K a p i t e l 2 5

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Kapitel 25

Es war der Montag nach dem großen Preis. Philipp hatte den Rolex Grand Slam gewonnen und wenige Stunden vorher hatte ich ihn dabei beobachten können, wie er Bliss freudestrahlend den Ring an den Finger stecken konnte. Für ihn lief der Sonntag wie geschmiert.

Aber auch ich hatte meine Freude. Da ich Cooper einen freien Tag gegönnt hatte, war ich zusammen mit meinen Eltern in Aachen unterwegs und redete mit ihnen. Nur zum großen Preis kam ich zurück auf das Turniergelände und unterstützte Ludger, Philipp und Henrik.

Nach zweieinhalb Stunden fahrt kamen wir gegen Mittag wieder auf der Anlage von Riesenbeck an. Christian würde erst heute entlassen werden und anschließend wohl zu seiner Familie gehen um dort seine Krankschreibung zu genießen. Dafür hatte ich all seine Pferde auf die Augen gedrückt bekommen. Doch ich wollte mich nicht beschweren. Die Chance solch gute Pferde unter den Hintern zu bekommen war nicht selbstverständlich. Auch wenn ich jetzt schon fast ein dreiviertel Jahr bei Ludger lebte und trainierte.

Nachdem wir die Transporter abgeladen hatten und Cooper sich auf der Weide den Magen voll mit saftigem Gras schlug machte ich mich wieder an meine alltägliche Arbeit.

Zusammen mit Night ging ich auf den Sandplatz und fing langsam an sie zu lösen. Wir gingen einige Runden im Schritt auf dem Platz, ehe ich bemerkte wie jemand am Zaun stand und uns zusah. Mit einem Lächeln steckte ich mein Handy wieder in meine Hosentasche und hielt vor meinem Vater, den Ludger zu sich eingeladen hatte.

„Alles klar bei dir? Oder brauchst du was?", fragte ich ihn und gurtete gleichzeitig nach. „Nein, alles gut. Aber du hast sicherlich noch Fragen oder?", sagte er und schlüpfte durch den Zaun hindurch. Gemeinsam gingen wir noch einige Runden im Schritt zwischen den bunten Hindernissen hindurch.

„Gehst du wieder zurück?", fragte ich nach einer Weile und fuhr Night durch ihre dünne Mähne. Ich hatte mich in der Anwesenheit meiner Mutter nicht getraut ihn zu fragen, da sie für den Moment so glücklich aussah.

„Ich weiß es nicht, vorerst aber nicht. Ich habe die Nachbereitung gemacht und sehe jetzt zu, dass ich irgendwie all meine Urlaubstage zusammen bekomme. Vier bis Sechs Monate Urlaub pro Jahreseinsatz weiß du", sagte er und ich atmete erleichtert die Luft aus, die ich die ganze Zeit über angehalten hatte.

„Wieso hast du nicht gekündigt? Es ist doch so gefährlich da drüben", meinte ich und stützte meine Hand in meine Hüfte. „Ich bin ein Mensch der viel Abwechslung braucht. Ich denke nicht, dass ich als Hausmann sonderlich gut geeignet bin. Irgendwann wird das Leben halt doch wieder langweilig", meinte er und klopfte mir beruhigend mit seiner Hand auf mein Knie.

Zu meiner Überraschung sprang Night nicht gleich zu Seite. Sie hob lediglich ihren Kopf und spielte neugierig mit ihren Ohren. „Super Night, das hast du ganz toll gemacht. Richtig fein", lobte ich die Rappstute und klopfte ihr auf den Hals.

„Was hat sie gut gemacht?", fragte mein Vater verwirrt und nahm seine warme Hand wieder von meinem Knie. „Sie ist nicht weg gesprungen, als du deine Hand auf mein Knie gelegt hast. Sonst ist sie wegen jeder Kleinigkeit los gerannt und jetzt ist so richtig gelassen. Ich kann es nicht glauben", strahlte ich und klopfte ihr weiter auf den Hals.

Irgendwann verabschiedete sich mein Vater wieder an den Zaun, während ich weiter mit Night trainierte. Ich hatte mir eigentlich nur vorgenommen mit ihr über Stangen zu traben, doch da sie sich so gut anstellte und auf die kleinsten Hilfen von mir gehorchte, lenkte ich sie über einige Hindernisse.

Sie war wie ausgewechselt. Und während sie beim ersten Mal die blau-weiß gestreiften Stangen misstrauisch beobachtete, sprang sie beim zweiten Mal wie ein alter Hase über den kleinen Steilsprung. Ich schüttelte ungläubig meinen Kopf und fuhr ihr über ihren Hals. Sie war so brav, und das obwohl ich sie eine knappe Woche nicht mehr geritten war.

Als ich das Training mit Night beendet hatte, führte ich sie wieder in ihre Box und lobte sie kräftig. Ich war noch immer darüber verwundert, wie gut sie sich doch unter dem Sattel entwickelt hatte. Vor allem nach dem heutigen Training.

Ich beugte mich gerade über den Futtersack, als ihr hörte wie jemand meinen Namen rief. „In der Futterkammer", antwortete ich und als ich eine Schippe voll Müsli in einen Eimer warf trat Ludger über die Türschwelle. „Hast du kurz Zeit?", fragte er und verschränkte seine Arme hinter seinen Rücken. Unruhig wippte er mit seinen Füßen auf und ab.

„Klar, aber warte schnell. Night hat ihren Job heute richtig gut gemacht", antwortete ich strahlend und warf noch einige Karotten und Äpfel in den Eimer, ehe ich ihr diesen in den Trog entleerte und anschließend Ludger aus dem Stall folgte und mit ihm zusammen in Richtung Jährlingskoppeln ging.

„Also, was wolltest du mir sagen?", fragte ich neugierig und lehnte mich gegen den Holzzaun. „Du bist ja eigentlich seitdem du hier bist unter unserem Stall gestartet und na ja du bleibst jetzt ja im Internationalen Bereich, oder?", sagte Ludger und drückte dabei herum. „Klar, durch den Sieg habe ich mich ja für den European Youngstercup qualifiziert. Jetzt kommt ein Zurück nicht mehr in Frage", sagte ich stolz grinsend.

„Okay, das ist gut. Ich weiß jetzt ja nicht, ob es dir hier in Riesenbeck gefällt, oder ob du doch lieber zurück nach Bayern gehst. Jetzt wo dein Vater ja wieder da ist", sagte Ludger und stotterte dabei verlegen herum. „Ludger, sag was du möchtest", meinte ich lachend und musterte gespannt das Gesicht meines Trainers.

Er atmete tief durch und schleuderte mir die Worte nur so entgegen: „Ich wollte fragen ob wir aus dem Praktikumsvertrag einen Ausbildungsvertrag machen wollen"

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