7.- Körper voll Narben

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«don't look at me like that, just like you understand. don't try to pull me back, let me just give up»

Zum Glück bin ich am nächsten Tag besser gelaunt. Endlich kann ich mich auf etwas nach Feierabend freuen. Xenia wird mich hier abholen. Xenia macht mich immer glücklich. Wie konnte ich das nur vergessen?

Meine Laune bemerkt auch Jack, der mir sofort alles über Sparrow erzählt. Und wie toll es ist, mit ihm spazieren zu gehen. Wie viele Leute schon gesagt hätten, was für eine putziges Hündchen er doch ist. Xenia und ich wollten auch immer einen Mops haben und ihn Sur Steve nennen. Ich muss ihr nachher unbedingt von Sparrow erzählen.
Daher geht der Arbeitstag auch schneller vorüber, als sonst und um vier stehe ich mit meiner gelben Regenjacke in der Hand vor dem Urban Outfitters und warte auf meine beste Freundin. Keine Minute später kommt sie die Straße runter gelaufen. Heute trägt sie ein hellblaues Kleid, dass mich auch an Taylor Swift erinnert. In ihrer Hand hat sie ihr Handy und ist sehr wahrscheinlich auf Tumblr unterwegs. Sie begrüßt mich mit einer Umarmung. "Wir müssen unbedingt noch zur Millennium Bridge.", sagt sie mit einem Funkeln in den Augen, "Da war ich schon so lange nicht mehr." Ich nicke.

"Also?", fragt sie. "Ich hoffe du hast dein Portemonnaie dabei. Aidan hat mir nämlich gesagt, du würdest dir gerne neue Klamotten kaufen?" "Das hat Aidan dir gesagt?", frage ich und werde rot. Wie peinlich.
"Ja.", bestätigt sie und läuft schon vor. "Komm jetzt!" Es bleibt mir ja gar nichts anderes übrig, als ihr zu folgen. Xenia kennt sich immer noch super in London aus. Okay, sie hat ja auch eine Zeit lang hier gewohnt. Aber so wie wir durch die Straßen laufen, als wäre es das Normalste auf der Welt, kann ich mir nicht vorstellen, dass sie sonst am anderen Ende der Welt wohnt. Sie gehört hier zu mir.

Wir steuern auf die Oxford Street zu und sie erzählt mir ein paar Sachen aus Wellington. "Christian hat jetzt auch eine neue Freundin. Die ist echt nett." "Oh", mache ich. "Das hätte ich ihm ja fast nicht zugetraut, nachdem er so an dir gehangen hat." "Ja, ge? Aber anscheinend schon. Du musst mich und Dean nächsten Monat unbedingt in Wellington besuchen kommen. Ich muss dir unser Haus zeigen. Es ist so schön. Und gar nicht weit vom Strand weg. Man geht praktisch nur einen kleinen Weg runter und schon ist man da. Das ist echt" "Nächsten Monat seid ihr in Schottland.", unterbreche ich sie. "Hm, stimmt ja. Dann halt wann anders." Mir wäre es lieber, ich könnte sie nächsten Monat besuchen. Dieser verdammte Urlaub lässt mich total unerwünscht fühlen.

"Und du willst deinen Stil ein bisschen ändern?", möchte Xenia wissen, um auf ein anderes Thema zu sprechen zu kommen, da sie bemerkt hat, dass ich nicht gut auf Schottland zu sprechen bin. Manchmal war sie zu feinfühlig.
"Hm, ja. Keine Ahnung. Ich hab keine Lust mehr auf meine Klamotten. Es fühlt sich so komisch an, sie anzuziehen. Ich finde gar nichts mehr schön." "Das kenn ich. Dabei finde ich deine Sachen schön.", lacht meine beste Freundin und zieht mich mit in einen Laden. Ich zucke mit den Schultern und wir laufen zusammen durch die vielen Etagen und sie lädt mir die verschiedensten Teile auf die Arme. "So, das sollte jetzt erst mal reichen. Geh das mal anprobieren." Damit drückt sie mich in Richtung Umkleide. Etwas unwohl zupfe ich an dem ersten Outfit rum. Ich finde es wirklich schön, aber ich hasse es, mich vor anderen Leuten präsentieren zu müssen. Auch wenn es nur Xenia ist, die mich seit Ewigkeiten kennt. Ich kann sowas einfach nicht und egal was ich in solchen Situationen mache, ich sehe einfach immer scheiße aus.
"Komm mal raus!", ruft sie schließlich. Das lässt sich ja nicht vermeiden. Also ziehe ich den Vorhang auf. Sie sitzt gegenüber in der Kabine auf einem Hocker mit überschlagenen Beinen und schaut mich beeindruckt an. Ihr Gesicht bringt mich zum Lachen.
"Das ist doch echt cool. Erinnert mich irgendwie an das eine Bild von Miley, das du mir mal geschickt hast." "Stimmt.", pflichte ich ihr bei einem weiteren Blick in einen der vielen Spiegel bei. Miley Cyrus hat auch mal so ein ähnliches Outfit getragen. "Okay, das wird gekauft.", sage ich keine zwei Sekunden später. Miley hat es rausgerissen. Ich probiere noch mehr Sachen an, die Hälfte landet jedoch auf der Stange für die Sachen, die ich nicht kaufe. Auf dem Weg zur Kasse singen Xenia und ich Wildest Dreams, als mir ein Kleidungsstück ins Auge fällt. Es ist das einzige Modell und scheint auch ein bisschen fehl am Platz zu sein. Es ist ein roter Mantel. Vorsichtig fahre ich mit einem Finger über den Stoff. Er sieht schön aus. Gerne würde ich ihn anziehen und am besten kaufen, mich damit fühlen wie Blake Lively in The Age of Adaline. Aber dann werfe ich einen Blick auf meine neuen Errungenschaften und nehme den Finger weg.
"Hast du was gefunden?", fragt Xenia. Ich schüttel mit dem Kopf. "Doch nicht.", winke ich ab und laufe weiter zur Kasse. Irgendetwas zieht mich zurück zu dem Mantel, aber ich gebe dem Gefühl nicht nach. Vor ein paar Monaten, da hätte ich genau diesen Mantel ohne jeglichen Zweifel gekauft. Mir die Haare hochgesteckt, roten Lippenstift aufgetragen und Pumps angezogen. Heute stehe ich mit meiner kaputten, schwarzen Hose und den uralten schwarzem Chucks, auf denen immer noch Always keep fighting steht und einem Haufen schwarzer Sachen an der Kasse. Mein neues Stylingvorbild scheint Johnny Cash zu sein.
Ich werde mir den Mantel nicht mehr kaufen.

All I ever feel (Aidan Turner ff)Lies diese Geschichte KOSTENLOS!