Ich bin Lily Gleeson, sechzehn Jahre alt und naja, lebe in einem Heim. Aber das ist voll okay. Ich bin jetzt schon seit zwei Jahren hier, weil meine Eltern umgebracht wurden. Ich weiß weder wieso, noch warum (ich weiß, ist eigentlich das Gleiche). Hier im Rosewood- Waisenhaus läuft das ein oder andere etwas anders ab. Die Betreuer sind relativ nett zu uns, aber die anderen sind dafür zehn mal so schlimm! Und wer jetzt denkt, ich übertreibe, der täuscht sich! Sie haben mir einmal im Schlaf mit einem Messer die Worte Miststück auf die Schulter geritzt! Und das nur so zum Spaß. Das ist jetzt zwar schon verheilt, aber man sieht die Worte immer noch, wenn man auf meine Schulter schaut. Und das ist erst das Harmloseste!
Außerdem haben sie mir mal die Haare blau gefärbt, meine Augen mit Tesafilm zu getapet, was nicht so schlimm gewesen wäre, wenn sie das nicht zu geschweißt hätten, und Lügen über mich verbreitet, die ich hier lieber unerwähnt lasse...

In diesem Drecksloch ist es nicht besser, als in anderen Heimen! Jeden Freitag haben wir Besuchertag und meistens bin ich da auch. Mich hat allerdings noch nie jemand adoptiert, noch nicht einmal Interesse gezeigt. Ich bin aber Gott sei Dank nicht alleine hier, denn mein bester Freund Jay (eigentlich Jayden) ist ebenfalls da.
Wir hatten uns angefreundet, da war ich gerade mal eine Woche hier. Ich wüsste nicht, was ich ohne ihn machen würde, obwohl da gibt es noch was: Musik. Sie hält mich quasi am Leben und ist meine Rettung. Ich habe mit Jay auch ein Duo: The Girl and the Dreamcatcher. Wir treten ab und zu auch mal bei einem der Besuchertage auf.
Das ist eine große Chance für uns, denn so werden wir wenigstens beachtet... Ich versuche immer, so positiv wie möglich zu denken, was hier aber nicht so einfach ist. Miss Rosewood, die Heim Leiterin, gibt sich zwar Mühe, aber sie hat ihre Augen nicht über all. Ich hatte mir sogar angewöhnt, nicht in Tiefschlaf zu verfallen, damit ich mich zur Not gegen diese hohlen Vollidioten wehren kann. Ich habe, bevor ich hergekommen bin, Selbstverteidigung gemacht, was eigentlich soviel heißt wie Boxen. Das habe ich aber nur bis ich dreizehn Jahre, zehn Monate und drei Tage alt war gemacht. Warum ich mich so genau an das Alter erinnern kann? Das ist so, weil genau an dem Tag die Nachricht kam, dass mein großer Bruder Nick von einem Auto angefahren, und an den Verletzungen gestorben ist...

~Flashback~

"Mum! Dad! Nick! Ich bin wieder da!", schrie ich durch unser Haus in London, meiner Heimat, "Mum?" Keine Antwort.
Ich legte schnell den Schlüssel hin und zog meine Jacke aus.
"Ach kommt schon Leute, das ist nicht lustig!", schrie ich noch mal und machte mich auf den Weg ins Wohnzimmer, das im ersten Stock lag. Unten sind Wohnzimmer, Küche und Gäste Bad. Und oben sind die Schlafzimmer und unser Bad.
"Lily, komm mal bitte her...", erklang die bedrückt klingende Stimme meiner Mutter aus dem Wohnzimmer, in dem ich gerade angekommen war.
"Was ist los? Ihr seht so traurig aus...", stellte ich fest und lies mich locker in den großen Sessel neben dem Fernseher plumpsen.
"Schatz... Es ist was passiert, was nicht sehr leicht zu erklären ist...", fing meine Mutter an und ihr entwich ein Schluchzen. Ich hasste es, meine Mutter so sehen zu müssen.
"Ähm... okay, wartet ich hole Nick-" "Um ihn geht es, Lily...", unterbrach mich mein Vater und sah mich traurig an. Mit schossen tausend mögliche Situationen in den Kopf, dass er verschwunden ist, im Krankenhaus... Tot...
"Was ist passiert?", fragte ich mit zittriger Stimme und gesellte mich zu meinen Eltern auf unsere Couch.
"Er... Er wurde von einem Auto angefahren und danach ins Krankenhaus gebracht, aber-", die Stimme meiner Mutter brach. Die sonst so konstante Stimme meiner Mutter brach.
Sie sah auf ihre Hände und dann zu meinem Dad, dieser nickte. Er rutschte ein wenig nach vorne und konnte mir so direkt in die Augen sehen.
"Er lag erst im Koma, doch dann... Dann haben sie ihn verloren...", brachte er raus und sah mich tiefst traurig an.
"Was...?", fragte ich geschockt. Das durfte doch nicht wahr sein!
Das konnte einfach nicht sein! Nicht er, nicht mein großer Bruder... Er war nur zwei Jahre älter als ich... Er war doch erst fünfzehn!
"Das darf nicht euer ernst sein, ihr verarscht mich, oder?", fragte ich hoffnungsvoll, doch sie schüttelten nur die Köpfe. Mir lief eine Träne nach der anderen die Wange herunter, bis daraus ein Rinnsal, und dann ein Bach wurde.
Mir entfuhr ein Schluchzen und meine Mutter nahm mich schnell in den Arm, doch das holte mir meinem Nick auch nicht wieder zurück. Er war tot.

~Flashback Ende~

Das war der Tag, an dem ich nie wieder Boxen ging, denn es hilft ja sowie so nichts.
Seit dem Tag, bin ich nie wieder dahin gegangen, weil das Studio, in welches ich gegangen bin, direkt gegenüber des Unfallsorts ist. Mein Bruder wollte mich damals abholen und war spät dran, deswegen wurde er angefahren, deswegen ist er tot; wegen mir.
Meine Eltern meinten damals, dass ich mir unmöglich die Schuld geben kann, aber dem war nicht so. Ich hatte ihn nämlich darum gebeten, mich ab zu holen.
Ich war und bin Schuld daran, das kann mir keiner ausreden. Aber ich komme schon viel besser mit seinem, und ihren Tod klar.
Es sind immerhin schon drei Jahre her.

Okay, zurück zu meinem jetzigen Leben. Es ist eigentlich, wenn man die ganzen hirnlosen Kotzbrocken weg lässt, ganz in Ordnung.
Ich meine, wer hat denn bitte schön die Möglichkeit einmal in der Woche vor einer riesen Menschenmenge zu Singen? Hm? Genau, keiner.
Vor allem stehe ich mit meinem besten Freund auf der Bühne, dem ich blind vertraue. Ich vertraue keinem, außer ihm. Miss Rosewood lässt uns eigentlich nur auftreten, weil ich sie mindestens drei Wochen damit genervt habe. Es kann aber auch daran liegen, dass ich gedroht habe, nichts mehr zu essen... EGAL! Also, morgen ist wieder Besuchertag und ich bin mal wieder mit Jay am proben.

WHAT HAPPENED?- Adopted by One Direction #Wattys2017Read this story for FREE!