Die Hochzeit

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DANKE für eure ganzen tollen, tollen Antworten zu den Fragen im letzten Kapitel! Das war so interessant das zu lesen :D Ich habe echt die besten Leser hehe :)


Zaghaft setzte ich einen Fuß auf die wacklige Kutschenleiter und steckte den Kopf nach draußen ins Freie. Der Anblick, der sich mir bot, drehte mir den Magen um und ich hätte mich am liebsten sofort wieder im Inneren der Kutsche verschanzt. Doch die Hand meines Vaters schob mich unerbittlich vorwärts und so schlugen meine Füße doch keine zwei Sekunden später auf dem holprigen, dunkelgrauen Schotter des Weges auf. Ich raffte den weißen, fließenden Stoff meines Kleides auf und trat zögernd einen Schritt nach vorn.

Es war zum Davonlaufen. Über dreihundert Hexen und Zauberer tummelten sich auf der gewaltigen Wiese vor der riesigen, sandfarbenen Kathedrale, in der bereits meine Eltern geheiratet hatten, und deren reichverzierte Spitze über den Köpfen der Gäste in den strahlendblauen Junihimmel hineinragte. Und nochmal das Doppelte an Gästen würde zu der späteren Feier nach der Trauung erscheinen. Schnell wandte ich meinen Blick ab. Die Wiese unter meinen Füßen war plattgedrückt von den vielen teuren Schnallenstiefeln der Zauberer und den edlen Pumps derer Frauen der Reinblüter-Klasse, die sich an diesem Morgen auf dem grasigen Hügel inmitten von Wiltshires Wiesen versammelt hatten. Der größte Teil des Löwenzahnes am Wegrand hatte sich längst aus Sonnen in Monde verwandelt, doch das dunkelgrüne, sorgefältig gehegte Gras vor der gewaltigen, antiken Kirche war kurzgemäht und frisch.

Jetzt war mein Vater auch aus der Kutsche gestiegen, drückte dem Kutscher eine glänzende Galleone in die Hand, welcher dieser mit größter Ungläubigkeit musterte und schnell in den Tiefen seines Umhangs verschwinden ließ. Er dankte meinem Vater viele Male im unterwürfigen Ton, während der die Pferde antrieb und die Kutsche wendete. Doch mein Vater hatte nur einen herablassenden, kühlen Blick für ihn übrig, ehe er hinter mich trat, seinen sündhaftteuren Anzug glattstrich und den Blick über die wartenden Gäste schweifen ließ. Hinter uns rückte der kleine Zauberer auf dem Kutschbock gerade mit einer letzten kleinen Verbeugung in unsere Richtung seinen Zylinder zurecht und schon trabten die Pferde im schnellen Tempo zurück ins Tal und bald war ihr Hufeklappern gänzlich verklungen.

Ich sah Draco am Eingang der Kathedrale stehen, in ein Gespräch mit dem ganz in Dunkelgrün gewandelten Blaise Zabini vertieft und an beiden Seiten von seinen dümmlich dreinschauenden Freunden Crabbe und Goyle flankiert. Aus meinem Jahrgang war niemand gekommen. Das war vermutlich auch besser so. Mit leisem Bedauern dachte ich an Katie und an Alicia und sogar kurz an Elizabeth. Doch keine von ihnen passte hier her. An diesen Ort. In diese Gesellschaft. Stattdessen –und mein Magen zog sich unangenehm zusammen- hatte sich ein gutes halbes Dutzend meiner ehemaligen Freundinnen aus Durmstrang zu meiner Rechten unter einer gewaltigen Pappel versammelt. Ihr Anblick versetzte mir einen Stich.

Ich erkannte Jeans kupferroten Haarschopf, der in der Sonne schimmerte und Rachels krause Lockenpracht. Und da vorne war Katherine, die Louise an der Hand hielt und Becky ein wenig abseits und hinter ihr lugte Maisies blonder Schopf hervor. Ich schluckte. Wie gut ich sie doch selbst noch nach all der Zeit und aus dieser Entfernung auseinander halten konnte. Das war ein anderes Leben gewesen. Ich war anders gewesen. Genau wie sie. Doch ich war die Schlimmste von ihnen gewesen. Hochnäsig und herablassend und hatte mich für was Besseres gehalten. Hatte jeden heruntergemacht, der eine niedrigere Herkunft als ich hatte und Viktor Krum im Stillen angehimmelt, doch nie zugegeben, dass er mir gefiel, sondern hatte ihn öffentlich beleidigt. Ich war hinterhältig und verzogen gewesen und stolz auf meine Abstammung gewesen. Zu stolz. Die Schauspielerin Isabella Malfoy, der man jede Szene, jeden Akt, jedes Stück abgekauft hatte.

Sicher hatte Mutter sie eingeladen. Denn sie waren es, in den Augen meiner Eltern, würdig, meine Freundinnen zu sein. Jemand wie Katie war es nicht. Dass ich über ein Jahr nicht mit ihren geschrieben, geschweige denn geredet hatte, war hier wohl nicht von Belangen. Wie verlogen sie doch alle waren. Hatte Katherine nicht noch vorletztes Jahr über mich gelästert, als ich ins Quidditchteam aufgenommen worden war? Und hatte ich nicht noch zusammen mit Maisie hinter Jeans Rücken schlecht über sie geredet? Und mit Becky in Zauberkunst über Rachels neue Frisur gelacht? Und Louise hatte Jean den Freund ausgespannt und ich hatte sie dazu angespornt...

Isabella Malfoy - You may know my name, but not my story.Lies diese Geschichte KOSTENLOS!