4. Kapitel |:HIRNGESPINSTE:|

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Mit immer noch klopfendem Herzen stehe ich in der Küche. Wie gelähmt führe ich meinen Zeigefinger an den Auslöser der 38 Kaliber Pistole, die mir Scott zur Sicherheit immer dalässt.

Schon bedauerlich von mir zu glauben, sie in nächster Zeit erst einmal nicht gebrauchen zu müssen.

In meinem Kopf baut sich ein stetig größer werdender Druck auf. Ich spüre wie mein Puls in die Höhe schießt. Ich fühle mich in mein früheres Ich zurückversetzt. Das Ich, was getrieben von der blanken Angst durch die dunkelsten Gassen rennt, nur um dem Monster entkommen zu können, das sie verfolgt.

Vergeblich versuche ich mich zu beruhigen. Einen kühlen Kopf zu bewahren. Alles Mögliche schießt mir durch die Gedanken. War es das jetzt? Ist heute der Tag, an dem ich sterben werde? Werde ich Scott nie wieder sehen? Ist ihm vielleicht auch etwas zugestoßen?

Minuten verstreichen, doch nichts passiert. Das ist jetzt die Stelle in Filmen, wo ich meistens die Augen zumache und der Person, die gerade einen Fehler macht zuschreie, dass sie sich bloß nicht von der Stelle bewegen soll. Lieber abwartet, bis Hilfe kommt.

Leider ist das kein Film, sondern die pure Realität. Nennt es absolute Verzweiflung oder Wahnsinn, aber etwas treibt mich dazu, meiner Panik nachzugeben und vorsichtig einen Fuß vor den anderen zusetzen.

Schwer wie Blei fühlen sich meine Beine an. Die Hand, in der ich die Waffe halte zittert. Schweiß rinnt mir die Stirn herab. Nur das laute Dröhnen der Alarmanlage verrät mich nicht.

Allerdings verrät es auch nicht jede weitere Person, die sich in diesem Moment vielleicht im Bungalow aufhält. Genau diese Ungewissheit lässt jeden weiteren Schritt zur reinsten Qual für mich werden.

Etwas kommt mir jetzt allerdings schon komisch vor. Der Psycho würde nicht so lange warten, sondern mich direkt umlegen und gleich wieder verschwinden. Schließlich muss seine Identität geheim bleiben.

Vorsichtig luge ich um die Ecke der Küchentür. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das Geräusch aus Scotts' Schlafzimmer kam.

Du bist echt lebensmüde Hannah, versteck dich lieber.

Meine innere Stimme hat vermutlich recht, doch ich muss wissen, was dahinter steckt. Mit jeder weiteren Minute die verstreicht, wird es unwahrscheinlicher, dass es tatsächlich der Psycho ist.

Der recht schmale Gang vor meinen Augen teilt sich am Ende noch einmal. Dort gibt es rechts ein Gäste-WC und links ist mein Zimmer. Davor das von Scott. Mein Blick richtet sich auf den Fußboden.

Die feinen Glassplitter glitzern gefährlich in der Sonne und bestätigen meinen Verdacht nur noch einmal mehr.

Ich sollte es nicht tun. Wir reden oft über solche Situationen. Ich kann mich gewiss selbst verteidigen, aber in einem solchen Fall hat mich Scott angewiesen mich im Keller zu verstecken und darauf zu warten, bis das FBI eintrifft.

Etwas kaltes, nasses hinterlässt einen dünnen Film auf meinen Wangen. Mit meinem freien Arm wische ich mir die Tränen weg. Der Griff um die Waffe verstärkt sich. Egal, wer sich mir gleich in den Weg stellt, ich werde sofort abdrücken.

Kurz vor der Tür zu Scotts' Zimmer bleibe ich stehen und atme noch einmal tief ein und aus.

Ich schaffe das.

Als ich meinen ganzen Mut zusammengenommen habe, macht mir jemand einen Strich durch die Rechnung. Von hinten schlingen sich zwei kräftige Arme um meinen Körper und machen jedes Entkommen sinnlos.

,,Es ist alles gut!", höre ich jemanden schreien, doch das nehme ich gar nicht richtig war. Die Panik hält mich gefangen. Wie eine Wilde schlage ich um mich, lasse dabei die Waffe auf den Boden fallen. Dem Unbekannten beiße ich einmal fest in die Hand, woraufhin er laut fluchend von mir ablässt.

Ich stürze mich auf die Pistole und richte sie auf den Mann vor mir. ,,Hannah, es ist alles gut!", schreit er und in diesem Moment, wird die Alarmanlage abgeschaltet. Das Blut pulsiert in meinen Adern. Ein Rauschen umgibt mich, bis ich realisiere, dass ich in Sicherheit bin.

