5.- Er ist vollkommen

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«will dir einmal noch nah sein, bevor ich dich für immer verlier'»

Gestern Abend sind Aidan und ich noch mit Keks spazieren gegangen. Es war schon dunkel und hat geregnet, aber es hat trotzdem Spaß gemacht. Es macht alles Spaß mit ihm. Außerdem gehe ich gerne spazieren, wenn es dunkel ist. Schon früher als Kind wollte ich mich nachts immer rausschleichen, um mich in irgendein Feld zu legen und dort die Sterne sehen. Ich hab es dann doch nie gemacht. Dafür machte ich das jetzt. Nachts einfach mal eine Runde spazieren gehen.

Heute ist Sonntag. Morgen würden Xenia und Dean kommen. Xenia hat mir immer noch nicht geschrieben. Sie hat auch noch nicht probiert mich anzurufen. Gerade sehe ich auf mein Handy und checke alles, in der Hoffnung, vielleicht doch eine Nachricht von ihr verpasst zu haben. Aber da ist nichts außer eine Email von Printerest zu den "Trends der Woche." Das nervt. Aidan sitzt mir gegenüber und ist auch an seinem Handy beschäftigt. Wobei es bei ihm so aussieht, als würde er wirklich schreiben. "Dean und Xenia sind vor zwei Stunden am Flughafen gewesen.", erzählt er.
"Aha.", mache ich und lege mein Handy wieder weg. "Sie hat mir immer noch nicht geschrieben." Aidan schaut von seinem Smartphone auf. "Echt nicht?" Ich schüttel mit dem Kopf. "Hm.", macht er. Verstohlen wische ich mir über die Augen, damit er nicht sieht, dass ich weine. Doch da ist es schon zu spät. "Shay.", seufzt er und steht auf. "Steh mal auf." Ich tue was er mir sagt und er nimmt auf meinem Stuhl Platz. Aidan zieht mich auf seinen Schoß und legt seine Arme um mich. Das erinnert mich irgendwie an die Abende mit meiner Mutter, wenn ich angefangen hatte zu weinen, weil ich nicht mehr in die Schule gehen wollte. Weil ich anders war und niemand mich leiden konnte.
Doch Aidan sagt nichts, so wie meine Mutter. Er sitzt einfach nur mit mir auf seinem Schoß in der Küche und hält mich fest. Mein Kopf sinkt auf seine Brust. Das ist das Beste, was er für mich tun kann. Und das weiß er. Deswegen ist er still. Wir sitzen ein paar Minuten einfach so da und ich weine leise. Irgendwann gibt Aidan mir einen Kuss auf den Scheitel. "Hast du auch Hunger?", fragt er. Ein Lächeln huscht über meine Lippen. Das war so typisch. "Ja, ein bisschen.", sage ich. Aidan steht auf, lässt jedoch nicht meine Hand los, weswegen ich gezwungen bin, ihm durch die Küche zu folgen und die Teller mit ins Wohnzimmer zu tragen. Wir sitzen auf dem Boden und essen Toast mit Nutella, während im Fernseh X-Factor, Das Unfassbare läuft. Wir lachen über die schlechten Schauspieler von 1998 und schließen Wetten ab, welche Geschichten wahr oder welche "Frei erfunden sind", um Jonathan Frakes zu zitieren. Keks setzt sich neben mich und sieht mich mit großen Augen an. "Du bekommst nix.", meine ich und ziehe meinen Teller ein wenig von ihm weg. Aidan legt sich zufrieden auf den Boden und legt seine Hände auf den Bauch. "Jetzt bin ich satt." "Kein Wunder. Wie viel hast du denn gegessen?", möchte ich wissen und fange an zu lachen. "Genug für den Rest vom Tag.", antwortet er. "Das glaube ich dir nicht." "Ich glaube mir auch nicht.", stimmt er zu. Mein Lachen verebbt und ich schaue wieder zum Fernseher.

"Kommst du morgen mit die zwei vom Flughafen abholen?", fragt er und setzt sich wieder auf. Ich sage nichts. "Shay?" "Ich glaube nicht. Ich muss arbeiten." Dabei kann ich nicht mitkommen, weil ich arbeiten muss. Sondern weil ich nicht will. Mir kommt es immer mehr so vor, als wären es nur die drei und ich ein Mitläufer. Ich gehöre nicht richtig dazu. Das habe ich noch nie.
Aidan nickt. "Dann möchtest du heute sicherlich wieder nach Hause." Ich schlucke. Soll ich jetzt ja oder nein sagen. Ich würde so gerne bei ihm bleiben. "Weiß nicht.", sage ich.

"Bleibst du bitte bei mir?"

Eine neue Träne bildet sich in meinem Auge und ich kann sie nicht zurück halten. Ich sehe Aidan an. Er sieht mich an. Er lächelt leicht.

"Ja.", sage ich schließlich und wende meinen Blick nicht ab. "Ich bleibe immer bei dir."
Sein Lächeln wird breiter und er streckt seine Hand aus, um die Träne weg zu wischen. Woher weiß Aidan immer ganz genau, was er sagen muss?

All I ever feel (Aidan Turner ff)Lies diese Geschichte KOSTENLOS!