Wir sind wieder in Hannahs' Gedanken;)

,,Ihre Tochter befindet sich in einem sehr kritischen Zustand. Wir müssen die Nacht abwarten, aber vorerst ist sie außer Lebensgefahr", teilt die Schwester mit, während sich Ellas' Mutter die Hand vor den Mund hält und laut schluchzt.

Ihr Mann schlingt die Arme um ihren zierlichen Körper und versucht, nicht selbst noch die Nerven zu verlieren.

Ich kann es kaum beschreiben, was gerade durch meinen Kopf geht. Soll ich mich darüber freuen, dass Ella es überlebt hat, oder lieber tagelang heulen, weil es erst gar nicht hätte soweit kommen müssen?

Mit angespannten Schultern mache ich auf dem Absatz kehrt und renne zurück zum Empfangsbereich, um Tyren und Luke die mehr oder weniger gute Nachricht zu überbringen.

Mein Körper bebt, als mir mehr und mehr Tränen über die Wangen laufen.

Von weitem kann ich die beiden ausmachen. Noch bevor ich richtig bei ihnen ankomme, springen sie auf und sehen mich abwartend an. Luke ignoriere ich dabei jedoch komplett. Ich kann ihm momentan einfach nicht in die Augen schauen.

,,Ella hat es überlebt! Sie hat es überlebt..." Die Worte verlassen meinen Mund und doch sind sie noch nicht richtig bei mir angekommen. Im nächsten Augenblick bricht der ganze Kummer und die Angst über mich herein.

Vor meinen Augen verschwimmen die Farben. Alles wird schwarz und für einen kurzen Moment, habe ich das Gefühl zu fallen.

,,Hannah?..", haucht wenig später Tyren an meinem Ohr. Eine warme Hand streicht über meine Wange und hinterlässt ein wohliges Gefühl auf meiner Haut.

Vorsichtig öffne ich die Augen und finde mich in seinen Armen wieder. Neben Luke, der etwas weiter Abseits das Geschehen beobachtet, blicke ich in das Gesicht einer besorgten Schwester.

,,Oh Gott, ist alles in Ordnung bei Ihnen? Soll ich einen Arzt rufen?"

Ich richte mich auf, was -im Nachhinein bemerkt- leider viel zu schnell ist und lehne mich kurz an Tyrens' Brust an, um nicht erneut umzukippen.

,,N-Nein es geht schon. Mir war nur kurz schwindelig", krächze ich und merke, wie mir übel wird. Mein Blick huscht zu der Damentoilette nicht unweit von uns entfernt.

,,Ich muss mal eben-", sage ich hektisch und reiße mich von Tyren los, der perplex die Arme zurückzieht.

Gerade noch rechtzeitig schaffe ich es, die Tür aufzureißen und mich in die Toilettenschüssel zu übergeben. Nachdem ich mir wortwörtlich die Seele aus dem Leib gekotzt habe, lasse ich am Waschbecken kaltes Wasser über mein Gesicht laufen und binde meine Haare zu einem Pferdeschwanz.

Was für ein beschissener Tag.

Luke startet einen Annäherungsversuch, Ella wird angeschossen und zu allem Übel, stinke ich jetzt auch noch nach Kotze.

Wenn Scott doch nur da wäre..

Meine Hand wandert zu den Papierhandtüchern, mit denen ich mir vorsichtig das Gesicht abtupfe, als die Tür aufgeht und ich kurz zusammenzucke.

Ich reiße meine Augen auf: ,,D-Du hier?!". Ein erleichtertes Grinsen legt sich auf seine Lippen.

,,Könnten wir das vielleicht vor der Damentoilette besprechen? Ich werde schon blöd angeguckt", Scott kratzt sich verlegen am Kopf und deutet mir mit einem kurzen Wink, dass ich ihm folgen soll.

Manchmal glaube ich wirklich, dass Scott meine Gedanken lesen kann. Er taucht immer dann auf, wenn ich ihn am meisten brauche.

,,Was ist passiert?", fragt er besorgt und zieht seine Stirn in Falten. Ich muss gerade echt erbärmlich aussehen mit meinen zerzausten Haaren, den rot angeschwollenen Augen und den Blutflecken auf meinem T-Shirt.

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