Sieben mal.

So oft musste ich in den letzten elf Jahren bereits umziehen.

Mittlerweile bin ich zwanzig und kann nicht unbedingt sagen, dass ich auf ein entspanntes Leben zurückblicken kann. Eher das Gegenteil ist der Fall. Mit neun verlor ich meine Eltern. Dummerweise dachte der Typ, der sie ermordete, mich ebenfalls abknallen zu müssen.

Seit diesem Tag bin ich eine Flüchtige.

Eine Aussätzige, wie ich es so schön nenne.

Im Zeugenschutzprogramm sagten sie mir dann, dass ich eine andere Identität annehmen müsse. Meine Freunde, meine Familie und mein gewohntes Umfeld musste ich zurücklassen. Den Kontakt komplett abbrechen.

Erzähl mal einem 9-jährigen Kind, dass sie eine ungewisse Zukunft vor sich hat. Das ein durchgeknallter Psycho hinter ihr her ist und nicht eher aufhören wird sie zu suchen, bis sie tot ist.

Die ersten zwei Jahre waren wirklich hart für mich. Ich bekam einen neuen Namen, den ich so schnell nicht wieder vergessen werde.

Ravenna Black.

Selbst für ein 9-jähriges Mädchen war das erstmal ein Schock. Wer bitte nennt sein Kind Ravenna? Man könnte meinen dieser Name gehört einer bösen Königin, die vor hat, die Weltherrschaft zu übernehmen. Und dann auch noch Black.

Rundet die ganze Namenssache ja perfekt ab.

Zum Glück musste ich diesen nicht all zu lange behalten. Der Psycho fand mich und eine neue Identität musste her. Nach unzähligen Umzügen, gewechselten Identitäten und sogar Haarfarben, stehe ich hier, vor der Columbia University mitten in New York.

Ja, die Columbia. Ein Gutes hatte diese Veränderung in meinem Leben ja: Ich konzentrierte mich auf das Lernen, da ich ohnehin alleine war. Ich habe es nicht eingesehen mir großartig Freunde zu machen, schließlich hätte ich am nächsten Tag vielleicht schon wieder ganz woanders sein können.

Wer braucht da schon Freunde? Zumal ich diese sogar mitgefährden könnte. Da halte ich mich lieber an meine Bücher.

Auch hier habe ich nicht vor, es anders zu machen. Die Leute werde ich schön auf Abstand halten. Natürlich geht es nicht komplett ohne irgendwelche Interaktionen, aber weiter als 'Bekannte' will ich nicht gehen.

,,Hast du alles?", fragt mich Scott, der für mich schon fast wie ein großer Bruder ist. Seine braunen Augen mustern mich gespannt.

,,Ja, du kannst jetzt gehen. Was sollen denn die Leute denken? Dass ich meinen persönlichen Babysitter habe?", necke ich ihn, während er mir in die Seite stupst.

,,Bin ja schon weg, aber falls etwas sein sollte, rufst du mich bitte sofort an." Mahnend hebt er eine Augenbraue, was mich immer zum lachen bringt. Wenn ich mit ihm zusammen bin, kann ich wenigstens für eine kurze Zeit all das Schlimme vergessen.

,,Ja Dad!", sage ich gespielt theatralisch, während er mich in eine kurze Umarmung zieht.

,,Und bau keinen Mist."

,,HA-HA, könntest du jetzt bitte...", ich deute auf seinen neuen Mercedes ,,gehen?", sage ich zuckersüß und klimpre mit den Wimpern, was mich jedes mal eine menge Überwindung kostet, jedoch Scott dazu bringt alles zu tun, was ich von ihm verlange.

,,Ja Prinzessin", bekomme ich nur als Antwort, während er sein Million-Dollar Lächeln aufsetzt und sich elegant in sein Auto schwingt.

So ein Angeber.

Zeugenschutzprogramm (#Lichteraward2017)Lies diese Geschichte KOSTENLOS!