,,Alles ist gut. Gib mir die Waffe Hannah", sagt er beruhigend und reicht mir seine Hand, um mir aufzuhelfen. Auf seiner Weste befindet sich gut lesbar der Schriftzug FBI.

Ich reiche ihm noch etwas zögerlich die 38 Kaliber und richte mich dann auf. Meine Beine zittern. Am liebsten würde ich schreien. Wegrennen und nie mehr wiederkommen. Gott sei Dank taucht Scott in diesem Moment völlig aufgelöst hinter dem FBI Agenten auf, während ein kleiner Trupp von etwa drei Männern an mir vorbeigeht, um das Haus sicherzustellen.

,,Scott!", rufe ich und falle ihm um den Hals. Ein lautes Schluchzen entfährt meinem Rachen, während ich mich an seinem T-Shirt festkralle.

,,Ist ja alles gut Hannah, ich bin ja da." Beruhigend streicht er mir über den Kopf. Ich kann ihm deutlich anmerken, das er mindestens genauso fertig ist wie ich.

,,Ich hatte solche Angst um dich", haucht er mir an den Scheitel und nimmt mich nur noch fester in den Arm.

,,Die Kleine ist ganz schön stark. Und zubeißen kann sie auch. Da sollte man sich lieber in acht nehmen", höre ich eine bekannte Stimme hinter mir sagen. Ein kurzes Lachen folgt darauf.

Langsam löse ich mich aus Scotts' Umarmung und mustere den FBI Agenten. ,,Es tut mir so leid. Ich wollte Sie wirklich nicht verletzten."

,,Schon gut. Fürs nächste mal weiß ich bescheid." Er zwinkert mir kurz zu und wendet sich dann an Scott.

,,So wie es aussieht, wurde gezielt ein Stein durch das Fenster geworfen. Wir haben gerade schon mit einer Augenzeugin gesprochen. Zwei Männer um die zwanzig hätten sich wohl kurz vorher hier aufgehalten und wären dann ganz schnell mit ihrem Auto weggefahren. Wir werden dem nachgehen."

,,Danke Dan. Ihr geht aber nicht davon aus, dass sie auf Hannah aus waren oder?", ich schaue Scott an, der sich nervös die Hände reibt.

,,Vermutlich eher nicht. Wir haben es in ihrem Fall mit kaltblütigen Killern zu tun, die nicht extra Aufsehen erregen wollen, sondern verdeckt arbeiten. Es war wahrscheinlich einfach nur ein Streich." Dieser Dan sieht wieder mich an und runzelt die Stirn.

,,Fällt dir vielleicht jemanden ein, der dir schaden möchte?". Da brauche ich nicht lange zu überlegen. Da wir erst vor kurzem hier her gezogen sind, kommt für mich eigentlich nur eine Person infrage. Trotzdem hält mich etwas davon ab, ihm meinen Verdacht anzuvertrauen.

,,Nicht, das ich wüsste", sage ich zögerlich. Will ich Luke Parker wirklich dem FBI ausliefern? Das würde die ganze Sache nur noch schlimmer machen.

,,Falls dir doch jemand einfallen sollte, dann sag uns Bescheid. Das hier ist allerdings eher ein Fall für die örtliche Polizei."

Ich nicke ihm freundlich zu und blicke direkt in Scotts' braune Augen, die mich vorwurfsvoll ansehen. Er weiß das von der Sache mit Luke. Ich kann nur hoffen, dass er die Klappe hält.

***

,,Hannah, ich weiß zwar nicht genau, was in deinem Kopf vorgeht, aber warum, hast du denen nicht einfach gesagt, dass höchstwahrscheinlich dieser Luke dahinter steckt?".

Spät am Abend sitzen wir am Tisch und essen die völlig verkochten Spaghetti. Ich stochre nervös in meinem Essen herum, während mich Scott eindringlich ansieht.

,,Ich weiß es doch gar nicht sicher. Außerdem würde es alles nur noch schlimmer machen. Nein. Ich werde nichts sagen und du auch nicht."

,,Ich muss dich nicht verstehen oder?", ein leises Seufzen entfährt ihm.

,,Nein."

Eins ist sicher. Damit wird Luke nicht davon kommen. Der kann sich auf was gefasst machen. Und wenn das für mich bedeutet, mich ihm erneut in den Weg zu stellen.

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Hi meine Lieben!

Ich will hier gar nicht lange rumschwafeln, sondern nur ankündigen, dass es ab dem nächsten Kapitel richtig anfängt mit der ganzen Hannah und Luke Sache. Und Danke für über 400 Reads und fast 100 Votes! Ich bin wirklich sprachlos und freue mich jedes mal aufs neue , wenn ich sehe, dass wieder jemand einen Vote oder Kommentar für diese Geschichte dagelassen hat❤️

Fühlt euch gedrückt.

~Jacky~

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