~ The letter ~

Meine Glieder waren wie eingefroren, als ich mich langsam aufrichten wollte. Alles um mich herum brummte und ich sah alles wie in Zeitlupe. So, als wären meine Augen zu langsam, um alles in normaler Geschwindigkeit wiederzugeben. Ich fühlte mich wie in einer Art Trance. Eine Hand drückte mich wieder runter, als ich es beinahe geschafft hatte meinen gesamten Oberkörper aufzurichten.

„Streng dich nicht an, Liebes! Du musst erstmal zu Kräften kommen!"

Verwirrt versuchte ich meinen Kopf so zu drehen, um die Person, der die Stimme gehörte, ausfindig zu machen. Aber ich sah niemanden. Jedoch beruhigte mich der Klang etwas und ich konzentrierte mich darauf langsam und gleichmäßig zu atmen. Noch immer wusste ich nicht, was geschehen war. Die medizinischen Geräte und das Piepen im Hintergrund sagten mir, dass ich mich in einem Krankenhaus befand. Aber warum? Mein Gehirn konnte sich nicht mehr daran erinnern. Alles war wie ausgelöscht. Ich spürte wie mir ganz warm wurde und mein Körper sich immer mehr entspannte. So,als würde ich langsam einschlafen. Meine Augenlieder senkten sich langsam. Ein paar Mal versuchte ich sie noch zu öffnen, scheiterte aber kläglich daran. Ich spürte die Wärme in meinem ganzen Körper. Bis ich langsam das Bewusstsein verlor und alles um mich herum zu verschwinden drohte.

„Meine Süße!"

Ich hörte jemanden schluchzen. Es war ganz in der Nähe. Aber ich konnte meine Augen nicht öffnen. Ich war zu schwach. Zu schwach um über meinen eigenen Körper zu bestimmen.

„Gott, wie konnte das nur passieren?"

Meine Mom! In diesem Moment durchströmte meinen Körper eine Erleichterung, die mich beinahe in Tränen ausbrechen ließ! Sie war hier! Ich war nicht mehr alleine.

George! Wie geht es ihr? Wie geht es Kate?" Sobald ich den Namen meines Vaters hörte, durchfuhr ein Stromschlag meinen Körper, der mich zusammen zucken ließ. Mein Herz pochte wie verrückt, während sich auch das Piepen des Monitors ebenfalls außer Kontrolle geriet.

„Oh mein Gott! Maddie, Maddie! George hol doch Hilfe!", kreischte meine Mutter panisch, bevor ich zwei warme Hände an meiner Schulter spürte. „Hilfe!"

„Sie ist tot. Kate ist tot." Die tonlose Stimme meines Vaters ließ mich entgültig unter dem festen Griff meiner Mutter zusammensacken. Mit seiner Nachricht verlor ich erneut das Bewusstsein.

Tot. Kate war tot.

Sorgfältig schloss ich den Briefumschlag. Ich warf einen Blick zur Uhr, bevor ich langsam aufstand und mir mein Kleid zurecht strich. Heute war es soweit. Der Tag vor Reece Geburtstag. Wir würden uns um elf Uhr in seiner Wohnung treffen. Reece lehnte eine große Party ab, da er sich nach den jüngsten Ereignissen nicht in der Stimmung dazu fühlte ausgelassen feiern zu gehen. Seitdem ich aber aus London zurück gekehrt war, fühlte ich mich wie ein neuer Mensch. Zwar konnte ich meine Vergangenheit niemals vergessen, aber was für mich zählte war nun die Gegenwart und die Zukunft. Schließlich konnte ich letzteres ändern und beeinflussen. Verganges war bereits geschehen. So sehr ich es auch alles ändern wollte, würde das niemals gehen.

„Ich bin bei Reece, Mom! Wir sehen uns morgen!"

Meine Mutter drehte sich kurz um und nickte dann, bevor sie sich ihrem Freund, Mr. Moretti und gleichzeitig meinem Lehrer zu wand. Die beiden saßen gemütlich auf dem Sofa und aßen Pizza, während sie sich zusammen die Romanverfilmung von Jane Austens „Sinn und Sinnlichkeit" ansahen. Ich konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. Ich freute mich so sehr meine Mom wieder glücklich zu sehen. Sie strahlte richtig. Deshalb entschloss ich mich die beiden nicht länger zu stören und mich stattdessen auf den Weg zu meinem Glück zu machen. Mit klopfenden Herzen, aber erhitzten Wangen und einem Grinsen, welches ich gar nicht mehr aus dem Gesicht bekommen konnte, klopfte ich zweimal gegen Reece Wohnungstür. Mein Herz machte einen Satz, sobald sich die Tür schwungvoll öffnete und ich in das Gesicht meines Freundes blickte, welcher mich ebenfalls lächelnd ansah.

Those who leftLies diese Geschichte KOSTENLOS!