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Meine Angst beherrschte mich. Noch nie hatte ich dieses Gefühl präsent gehabt. Niemals zu vor. Es ist sehr verlockend. Ich könnte einfach losrennen. Das Tor passieren und verschwinden. Die Aussicht auf so viel Freiheit ist wundervoll. Mein Problem ist, dass ich so nicht in Erinnerung bleiben will. Ich hab mich verändert. Ich will meine Freunde nicht enttäuschen. Das kann ich einfach nicht. Vor Monaten, einem Jahr vielleicht. Aber nicht mehr heute.

Meine Freunde sind alles was ich jetzt noch habe. Sie haben auf mich aufgepasst und das sollte ich würdigen. Wenn ich gehen sollte, dann mit einer echten Verabschiedung und nicht feige weglaufend. Ich drehte mich und wollte wieder reingehen. Natürlich stieß ich dabei mit meiner kaputten Schulter hart gegen die andere Seite der Flügeltür. "Shit!!" Statt weiter zu jammern ging ich Richtung Essenssaal. Tief durchatmen. Ein und aus. Je näher ich der Tür kam, desto lauter hörte ich die Stimmen. Sie beruhigten mich, diese lauten wirren Stimmen die durcheinander quatschen.

Ich lehnte mich an den Türrahmen und beobachtete ohne dass sie mich bemerkten. Ich sah das Familie Green sich mit Familie Sinclaire unterhielt. Auch Bird saß mit am Tisch. Beth saß mit ihrer Tochter auch dort. Sie wirkten alle glücklich. Oscar sprach mit IHR. Tay saß mit ihren Eltern und Großeltern am Nebentisch. Alle, wirklich alle, sind glücklich. Lächeln tun sie wie nie zu vor. Es ist nicht mein Verdienst, aber ich weiß, dass ich dazu beigetragen habe. Ich weiß noch nicht was ich sagen soll. Ob ich die Heldin sein kann oder will, die hier alle von mir erwarten.

Mein Magen knurrt. Okay, ich bin super hungrig. Aber eigentlich will ich gar nicht in den Saal reingehen. Mein inneres ist vollkommen durcheinander. Wer bin ich jetzt eigentlich genau? Killerin? Agentin? Tochter? Oder Waise? Freundin? Bin ich das? Eine Freundin?

Ich sah die kleine Jessica. Sie stand am Buffet mit ihrer großen Schwester. Die beiden quatschten harmonisch und lächelten. Beiden geht es gut. ES ist schön zu sehen, das die zwei sich so gut verstehen. Es machte mich stolz, denn für beide Mädchen bedeutete es einen Neuanfang und Kompromisse. In keiner Weise leicht, aber es ist gut. Es ist ein gutes Gefühl.

Ich sah Harry rüber laufen zu Tay. Er gab ihr einen Kuss und setzte sich zu ihr. Die Eltern von beiden sahen stolz aus. Die Großmutter von Taylor kniff ihr in die Wange. Lachend sah ich dabei zu, wie Tay ihre Augen zusammenkniff und versuchte dem zu entgehen. Die Liebe einer Oma die zu kurz gekommen war. Jetzt würde Taylor all die Liebe auf einmal bekommen.

Und auf der gegenüberliegenden Seite konnte ich ein paar andere Der Opfer mit ihren Familien sehen. So überglücklich wie sie aussehen, das hätten sie in diesen Zellen nicht gehabt. Aber sie sind bereit alles hinter sich zu lassen um glücklich zu sein. Alle diese Menschen haben gelitten und können sich trotzdem ihren Familien öffnen. Warum bin ich nicht in der Lage es zu tun? Warum verdammt kann ich das nicht?

"Hey Remy", ich sah nach unten. Es ist ein kleiner Junge. Gesehen hab ich ihn hier noch nie. Außerdem ist er viel zu jung für einen Schüler. Er ist vielleicht Fünf oder eventuell vier. "Kannst du mir helfen?", fragte er mit seiner süßen Stimme. Ich konnte nicht anders als in die Knie zu gehen um auf Augenhöhe zu sein: "Wobei kann ich dir denn helfen?" Er lächelte mich breit an. "Ich komm nicht an den Joghurt am Buffet ran", er war so niedlich. Sein Lächeln erinnerte mich an mein eigenes als ich klein war. Es war nicht oft vorgekommen, aber es existierten trotzdem Bilder davon. Ich nickte. Ohne zu zögern schnappte er sich meine Hand und zerrte mich zum Buffet. Kaum waren wir dort angekommen fragte ich: "Willst du dir ansehen was hier oben so drauf ist?" Er nickte und ich hob ihn einfach hoch. Ich drehte mich herum. Und wirbelte einfach so. Ich hatte gerade einfach total Lust drauf. Und der kleine Kerl lachte fröhlich. Als hätte er die Zeit seines Lebens. Ich lachte mit. Es tut so gut. Meine Schulter tat weh unter dem Gewicht des Jungen, aber es war mir so was von mehr als egal. Ich stoppte und sagte lächelnd: "Also, welchen Joghurt hättest du gern?" "Mhhh, welcher ist denn der beste?", fragte er nachdenklich und jetzt wurde mein Lächeln noch bereiter. "Okay, also ich liebe den Natur Joghurt. Da kann man sich nämlich alles selbst reinmischen." Jetzt setzte ich ihn doch ab, denn mein Schmerz wanderte langsam aus meiner Schulter in meinen Arm. Ich kniete mich wieder vor ihm hin und fragte freundlich lächelnd: "Was möchtest du für einen?"

Die Legende der AgentinLies diese Geschichte KOSTENLOS!