,,Klar. Worüber denn?", frage ich Scott angespannt. Sein Gesichtsausdruck lässt auf nichts positives schließen.

,,Warum warst du bei der Polizei?"

Ich schlucke einmal.

Früher oder später, wäre es vermutlich sowieso rausgekommen, aber so schnell? Scott macht seine Arbeit gründlich, das muss man ihm lassen.

,,Ich wurde bedrängt. Nichts dramatisches", spiele ich den Vorfall runter. Er zieht die Augenbrauen zusammen. Natürlich glaubt er mir das nicht, wieso sollte er auch?

Ich bekomme schon Angstzustände, wenn ich nur schief angeguckt werde, da ist das weitaus schlimmer.

,,Wann war das?"

,,Auf der Party..."

,,Wer?", fragt er bedrohlich leise. Ich mache ein paar Schritte auf ihn zu und schaue ihm tief in die Augen. Wenn es um mich geht, ist Scott nicht mehr zu bremsen.

,,Ich kannte ihn nicht, aber mir geht es gut. Wirklich." Ich greife nach seiner warmen Hand und zwinge mich zu einem Grinsen.

,,Warum bist du nicht zu mir gekommen?". Es schmerzt mir beinahe, ihn weiterhin anzusehen. Die Enttäuschung in seinen braunen Augen sagt alles.

,,Ich wollte nicht, dass du dir noch mehr Sorgen machst. Dich aufregen musst." Beschämt senke ich den Kopf. Ich hätte ihm die Wahrheit sagen sollen.

,,Hannah, es gibt keine Sekunde, in der ich nicht Angst um dich habe. Versprich mir, dass du das nächste mal zu mir kommst. Du musst das nicht mit dir alleine ausmachen, dafür bin ich schließlich da."

Er zieht mich zu sich und streicht mir vorsichtig mit einer Hand über den Scheitel.

,,Ich weiß", hauche ich an sein Hemd und schließe die Augen.

Was würde ich bloß ohne Scott machen.

,,Und das Luke Parker dich begleitet hat, wolltest du mir sicherlich auch noch sagen, oder?", grinst er und sieht mich an.

Nicht rot werden Hannah. Jetzt bloß nicht rot werden.

,,Ä-Ähm.. W-Wie kommst du denn darauf?", frage ich ertappt und kratze mir verlegen am Hinterkopf.

,,Betriebsgeheimnis", zwinkert er.

Ich boxe ihm kurz auf die Schulter und verschwinde in die Küche, damit er nicht mitbekommt, wie ich rot anlaufe.

,,Es war eine einmalige Sache."

,,Ist das so?", die Belustigung in seiner Stimme ist kaum zu überhören.

,,Ja."

,,Ich habe ihn überprüfen lassen. Nur zur Sicherheit. Er... Es war nett von ihm, mit dir zur Polizei zu gehen."

Ich bin mir sicher, Scott wollte etwas anderes sagen, doch darauf gehe ich nicht weiter ein. Es wird bestimmt nichts wichtiges sein.

,,Er hat mich sozusagen 'gerettet' und darauf bestanden als Zeuge mit auszusagen."

,,Er scheint doch nicht so schlimm zu sein." Stellt Scott fest und holt eine Tüte Chips aus dem Schrank.

,,Scheint so."

                               ***

Nach einer langen Nacht mit vielen Chips und noch mehr Agenten Filmen, sitze ich halb schlafend in meinem Kunstgeschichtskurs. Mir entgehen dabei nicht die geheimnisvollen Blicke der anderen Studenten.

Seit heute früh geht das schon so.

Nach der Stunde packe ich schnell meine Sachen zusammen und flüchte aus dem Hörsaal.

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