Teil III - Kapitel 13

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Nachdem ich erneut für mich beschlossen hatte, gegen die Essstörung anzukämpfen, setzte ich beim Frühstück mein Vorhaben in die Tat um, meine Gedanken beim Essen genauer zu beobachten.
Wir aßen nun nicht mehr gemeinsam, da die Schule zu unterschiedlichen Zeiten begann und die Schulwege unterschiedlich waren.
So saß ich alleine am Tisch. Vor mir zwei Brötchen. Zwei Hälften mit Käse, eine mit Marmelade und eine mit Nutella. So, wie es mein Esssplan vorsah.
Ich biss von der einen Hälfte mit Käse ab und kaute auf dem Stück herum.
Es schmeckte pappig und der Käse war nicht mein Fall.
Trotzdem aß ich weiter, bis ich alles aufgegessen hatte.
Mir fiel auf, wie gleichgültig ich war. Es war mir egal, was ich aß und wie viel. Ich aß aus Pflichtbewusstsein. Nicht etwa, weil es mir schmeckte.
Meine Gefühle hatten sich zwar verändert, da ich mich nicht mehr für jeden Happen hasste. Aber ich genoß nicht.
Essen war für mich Pflicht und keine Freude. Ich aß zu festgesetzten Zeiten, weil ich keinen Hunger spürte und aß das, was auf meinem Plan stand.
Ich war wie eine Maschine, die man voll tankte, damit sie funktionierte.
Ich entschied für mich, dass ich das nicht wollte.
Ich wollte genießen und Freude am Essen haben.
Es nervte mich, dass ich keine sichtbaren Fortschritte machte.
Es nervte mich, dass ich das alles nicht richtig schaffte.
Was konnte ich überhaupt?

Die Zeit in der Schule ging merkwürdigerweise schnell herum. Ich konzentrierte mich so sehr aufs Lernen, dass die Zeit verflog. Und auch die Pausen schienen nur einen kurzen Augenblick zu dauern. Wir alberten viel herum, machten Scherze und spielten uns kleine Streiche.
Ich fühlte mich, als hätte ich neue Lebensfreude gewonnen.
Jedoch hatte ich mich noch immer nicht getraut, kurzärmlig herum zu laufen. Ich wollte, dass meine Mitschüler mich anders kennenlernten, bevor sie meine düstere Vergangenheit sahen.

Als ich nach Hause kam, begann ich sofort zu lernen. Wir hatten noch nicht einmal wirklich begonnen, doch ich merkte, dass ich große Defizite hatte. Ich wusste vieles nicht, und das musste ich aufholen.
Stundenlang brütete ich über den Büchern und gönnte mir dabei nur kurze Pausen.
Ich vergaß vollkommen, meinen Nachmittagssnack zu essen und dachte auch nicht daran, als ich aufhörte, um mich mit Mike zu treffen.

Schon beim Warmmachen alberten wir die ganze Zeit herum. Wann immer ich mich streckte oder dehnte, pikte Mike mir in die Seite.
Erschrocken quiekte ich auf und fiel mit ihm in Gelächter.

»Na warte«, drohte ich ihm. Er ging ein paar Schritte zur Seite. Ich rutschte wieder auf und stieß gegen ihn. Er taumelte leicht, weil er damit nicht gerechnet hatte.
Wir lachten.

Irgendwann rannten wir los und machten einen Wettbewerb daraus. Gegenseitig jagten wir uns mehr, als dass wir wirklich joggten.

»Ich habe dich!«, rief er, packte mich und wirbelte mich herum. Ich juchzte auf. Jedoch hatte ich im Hinterkopf leise diese gehässige, kleine Stimme, die mich daran erinnerte, wie gefährlich Männer waren.

»Mal sehen, wie lange«, rief ich, befreite mich aus seinem Griff und rannte wieder los. Ich atmete gleichmäßig, achtete auf jeden Schritt den ich tat. Hinter mir hörte ich die kleinen Steine knacken, die auf dem Weg lagen. Mike war dicht hinter mir. Ich wurde etwas schneller.
Und plötzlich blieb ich ruckartig stehen. Er knallte so heftig gegen mich, dass ich hinfiel.

»Alles in Ordnung?«, fragte er besorgt. Ich jedoch lachte nur.

Er half mir wieder auf die Beine zu kommen und wir joggten weiter. Diesmal jedoch, ohne uns gegenseitig zu ärgern.

Ich bemerkte, dass Mike sich auf einmal verändert hatte. Er wirkte wieder nachdenklicher. Sein Kiefer war angespannt. Ich sah ihn verwundert an.
Er erwiderte meinen Blick und schüttelte seinen Kopf. Ich sah wieder nach vorne und konzentrierte mich auf den Boden, auf dem ich lief und auf die Luft, die in meine Lungen strömte.

Alles war still. Man hörte nur unsere Schritte und unseren Atem. Die Vögel waren verstummt und es fuhren keine Autos vorbei.

Plötzlich blieb Mike stehen. Ich bemerkte es und hielt ebenfalls an.
Er sah mir in die Augen. Sein Blick war eindringlich. Ich fröstelte und schlang meine Arme um meinen Bauch.
Was war los?

»Ich habe von Dir gelesen, Ash«, sagte er mit rauher Stimme.

Mein Herz blieb stehen.

-

Ups. Mega kurzes Kapitel :(.
Aber es ist auch mehr ein Übergangskapitel. Mit einem Cliffhanger :ooooo.
O-M-G. Wie kann ich nur?
Bald gehts weiter, Freunde.

Habt ihr bereits Vermutungen?

Und, was haltet ihr jetzt von Mike & Ashley? :D

Frage des Kapitels:
Wart ihr schonmal so richtig verliebt?

-M.

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