Blut und Lavendel

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Es ist schon eine Weile her, aber jetzt gibt es wieder mal ein Kapitel von Nirgendwo. Dafür ist es besonders lang :) Vielleicht habt ihr außerdem Lust auf und Zeit für eine kleine Umfrage!

https://goo.gl/forms/a7HTZC437c35xvps2

Es gibt für dieses Kapitel mehrere Warnungen:
- Knochenbrüche/Fleischwunden (1)
- Operation (Blut, Knochen, Messer, medizinisches Nähen) (2)
Und wie bei allen Nirgendwo-Kapiteln: Sex (3).

Ich starte und beende die gekennzeichneten Bereiche mit den angegebenen zahlen. Wenn ihr also eine dieser Nummern seht und überspringen wollt, könnt ihr mit der Suchfunktion eures Browsers das nächste Vorkommen dieser Zahl suchen und seit über die Szene hinweg. Ich verwende keine Nummern zweimal, ihr springt also nicht zufällig in eine andere Szene.

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Das Ende war nicht abwendbar, war es nie gewesen; im hintersten Winkel seines Verstandes hatte Tarn das immer gewusst. Sein Abschied von diesem Leben war so unvermeidlich wie das Ende des Sommers, und alles was er tat nur eine kurze Ablenkung. Es gab keinen Ort auf der Welt, an den er wirklich gepasst hätte, an dem er Akzeptanz gefunden hätte. Also hatte er sich geschworen, sich keine Illusionen darüber zu machen, was ihn hier erwartete.

Und dennoch.

Die Hoffnung war stur; sie beeinflusste seine Gedanken, wucherte wie Unkraut in seiner Wahrnehmung, hartnäckiger als jemals zuvor.

Was hoffte er? Er wusste es selbst nicht. Er sah, dass Jefrem ihn anscheinend mochte und sich um ihn sorgte, und spürte, dass Anssi auf ihn fixiert war und seine Nähe und Aufmerksamkeit suchte. Und bei beiden glaubte er zu wissen, dass er nur ein Mittel zu einem Zweck war, der sich erschreckend glich. Es verletzte ihn auf eine Art, die er nicht begriff; war er nicht gewohnt, benutzt zu werden? War das nicht längst ein Teil von ihm? Es hätte ihm egal sein müssen, aber stattdessen hoffte er. Dass er sich irrte. Dass sich etwas änderte. Oder dass seine irrationale Trauer ihn in Frieden ließ, und die Gleichgültigkeit zurück kehrte.

Nichts davon geschah, und die ständige Ungewissheit ließ seine Zweifel schließlich über ihn hinaus wachsen. Als der Sommer endete, die Tage kürzer wurden und es langsam immer kühler und regnerischer wurde, zog sich Tarn in sich zurück. Er mied die anderen Knechte, verkroch sich in den Nächten meist irgendwo, wo ihn niemand finden konnte, und schlief allein. Er ließ seinen achtzehnten Geburtstag verstreichen, ohne auch nur irgendjemand davon zu erzählen.

Manchmal stand er kurz davor, wieder mit Jefrem zu reden. Dann und wann bemerkte er, dass der Alte ihn nachdenklich musterte, als versuche er zu ergründen, was in ihm vorging. Doch Tarn wandte sich immer von ihm ab, und Jefrem ließ ihn in Frieden. Vielleicht kümmerte es ihn einfach nicht genug.

Natürlich war das genaue Gegenteil der Fall. Schon nach wenigen Tagen fiel Jefrem eine Veränderung an Tarn auf, und er beobachtete über die Wochen hinweg besorgt, dass er noch wortkarger und unzugänglicher wurde als zuvor. Aber Jefrem war nicht dumm, und außerdem war er geduldig genug, abzuwarten. Tarn war launisch, manchmal unberechenbar. Von einem Tag auf den anderen konnte seine Stimmung von grüblerisch zu angriffslustig wechseln, von still und in sich gekehrt zu redselig, zumindest nach seinen Maßstäben.

Doch je länger Jefrem abwartete und ein Auge auf seinen Schützling behielt, desto mehr begriff er, dass es sich nicht um eine reine Laune handelte, sondern dass Tarn dabei war sich völlig von ihm zu lösen. Ihre Gespräche wurden seltener, egal ob alltägliche Unterhaltung oder handfester Schreit. Es hätte Jefrem kaum gekümmert, wenn er Anzeichen dafür gesehen hätte, dass der Junge Zuspruch oder Gesellschaft an anderer Stelle gefunden hatte, aber das war anscheinend nicht der Fall. Im Gegenteil, Tarn wurde immer mehr zum absoluten Einzelgänger. Er erledigte seine Arbeit, er wurde auch immer häufiger hinzu gezogen, wenn es kleinere Verletzungen auf dem Anwesen gab. Aber das gab ihm nur eine Ausrede, noch häufiger aus Jefrems Reichweite zu gelangen und sich von den anderen Knechten zurückzuziehen.

Nirgendwo (BoyxBoy)Lies diese Geschichte KOSTENLOS!