Kapitel 14

30.7K 1.4K 335

                             Can

Auf dem Weg nach oben, ruft mich meine Mutter an und meint, dass ich schnell nach Hause kommen soll. Ich bin doch grad mit den Treppen unterwegs. Ich schließe die Tür auf, und meine Mutter kommt aus dem Wohnzimmer und meint, dass wir einkaufen gehen. Also laufen wir zum Lidl, weil ihr ein paar Lebensmittel fehlen. "Can, hol Weißkohl", fordert meine Mutter von mir, während sie nach guten Tomaten guckt. Ich laufe also zu der Reihe, wo ganz viel Salat ist und suche nach dem Weißkohl. Mein Handy vibriert, weswegen ich abgelenkt bin und drauflos tippe, während ich mit meiner freien Hand den gewünschten Kohl in die Hand nehme. Ich laufe zurück, mit dem Weißkohl in der Hand und lege ihn in den Wagen. Nach ungefähr drei Sekunden kriege ich von meiner Mutter einen Schlag auf den Hinterkopf. Ich schaue sie entgeistert an. Was habe ich jetzt gemacht?! "Kera ker! Ma eva kelemîe? Das ist Eisbergsalat!", meckert meine Mutter mich an. Muss sie mich als Esel beleidigen, nur weil ich aus Versehen Eisbergsalat und nicht Weißkohl geholt habe? "Gott verzeihe mir, ich wusste es nicht", murmele ich kleinlaut. Nicht, dass sie mich vor allen zusammenschlägt. "Bleib hier. Ich hole ihn." Wenn sie mir jetzt schon sagt, dass sie ihn holen geht, dann hätte sie es doch direkt von Anfang an machen können. Hättest du nicht auf dein Handy geschaut! Ich verdrehe meine Augen und schaue mich um. "Mama, ich geh kurz Chips und so holen. Ramazan und Malik pennen am Wochenende bei uns." Sofort lächelt sie. Sie liebt die beiden. Manchmal denke ich, sie liebt die beiden mehr, als mich. Aber das stimmt nicht. Ich gehe zu der Snackabteilung und nehme mir alles, was ich brauche. Dann noch einpaar Energydrinks, Cola und Eistee. Als ich zurücklaufen will, sehe ich Shana wie sie an der Kasse steht, Musik hört und durch die Gegend schaut. Sie sieht nachdenklich auf den Boden. An was sie wohl denkt? Als wir endlich wieder zu Hause sind, haben wir ungefähr 18:53 Uhr. Ich frage Ramazan, wann wir in die Shisha-Bar gehen wollen. Nach ungefähr zehn Minuten antwortet er immer noch nicht und da ich sehr ungeduldig bin, rufe ich ihn einfach an. Das ist auf jeden Fall besser, als hier herum zuwarten.

"Schatz, hast du mich schon vermisst?", fragt er in einem verführerischen Ton.

"Halt's Maul, Ramazan. Wann sollen wir gehen?"

"Wir kommen einfach zu dir und von da aus gehen wir Shisha rauchen."

"Okay."

"Babyboy?" Dieser Junge ist krank.

"Was ist?", frage ich und verdrehe die Augen.

"Bist du eifersüchtig?" Hä?

"Wenn du auch andere Babyboy nennst, bin ich nicht eifersüchtig", gebe ich schon fast verständnisvoll von mir und verziehe dann das Gesicht.

"Doch nicht deswegen, du Schwuchtel. Ich meine wegen Shana." Wie kommt der jetzt darauf?

"Nein, wieso?" Ich höre ein leichtes Auflachen.

"Nur so. Yallah, ich leg auf. Ich muss ja gut aussehen für heute. Ciao, Schatz", verabschiedet er sich und macht Kussgeräusche, weswegen ich eine Gänsehaut kriege, aber vor Ekel.

Ich gehe Duschen und mache mich fertig. Im Zimmer ziehe ich ein schwarzes T-Shirt an und eine hellblaue Hose. Oder sollte ich Leggings sagen? Der erste Tag in der Oberstufe. Temperamentvoll und Selbstbewusst. Mit Shana werde ich es nicht leicht haben, aber gewinnen lasse ich sie nicht. Ich lasse mich dich nicht von einem Zwerg fertigmachen. Ich trage noch kurz Boss Bottled auf und fahre mir durch die Haare. "Can, Malik ist da", teilt mir meine Mutter mit. "Setzt dich. Ramazan müsste auch so in einer halben Stunde kommen", sage ich und nehme mein Handy in die Hand. "Can?", kommt es fragend von Malik. "Ja?" Ich bin grad dabei auf Instagram das Bild eines Kollegen zu kommentieren. "Auf dem Weg zu dir habe ich Shana und Cihan gesehen." Was?! Das kann doch nicht ihr verfickter Ernst sein. Ich schaue zu Malik. "Was? Was suchen die da?", zische ich schon fast. "Keine Ahnung, aber sie schienen sehr vertraut zueinander zu sein", antwortet er mir. "Was haben sie gemacht?", frage ich mit angespanntem Kiefer. "Ich habe nur gesehen, wie sie zusammen auf diesen Steinhöckern saßen und miteinander gelacht haben." "Diese Höcker vor der Haustür?" "Ja, das war gerade eben noch." Ich stehe sofort auf und schaue aus dem Fenster. Sie lachen miteinander und reden über etwas. Dieser Hund! Wie ich ihn hasse! "Was sucht der Pisser hier?" "Keine Ahnung, aber heute, als ich auf sie zugelaufen bin, hat er sie gefragt, was sie heute macht." Er hat sie sich geklärt! Und sie lässt sich darauf ein. Und mir erzählt sie, dass ich nur naive Mädchen abbekomme. "Ich glaube nicht, dass da was läuft, Can", meint Malik. Ich glaube ihm aber nicht. "Und wieso sind sie dann zusammen, nachdem er sie heute gefragt hat, was sie macht?", fahre ich meinen Freund an. Wollen mich eigentlich alle verarschen? "Es gibt bestimmt einen Grund." Warum sieht er alles so gelassen? Nein, da stimmt etwas nicht. Wir haben 19:53 Uhr. Ramazan betritt die Wohnung, was man bemerkt, als meine Mutter und er sich prächtig auf Arabisch unterhalten. Beide meiner Elternteile können Arabisch, da sie früher im Irak gelebt hatten. Nun kommen beide in mein Zimmer. "Malik, Ramazan wollt ihr etwas essen?", möchte meine Mutter liebevoll wissen. "Nein danke, Mutter", sagt Malik lächelnd. "Yemma, wenn ich nicht voll wäre, würde ich sogar deine Augen essen", antwortet Ramazan, der alte Schleimer ihr, woraufhin meine Mutter ihm ein Küsschen auf die Wange gibt. Ramazan und Malik kenne ich schon seit dem Kindergarten und meine Mutter sieht sie als ihre eigenen Söhne. "Sollen wir gehen?", fragt Ramazan. "Ja, lasst gehen." Wir ziehen unsere Schuhe an und fahren mit dem Bus zur Orange Shisha-Bar.

