Letztendlich habe ich mich doch noch von Tyren überreden lassen, mit in diesen komischen Wald zu kommen. Er hätte nur aus Spaß behauptet, dass es dort gefährlich wäre, um mir ein bisschen Angst zu machen.

Typisch Mann.

Von Luke habe ich seit dem Abend, wo er bei mir war, nicht mehr viel gesehen, geschweige denn gehört. Auch Mackenzie ist immer noch wie vom Erdboden verschluckt, was mir ein wenig Angst macht.

,,Meinst du, dass man sich da schick anziehen muss?", höre ich Ella vor mir fragen. Gerade hält sie sich ein schlichtes, himmelblaues Sommerkleid vor den Körper.

Ich lache kurz laut auf.

,,In einem Wald? Wohl kaum."

Gespielt eingeschnappt, wirft sie mit dem Kleid nach mir, was mir direkt ins Gesicht fliegt.

,,Ich muss mich unbedingt etwas von Paul ablenken. Wenn ich daran denke, dass... Argh! Warum sind die meisten Männer immer solche großen Arschlöcher?"

Sie fährt sich genervt durch ihre Haare. Ja, der Paul von der Party. Ich verstehe Ella. Dieser Mistkerl hat eine Freundin, mit der er eine Fernbeziehung führt, macht aber mit anderen Mädchen rum.

Dass Ella so neugierig ist, hat sie letztendlich zu dieser Erkenntnis gebracht. Sie hat sich heimlich Pauls' Handy geschnappt und auf dem Sperrbildschirm die Nachrichten durchgelesen.

Ich muss schon sagen, dass ich wirklich nur von Menschen umgeben bin, die definitiv das Potential besitzen, professionelle Stalker zu werden.

,,Das wüsste ich auch mal gerne."

,,Egal, heute Abend habe ich Spaß und denke nicht mehr an ihn. Außerdem ist Tyren auch echt süß, findest du nicht?", sie seufzt tief und streift sich ein dunkelblaues Top über.

Hmm. Darüber habe ich noch nie wirklich nachgedacht.

,,Ja, schon.", sage ich zögerlich.

,,Ich frage nur weil... Also, falls du etwas von ihm willst, dann halte ich mich natürlich zurück."

Ich öffne den Mund leicht: ,,Ähm, er gehört dir." In was für eine Richtung geht dieses Gespräch gerade?

,,Sei ehrlich Hannah", sagt sie ernst und kommt zu mir rüber.

Ich frage mich echt, warum wir überhaupt darüber sprechen. Tyren ist höchstens ein Freund, mehr nicht und wenn Ella ihn toll findet, dann sollte sie ihre Chance nutzen, um ihm etwas näher zu kommen.

,,ELLA!! EURE FREUNDE SIND DA!!", schreit die kräftige Stimme ihrer Mutter von unten, was mich kurz zusammenzucken lässt.

,,Was!! Jetzt schon! Verdammt, ich bin doch noch garnicht fertig!!!", flüstert sie hysterisch und wühlt in ihrem Schrank herum.

,,Welche Jacke soll ich denn nur anziehen? Hilf mir Hannah!."

Das Problem, was alle Frauen kennen. Der Kleiderschrank ist voll bis oben hin -und das ist bei Ella noch untertrieben- aber trotzdem findet man nicht das passende.

,,Nimm einfach die", entgegne ich schnell und greife nach einer braunen Lederjacke.

,,So kalt ist es schließlich nicht."

,,Du bist ein Schatz, danke", haucht sie und verpasst mir einen Schmatzer auf die Wange.

,,WIR KOMMEN!!", schreit sie zurück und stürmt die Treppe runter. Ich taste zum gefühlt Hundertsten mal heute, meine Tasche ab. Der Grund dafür; Scott hat mir eine Waffe mitgegeben.

Ja, genau. Wenn jemand das Ding sehen sollte, dann bin ich mehr als nur am Arsch. Deshalb bete ich zu Gott, dass heute niemand auf die Idee kommt, meine Tasche zu durchwühlen.

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