Teil III - Kapitel 14

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Eine kalte Windböe erfasste uns. Die Zweige der Bäume raschelten. Doch die Welt schien stehengeblieben zu sein.
Was hatte er gelesen?
Ich brachte kein Wort hervor. Alles in mir hatte sie verkrampft.
Etwas in mir befahl mir, zu fliehen.

»In der Schule hat ein Mitschüler ein Referat über... Missbrauch«, es fiel ihm schwer das Wort auszusprechen, »gehalten. Und da hat er einen Fall als Beispiel angebracht. Den, eines Mädchens aus Baden-Würtemberg. Der Nachbar hatte es missbraucht, und am Ende wurde er nicht einmal verurteilt«, er machte eine Pause. Es schien ihm schwerzufallen, dies anzusprechen.

Er wusste es.
Mir wurde eiskalt.
Er wusste es.

»Ich habe bei Google etwas darüber gelesen und dann Dich kennengelernt. Irgendwie passt es zusammen. Dein Alter, Dein Aussehen, Deine Herkunft. Und eine psychische Krankheit kommt ja nicht von irgendwoher«, schloss er.

Ich begann zu weinen. Hemmungslos rannen die Tränen meine Wangen hinunter.

»Es tut mir leid«, schluchzte ich. Mein Herz verkrampfte sich. Ich hatte das Gefühl, dass meine Knie nachgeben würden. Meine Sicht war von Tränen verschleiert.
Er wusste es.
Und nun würde er mich hassen.
Er würde sich vor mir ekeln und vor dem, was ich getan hatte. Er würde glauben, dass ich Ted verführt hatte. Ich war so ekelhaft. Ich hatte es verdient, dass man mich hasste.
Schmerzen, ich musste mir Schmerzen zufügen. Das hatte ich verdient.

»Bitte, bitte. Oh Gott, bitte. Bitte hass mich jetzt nicht. Es tut mir leid. Ich wollte das nicht... wirklich! Er hat es einfach getan. Ich... habe es nicht gewollt. Bitte, bitte hass mich nicht«, flehte ich ihn an. Ich bekam keine Luft mehr und begann zu hyperventilieren.
Warum musste mich Ted überall hin verfolgen?
Warum mussten seine Spuren mich immer begleiten?

Schockiert sah Mike mich an und nahm mich in den Arm. Ich konnte diese körperliche Nähe nicht aushalten. Sie zerriss und quälte mich. Doch ich schaffte es nicht, ihn wegzustoßen.

»Ash, hör mir zu, ich könnte Dich deshalb doch niemals hassen! Dieser Mann ist grausam. Du kannst nichts für seine Taten. Egal, was er gesagt hat. Er ist das Monster, nicht Du! Ich verachte Dich nicht. Ich bin stolz auf Dich. Denn Du hast überlebt, Du hast gekämpft. Du hast gewonnen«, versuchte er mich zu beruhigen und strich mir über den Kopf.
Ich schluchzte noch immer, doch das Zittern wurde weniger und meine Atmung normalisierte sich.

»Ich hasse diesen Staat dafür, dass sie ihn nicht für immer eingesperrt haben«, regte Mike sich auf.
Ich driftete ab. Schaltete alles um mich herum aus. Ich nahm nur noch meinen Herzschlag wahr und zählte die Schläge.

Mein Herz wurde stetig langsamer. Eben raste es noch, doch nun schlug es in einem normalen Rhythmus.
Langsam kehrte ich zurück in die Gegenwart.
Zuerst hörte ich den Wind, der durch die Bäume fegte. Vereinzelt pfiffen ein paar Vögel. Ich hörte Mikes Atem und meinen eigenen.

Dann fühlte ich Mikes Arme, die mich noch immer hielten. Ich fühlte seine Wärme und gleichzeitig auch, dass es um uns herum kälter geworden war. Ich fühlte, wie sich meine Muskeln langsam wieder entspannten.

Zu guter letzt öffnete ich meine Augen und sah nun alles, was ich gefühlt und gehört hatte.
Ich fühlte mich auf einmal ausgelaugt. Als wäre ich einen Marathon gelaufen.

Schweigend gingen wir zurück. Unser Abschied fiel kürzer aus als sonst. Wir beide hingen zu sehr in Gedanken.

»Da bist Du ja Ashley«, hörte ich auf einmal jemanden sagen. Erschrocken ließ ich meinen Schlüssel fallen und blickte in ein paar rehbraune Augen.

»Marley! Erschreck mich doch nicht so«, rief ich aus, begann jedoch zu lächeln. Ich freute mich sie zu sehen. Wunderte mich aber, was sie hier machte.

Sie entschuldigte sich und hob meinen Schlüssel auf.
Gemeinsam betraten wir die WG und gingen in mein Zimmer.

»Was gibt es?«, fragte ich sie und ließ mich aufs Bett fallen. Ich überlegte, wie fertig ich wohl aussah.

»Ich wollte Dir nur erzählen, wie gut es zwischen Jasper und mir läuft. Wir haben uns ausgesprochen und es könnte nicht besser sein. Ich hätte nie gedacht, dass wir wieder zusammenfinden«, erzählte sie mir freudig.

»Oh, das ist ja total toll«, ich freute mich aufrichtig für sie.

Marley erzählte mir, dass sie sich jetzt auch jeden Tag in der Schule sahen.
Aus Interesse fragte ich sie, auf welche Schule sie ging.
Wir fanden heraus, dass wir auf die gleiche gingen.
Marley begann mich über die Eigenarten der Lehrer zu informieren.

Als sie gegangen war, ging es mir besser.
Doch plötzlich zog sich mein Herz zusammen.
Früher hatte ich solche Gespräche mit Oxana geführt und nun hatten wir kaum noch Kontakt.
Hatte ich sie etwa ersetzt?
War das falsch?

-

Here we go again. Another chapter. Another drama.
Another note :o

Es tut mir leid, ich habe total vergessen zu updaten :///. Bin gerade einfach mega im Stress. Alleine der Gedanke daran, dass dies das letzte Kapitel ist, dass ich aus Schleswig-Holstein poste... Gru-sel-ig!!

Heftiges Kapitel, was meint ihr?
Fandet ihr es gut, dass Mike es angesprochen hat?

Was sagt ihr zu Ashleys Gedanken bezüglich Oxana?

Frage des Kapitels:
Wie wichtig ist Euch Freundschaft?

-M.

Spindeldürr! - #Wattys2017Lies diese Geschichte KOSTENLOS!