Wir kamen um 20:47 Uhr an und haben jetzt 22:58 Uhr. Die Bar ist ziemlich voll, unter anderem sind auch viele Mädchen dabei. Meine Freunde und ich halten nach den bestaussehenden Mädchen Ausschau und finden nach ungefähr zehn Minuten welche. Da es voll ist, gibt es auch dementsprechend wenig Platz, also nutze ich die Chance und locke die drei Mädchen zu uns, die gerade einen Platz suchen. Sofort setzten sie sich zu uns. Leicht zu kriegen also. Die Mädchen sitzen alle nebeneinander, wenn auch eingequetscht. "Ihr könnt auch ruhig hierhin kommen. Ich beiße nicht.", lockt Malik die Mädchen mit einem charmanten Lächeln an. Sofort setzt sich das schwarzhaarige Mädchen zu ihm. Die andere schwarzhaarige, geht mit Ramazan an die Bar, um einen Kollegen zu begrüßen. Als sie zurückkommen, sitzt auch sie neben ihm. Das Mädchen mit den kupferfarbenen Haaren versucht die ganze Zeit mit mir zureden, aber ich bin gerade irgendwie abweisend. Irgendwas beschäftigt mich. Da läuft nichts und laufen wird auch nichts. Hat man gesehen. Immer einen auf scheinheilig tun, aber dann doch wie alle anderen sein. Shana, du bist wie alle anderen. Deswegen hat sie auch bestimmt gelächelt, als ich sie abgefangen habe. Sie hat an ihn gedacht! Wenn mir alle Mädchen zu Füßen liegen, wirst du es auch tun, Shana! "Can, willst du nicht?", fragt Malik und hält mir den Shisha Schlauch vors Gesicht. "Ich hab' doch gesagt Orange ist besser, aber niemand hört auf mich", mischt sich Ramazan ein. "Doch, doch", bejahe ich und nehme einen tiefen Zug. Ich muss klar im Kopf werden. Wie sie sich traut so dreist zu sein und mich anzulügen. Das wird sie bereuen. "Ich geh kurz raus." Mit diesen Worten gehe ich vor die Tür, der Bar. Wie hat er denn geguckt? Wollte sie nur wissen, dass er sie anguckt? Dass er etwas von ihr will? Wieso zerbreche ich mir deswegen den Kopf? Sie ist doch nur ein Mädchen. Ein Mädchen, wie alle anderen. Leicht zukriegen und scheinheilig. "Alles in Ordnung?" Ich drehe mich zur Seite und sehe das Mädchen, die in der Bar neben mir saß. "Ja, brauche nur frische Luft." Nach fünf Minuten Stille redet sie wieder. "Vielleicht brauchst du Ablenkung." Ja, ich brauche Ablenkung. Dich zum Beispiel. Ich schaue sie an. Gutes Material zum Ficken. "Hast recht." Sofort ziehe ich sie an der Taille zu mir und küsse sie, ohne Gefühle. Noch nie hatte ich Gefühle dabei und so wird es auch bleiben. Sofort erwidert sie den Kuss und legt ihre Hände auf meinen Nacken. Ich dringe mit der Zunge ein, nur um zu gucken, ob sie auch das mitmacht und ja, sie tut es und drückt sich an mich. Das sind doch nur naive Dinger, die für ein paar Tage, Wochen oder Monate durch angebliche Zuneigung gestillt werden!, ertönen ihre Wörter wieder in meinen Gedanken. Ich werde sie einfach nicht los! Niemand lügt mich an! Und vor allem kein winziges Mädchen. Ich löse mich von dem Mädchen und gehe wieder rein. Scheiß auf die. Ich bin wütend, wegen Shana. Ich steuere auf unseren Tisch zu, wo mich Ramazan verwundert anguckt. Wahrscheinlich, weil ich etwas aufgebracht bin. "Was ist los?", will er wissen.

"Gib mir Shanas Snapchatnamen."

——————————————————

Lest euch einfach die Sätze nach der fremden Sprache durch. Ich bin mir sicher, dass man es dann versteht.

-Helo

ArroganzLies diese Geschichte KOSTENLOS!