LUKE P.O.V

Etwas verwirrt sehe ich Hannah an. Ich weiß wovon sie da spricht. Von dem mehr oder weniger Kuss. Keine Ahnung, was mich dazu getrieben hat, aber seit dem ich sie kenne, möchte ich ständig in ihrer Nähe sein.

Wie gerne hätte ich ihre Lippen auf meinen gespürt, sie geschmeckt und erst wieder aufgehört sie zu küssen, bis wir beide keine Luft mehr bekommen hätten.

Doch was soll Hannah mit einem Typen wie mir? Der seelisch ein Wrack ist und seine Vergangenheit nicht hinter sich lassen kann.

Verdammt ich bin so ein Idiot. Mit ihren Gefühlen zu spielen, aber als sie da so vor mir stand musste ich wissen, ob sie genauso empfindet. Oder zumindest ein wenig Interesse an mir hat.

Ihre leicht rosa Wangen und ihre Nervosität haben sie letztendlich verraten. Allerdings ist diese Nervosität jetzt in blanke Wut umgesprungen.

Ich bin so ein Arsch. Was habe ich da eigentlich wieder angerichtet?
Noch bevor ich reagieren kann, dreht sie sich um und rennt weg. Das war's, ich hab's endgültig verbockt.

Schnellen Schrittes versuche ich ihr hinterher zu gehen und komme wenig später am Gitter an. Bis auf Tyren sind die anderen alle weg und... scheiße hat er da Blut auf seinem Shirt?!

Hannah's Blick spricht Bände, als sie sich zu mir umdreht. Am liebsten würde ich sie jetzt in den Arm nehmen und trösten. Ich kann mir vorstellen, dass das Blut nur von Ella stammen kann, denn ihr Schrei kurz nach dem Schuss war mehr als eindeutig.

In der nächsten Sekunde umarmt Tyren sie schon, was mich unbewusst meine Hände zu Fäusten ballen lässt. Toll, wenn auch noch zwei beste Freunde auf das selbe Mädchen stehen.

Verdammt, kann er sie nicht endlich mal loslassen!? Ich schlucke einmal schwer und gehe mit kalter Miene an den beiden vorbei zu meinem Porsche.

,,Ich fahre", raune ich angespannt und setze mich hinters Steuer. Zum Glück trinke ich nichts mehr. Dieser eine Tag in meinem Leben hat ausgereicht, um mich auf ewig vom Alkohol fern zu halten.

Schon allein beim Gedanken daran, verkrampft sich mein kompletter Körper. Meine Knochen treten weiß hervor, während ich das Lenkrad fest umfasse.

Aus dem Augenwinkel erkenne ich, wie Hannah die Tür öffnet und sich auf den Rücksitz setzt. Im Rückspiegel beobachte ich, dass sie sich noch die letzten Tränen wegwischt. Ihr rosa T-Shirt zieren kleine rote Blutflecken.

Tja, hätte sie Tyren nicht umarmt, wäre es jetzt noch sauber.

Ich kann nicht verleugnen, dass ich eifersüchtig auf ihn bin. Er ist ein guter Kumpel und besser für sie geeignet, als ich, aber die beiden zusammen zu sehen, geht mir gegen den Strich.

Mit etwa 90 brettre ich die Straße entlang zum Krankenhaus. ,,Kannst du nicht schneller fahren?", höre ich Hannah von hinten genervt fragen, während ihre Stimme jedoch zittert.

,,Wenn du nachher selber noch im Krankenhaus landen willst, dann ja", entgegne ich gereizt und könnte mir für diese Worte persönlich in die Eier treten. Ihre Freundin wurde angeschossen und ich lasse so einen scheiß Kommentar ab.

Ich bemerke Tyrens' Blick von der Seite. ,,Tut mir leid, es war nicht-"

,,Schon gut", unterbricht sie mich gereizt und schluchzt. Würde ich nicht gerade fahren, hätte ich mir meinen Kopf einmal gegen die Scheibe geschlagen. Vielleicht kann ich so wieder klarer denken.

Als wir vor dem Krankenhaus ankommen, steigt Hannah noch während der Fahrt aus. ,,Spinnst du?!", fluche ich und presse die Lippen aufeinander. Ich bin zwar nicht schnell gefahren, wollte eben nur einparken, aber sie hätte sich sonst was tun können.

Zeugenschutzprogramm (#Lichteraward2017)Lies diese Geschichte KOSTENLOS!