilt, die sich nervös verbeugten.

Serena übte mit Neville an einem tintenschwarzen Tier. Neville stolperte allerdings immer wieder von dem Hippogreif weg, da er sich einfach nicht verneigen wollte.

Malfoy hatte sich Seidenschnabel vorgenommen, der sich gleich beim ersten Versuch verbeugt hatte und dem blonden Slytherin erlaubte, sich ihm zu nähern, „Das ist doch kinderleicht! Hab ich doch gleich gewusst, wenn Potter es schafft ... ich wette, du bist überhaupt nicht gefährlich, oder?" sagte er mit verächtlichem Blick zu dem Hippogreif, „Oder doch, du großes hässliches Scheusal?"

Es passierte schnell. Ein stählernes Blitzen der Krallen, ein heller Aufschrei und schon war Hagrid zur Stelle, der Seidenschnabel seinen Lederkragen wieder über den Hals zwängte und sich zu dem sich auf dem Boden windenden Malfoy herunterbeugte.

„Ich sterbe!" schrie er und langsam machte sich Panik zwischen den Schülern breit, „Ich sterbe, seht her! Es hat mich umgebracht!"

„Na ich hoffs doch." fügte Serena leise hinzu.

„Du stirbst nicht!" sagte Hagrid mit todbleichem Gesicht, „Helft mir mal, ich muss ihn hier rausbringen."

Gemeinsam mit den anderen folgte Serena Hagrid hinauf zum Schloss. Die Stimmung der Klasse war bedrückt und verängstigt, während die Slytherins lauthals schimpften, „Sie sollten ihn sofort rauswerfen!" sagte Pansy Parkinson und in ihren Augen glitzerten überflüssigerweise Tränen.

„Malfoy war doch selber Schuld!" meinte Serena, woraufhin Crabbe und Goyle ihr mit ihren Muskeln, oder wohl eher Masse drohten. Die Gryffindor streckte ihnen bloß unbeeindruckt die Zunge heraus.

Harry Potter and The Murderer's DaughterWo Geschichten leben. Entdecke jetzt