Das kann ja auch mal wieder nur mir passieren. Klar, Scott läuft nach dem Duschen häufig etwas freizügiger herum, was mich nicht im geringsten stört, doch was soll Luke sich denn jetzt bitte schön denken?

Und andersherum. Was hält Scott davon, dass Luke und ich so eng umschlungen in meinem Zimmer standen?

Ich raufe mir die Haare und traue mich erst gar nicht, mich zu Luke umzudrehen. Wenn er klug genug ist, dann geht er einfach. Lässt mich in Ruhe und macht nicht alles noch unangenehmer.

,,Okay, das war komisch. Warum hast du nicht erzählt, dass du einen Freund hast?"

Da hofft man einmal auf etwas Gnade und dann kommt sowas. Ich klatsche mir mit meiner Handfläche gegen die Stirn und schüttle den Kopf.

,,Du denkst Scott und ich?! NEIN! Oh Gott nein! Er ist nur.. Nur ein Freund. So etwas wie ein großer Bruder."

Ich und Scott ein Paar? Das könnte ich mir nicht mal im Traum vorstellen. Klar, er ist der typische Frauenschwarm; groß, gutaussehend und charmant. Zwar hat er bis jetzt noch keine Freundin und das, obwohl er bereits fast 30 ist, aber mein Freund?

Nein. Oh nein.

Luke grinst breit, als ich mich mit knallrotem Kopf zu ihm umdrehe.

,,Ich verstehe schon, du brauchst mir nichts zu erklären. Am besten ich gehe mal nach Hause und lasse euch zwei alleine." Irgendetwas in seiner Stimme  klingt komisch. Er grinst, dennoch scheint es seine Augen nicht zu erreichen. Es wirkt schon fast enttäuscht.

Oder du bildest dir mal wieder nur etwas ein.

Ja, das wird's sein.

,,Das wäre besser."
Ich sehe ihm nicht direkt in die Augen, öffne nur stumm die Tür und gehe in den Flur, um Luke noch zu verabschieden. Er folgt mir leise, nur sein ruhiger Atem ist zu hören.

,,Also dann...Man sieht sich", sage ich, als wir draußen stehen.

,,Ja. Bis dann", erwidert er und zwingt sich ein Lächeln auf. Ich warte nicht mehr, bis er in sein Auto steigt und los fährt, sondern renne direkt rein und schaue aus dem Fenster.

Als auch die Rücklichter nicht mehr zu sehen sind, atme ich erleichtert aus.
Und jetzt Scott.

Wie auf's Stichwort, taucht er hinter mir in der Küche auf.

,,Was war das gerade? Ich meine du bist erwachsen, aber.. es wäre schon beruhigend zu wissen, wie du zu Luke stehst."

Jetzt kommt auch noch Scott um die Ecke und fängt wieder so ein peinliches Gespräch an.

,,Es war nur eine einfache Umarmung. Nichts weiter. Er..er hat sich bedankt für... sag mal, seit wann platzt du eigentlich einfach so in mein Zimmer rein?", wechsle ich das Thema, da ihm das gar nicht ähnlich sieht.

,,Ich habe Stimmen aus deinem Zimmer gehört und gedacht, du bist in Gefahr."

Ich hebe eine Augenbraue.

,,Und da wolltest du mich halbnackt und ohne Schutz retten?", ich pruste los. Das kann nicht sein ernst sein.

,,Ich war nicht ohne Schutz. Meine Waffe habe ich nur schnell versteckt, als ich gesehen habe, dass doch keine Gefahr besteht", rechtfertigt er sich und verschränkt die Arme vor der Brust.

Mittlerweile hat er sich ein weißes T-Shirt übergezogen. Hätte er das nicht gerade schon machen können?

,,Achso, ja dann."

,,Du wolltest noch etwas sagen", stellt er abwartend fest. Scott hat ein Gedächtnis, wie ein Elefant. Er kann sich einfach alles merken, auch wenn es nur mal beiläufig erwähnt wurde.

Zeugenschutzprogramm (#Lichteraward2017)Lies diese Geschichte KOSTENLOS!