Teil III - Kapitel 21

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Ich musste mich Manuel endlich stellen. Nervös lief ich in meinem Zimmer auf und ab und wartete darauf, dass es an der Tür klingelte. Die Sekunden verstrichen qualvoll langsam.
Ich würde ihm von meiner Krankheit erzählen. Ich würde ihm sagen müssen, wie gestört ich war.
Vielleicht würde er mich dann verlassen, vielleicht würde er aber bleiben.
Ich musste es wagen.
Ich fuhr mir durch meine Haare, während ich mir auf meiner Lippe herum biss.

Die Klingel riss mich aus meiner Trance. Ich atmete einmal tief durch, richtete mich auf und ging dann zur Tür.

»Hallo«, begrüßte Manuel mich und schloss mich in seine Arme.
Es war ein vertrautes Gefühl und so unglaublich angenehm. Ich wollte ihn nie wieder loslassen.

Gemeinsam gingen wir in mein Zimmer.
Er setzte sich wie immer auf mein Bett und sah mich fragend an. Ich hatte ihm nur erzählt, dass ich ihm etwas zu beichten hatte.

»Ich muss dir etwas erzählen«, begann ich und setzte mich ebenfalls aufs Bett.

»Ok«, er wirkte so angespannt, wie ich es war. Ich blickte auf meine Finger, mit denen ich immer wieder über meinen Arm fuhr.
Erneut atmete ich tief durch.

»Ich... Wie sage ich das jetzt am besten? Ich... Ich bin krank«, seine Augen weiteten sich vor Schock, »diese Wohngemeinschaft ist betreut, das weißt du ja. Aber ich habe dir den Grund nicht genannt. Alle, die hier leben, haben eine Essstörung. Ich erzähle dir das, weil Mike sich von mir abgewandt hat, weil ich so dünn geworden sei. Ich möchte nicht, dass du ebenfalls gehst.«

Er schluckte mehrfach. Man sah ihm an, wie er versuchte, zu verarbeiten, was ich ihm eben gesagt hatte.

»Uff... Ich... Ich wusste gar nicht, dass Mike das getan hat. Ashley, es tut mir so leid. Ich meine... ich habe das ja mitbekommen, dass du immer dünner wirst... aber ich habe es nie hinterfragt... wahrscheinlich wollte ich es nicht wahrhaben... Ashley, es tut mir wirklich leid. Mir wird das gerade alles bewusst und ich fühle mich so dumm, weil ich es nie bemerkt habe. Mike und ich haben kaum noch Kontakt. Ich wusste das alles nicht. Ich werde ehrlich sein, Ashley. Ich kenne mich mit Essstörungen überhaupt nicht aus... Aber ich verspreche dir, dass ich für dich da bin und dich unterstützen werde. Du bist so ein unglaublich toller und wertvoller Mensch, Ashley. Ich bin so froh, dich zu kennen«, antwortete er langsam und unsicher.

Tränen stiegen in meine Augen.
Womit hatte ich das verdient?

»Ich möchte wissen, was es bedeutet, dass du eine Essstörung hast. Wie kann ich dich unterstützen? Was kann ich tun? Was kann ich sagen und was nicht?«, fragte er deutlich interessiert.

»Wow, Manuel. Danke, ich danke dir so sehr. Ich... ich hätte niemals gedacht, dass du so reagierst... Ich bin überwältigt! Ich habe Magersucht. Das heißt, dass ich sehr wenig esse, mein Gewicht zwanghaft kontrolliere. Ich möchte um jeden Preis abnehmen, zumindest war das früher so. Wenn ich in den Spiegel sehe, sehe ich eine dicke Person. Selbst, wenn ich zehn Kilo abnehme, verändert sich der Körper dieser Person nicht. Am besten wäre es, wenn du meinen Körper nicht kommentierst. Sätze wie: "du siehst besser aus" lösen bei mir den Wunsch aus, mich runterzuhungern. Denn für mich bedeutet dieser Satz: "du bist fett geworden", aber auch, wenn du erwähnst, dass ich abgenommen habe, dann würde mich das vermutlich motivieren. Es würde mir helfen, wenn wir ab und zu zusammen essen, denn in deiner Nähe klappt es so gut! Und unterstützen kannst du mich, in dem du einfach da bist. Mich vielleicht zu schwierigen Arztterminen begleitest, aber das musst du natürlich nicht«, erklärte ich ihm.

Er versprach mir, sich daran zu halten, räumte aber ein, dass ihm eventuell Fehler unterlaufen werden.

»Das wäre in Ordnung«, winkte ich ab. Er begann zu grinsen.
Auf einmal merkte ich, wie nah wir beisammen saßen. Mein Herz begann zu rasen, als er mir in die Augen sah.
In diesem Moment wurde mir klar, dass ich nicht in Mike verliebt war.
Ich liebte Manuel.
Und es war der erste Mann, bei dem ich mich fallen lassen konnte. Mein Blick glitt zu seinen Lippen.

Und dann geschah es ganz schnell. Er legte seine Lippen auf meine. Ich schloss meine Augen und handelte einfach instinktiv. In meinem Bauch explodierten Raketen, die mit Schmetterlingen gefüllt waren.
Dies war mein erster richtiger Kuss. Zumindest der erste, der zählte.
Ich legte meine Hände in seinen Nacken.
Dieser Moment sollte nicht enden.
Niemals.

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Not that much longer but such an important chapter :o

Ernsthaft, Leute! Ich war wirklich von Beginn an #TeamMaley!! Die beiden passen für mich soo toll zusammen*-* Oh man!
Endlich konnte ich die Bombe platzen lassen!!

But you know what?
Nächstes Kapitel ist bereits das letzte :(((

Ich chille gerade im Krankenhaus, werde morgen evtl. am Blinddarm operiert. Juhu!!

-M.

Spindeldürr! - #Wattys2017Lies diese Geschichte KOSTENLOS!