Andernorts - Versinken

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Inhaltswarnungen: Sex (I),(II)

 Verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, ver-


„He, Mischa, alles in Ordnung? Du bist so still heute."

Verdammt!

„Muss mir gestern eine Erkältung eingefangen haben", murmelte Tarn abwesend als Antwort auf Moreaus Frage und beeilte sich, demonstrativ, aber nicht zu auffällig zu hüsteln.

Sie waren wie fast jeden Abend auf dem Weg hinüber zu Duponts Hof, um mit der Familie zu essen, Moreau stoisch voran stapfend, Tarn und Dacian nebeneinander hinterdrein. Manchmal unterhielten sie sich auf dem kurzen Fußweg miteinander, aber heute schien jeder seinen eigenen Gedanken nach zu hängen, und im Grunde war das Tarn auch recht. Er war viel zu sehr damit beschäftigt, sein Pech zu verfluchen.

Er war wirklich nicht darauf vorbereitet, gleich mit Eli an einem Tisch zu sitzen und so zu tun, als hätten sie nichts miteinander zu schaffen. Er hatte seine wechselnden Partner nicht umsonst immer heimlich getroffen und sonst eher gemieden; auf so engem Raum, unter den Augen von einem halben Dutzend Menschen ein gemeinsames Geheimnis zu verbergen war möglich, aber auch nicht gerade einfach. Und er wollte Eli wirklich nicht in Schwierigkeiten bringen.

Wenn du ihn nicht schon längst in Schwierigkeiten gebracht hast, aus reiner Blödheit, dachte er und hätte sich am liebsten selbst einen Tritt in den Hintern gegeben. Warum war er nur so dumm gewesen, hatte überhaupt nicht nachgedacht? Gut, er wusste warum, er hatte es einfach dringend nötig gehabt und Eli war genau die Sorte von Mann, die er wollte. Aber dann hatte er sich auch noch in aller Öffentlichkeit mit ihm sehen lassen, ihn direkt vom Weg ins Bett gezerrt und war auch noch so dämlich gewesen, Dacian davon wissen zu lassen, wo sie sich herum trieben. Das war das Letzte was sie brauchen konnten war, dass Dacian diese Begegnung an irgendjemand ausplauderte.

Nur, dass Dacian kein Wort dazu gesagt hatte. Er war missmutig gewesen, hatte anscheinend schlecht geschlafen, und er hatte jedes weitere Gespräch über Eli kategorisch fallen lassen, egal wie zaghaft Tarn versuchte ihn darauf anzusprechen. Aber soweit Tarn gehört hatte, hatte er auch kein Wort zu Moreau über diesen Zusammenstoß gesagt, und das war untypisch für ihn; er gab doch sonst alles bis ins kleinste Detail weiter.

Müde sah er aus, was vielleicht auch der Grund war, warum Moreau ihn als nächstes fragte: „Und du, Dacian? Auch erkältet?" Trotz der Besorgnis in seinem Gesicht entging Tarn nicht der lauernde Unterton. Die Frage war harmlos, aber trotzdem hatte Tarn in Momenten wie diesen das Gefühl, dass der Alte sie bewusst aushorchte. „Nein, ich hab nicht gut geschlafen", sagte Dacian, und lenkte dann, schon wieder völlig untypisch für ihn, einfach ab. „Aber ich hab die Nacht gefroren. Vielleicht sollten wir bald umziehen."

Sollten wir nicht, du Idiot, dachte Tarn, aber er verbiss sich den Kommentar. Er hatte keine besondere Lust, den Rest des Jahres in der baufälligen Schmiede zu schlafen und die ganze Nacht darauf zu warten, dass ihm irgendetwas auf den Kopf fiel. Und außerdem hätte Moreau dann nur noch mehr Gelegenheit gehabt, in seinen Angelegenheiten zu schnüffeln. „Wird wohl das Beste sein", stimmte Moreau zu, und irgendetwas sagte Tarn, dass er die selben Gedanken gehabt hatte. „Aber jetzt zieht nicht so ein Gesicht, wir sind immer noch Gäste", predigte er, während sie Duponts Hof erreichten und auf das Haus zusteuerten. „Verbreitet keine schlechte Stimmung, wenn ihr am Tisch sitzt und-"

Er hielt inne, als sie laute Stimmen hörten, die über den Hof schallten. Zwei Männer stritten, anscheinend Mathieu und Eliot, während Duponts tiefe dröhnende Stimme sie immer wieder unterbrach in dem Versuch, sie zur Ordnung zu rufen. Worüber sie sprachen war unverständlich, aber der tiefe Hass in Mathieus Stimme war so deutlich hörbar, dass Tarn sich augenblicklich versteifte. Völlig unbewusst lauschte er auf die Modulation; Kein Stolpern, keine ineinander zerfließenden Worte. Erleichterung breitete sich in ihm aus, und im nächsten Moment war er wütend auf sich selbst, dass er so heftig und instinktiv auf die lauten Stimmen reagierte.

Nirgendwo (BoyxBoy)Lies diese Geschichte KOSTENLOS!