One more light

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Hogwarts lag in absoluter Stille da. Graue Wolken zogen über den Himmel und tauchten die Landschaft in eine düstere Stimmung, die an diesem Tag nicht mehr aufgehellt werden würde. Die Sonne schaffte es nicht, durch die dicht Wolkendecke zu brechen und somit gab es auch keinen Hoffnungsschimmer für diesen langen Apriltag. Die Schüler von Hogwarts saßen alle in verschiedenen Klassen, mit verschiedenen Lehrern, verschiedenen Gedanken. So saßen auch James Potter, Sirius Black, Remus Lupin, Peter Pettigrew, Lily Evans, Marlene McKinnon und die restlichen Gryffindors ihres Jahrgangs im Verwandlungsunterricht von Professor McGonagall. Dieser fand heute jedoch frühmorgends am Astronomieturm statt, da sie etwas frische Luft in den Unterricht bringen wollte. Doch diese war heute ganz und gar nicht zufrieden mit ihren Schülern. Sie alle wirkten abgelenkt. Vor allem jedoch fielen ihr James und Sirius auf, welche sich heute gemeinsam mit ihren Freunden in die letzte Reihe gesetzt hatten. James starrte durchgehend auf seinen Tisch, während Sirius Löcher in seine Hände starrte, welche auf seinem Schoß lagen. Lily saß ungewöhnlich nahe bei James und auch Remus und Marlene stupsten Sirius immer wieder mit dem Ellbogen an. Professor McGonagall beschloss dem ein Ende zu setzen und riss die Schüler mit einem Räuspern aus ihren Gedanken, während sie alle in ihren Bücher lasen. Einige blickten zu ihr auf, die letzte Reihe rührte sich jedoch nicht. "Mr. Potter? Mr. Black?" James blickte auf und die Lehrerin bemerkte erschrocken, dass all die Gefühle und die Freude, die einst in seinen Augen ruhten, nicht mehr zu erkennen waren. "Darf ich fragen, was mit Ihnen los ist?" Sirius Black blickte ihr in die Augen, doch schien durch sie hindurch zu sehen. "Wenn kümmerts schon, wenn noch ein Licht ausgeht?" James Stimme klang leer, rau und unbenutzt. Den Gryffindors stockte der Atem und die Luft schien abzukühlen. Professor McGonagall musste schlucken um den kalten Blick ihres Schülers aushalten zu können. "Wie meinen Sie das?" Der zweite schwarzhaarige Junge lachte trocken auf. "Wen kümmerts schon, wenn die Zeit einer Person ausgeht?" Minerva schloss kurz die Augen. Sie hatte es gelesen. Heute morgen im Propheten, und schließlich auch erfolglos verdrängt. Die Todesanzeige auf Seite 16. Charlus und Maria Potter. Freitag Abend..ein Todesser Angriff in der Winkelgasse. Voldemort persönlich vollbrachte es. Die langjährige Lehrerin musste schlucken, um ihre Stimme wieder zu bekommen und den riesigen Kloß in ihrem Hals zu verbergen. "Ich tu's. Mich kümmert es. Und ich bin mir sicher alle anderen auch." James starrte sie an und hob eine Augenbraue. "Ein Licht weniger? Was macht das schon in einem riesengroßen Lichtermeer, welches so oder so langsam erlischt?" McGonagall schritt in die letzte Reihe, wohin ihr die Blicke aller Gryffindors folgten und ging vor dem Tisch von James Potter und Sirius Black in die Hocke. 

"Weil dieses eine Licht vielleicht alle anderen wieder entzündet hätte, wenn es nicht erloschen wäre." 

James schluckte und stille Tränen begannen ihm über die Wangen zu laufen. Sirius schluchzte auf und verbarg seine Tränen, indem er sich die Hände vors Gesicht schlug. Die beiden Brüder lehnten sich aneinander als würden sie ertrinken und ließen all den Gefühlen freien Lauf. Als Remus und Lily aufstanden, um sich stärkend an sich zu lehnen, kam auf einmal Bewegung in die Klasse. Stühle wurden gerückt, Schritte ertönten und kurz darauf, stand der gesamte Jahrgang um sie herum und streckten ihre Zauberstäbe in den Himmel. Lichter strahlten von deren Spitzen und ließen es aussehen, als würden Sterne am Himmel stehen. In genau diesem Moment, schlich sich die Morgensonne hinter den Wolken hervor und der so trübe Himmel erhellte sich zu einem intensiven Rot-Orange, welches nur die Morgensonne herbeirufen konnte. Die Welt schien wieder heller zu werden, auch wenn sie für die beiden Brüder gerade unterging. Doch sie waren nicht die einzigen, die das Licht am Leben halten würden. 

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Viele Jahre später stand McGonagall an ihrem Schreibtisch und blickte alte Klassenbücher durch. Plötzlich grinsten ihr James Potter, Sirius Black, Remus Lupin, Lily Evans und Marlene McKinnon entgegen. Sie musste leicht lächeln, obwohl sie Tränen in den Augen hatte. Noch heute konnte sie sich an diesen Moment in der Klasse erinnern, und an diesen Satz, den sie gesagt hatte. Die beiden haben viele, viele Kerzen wieder entzündet, sind letztendlich jedoch selbst daran erloschen. Es tat ihr weh, zu sehen wie so strahlende Lichter ausgehen mussten. Doch nun liefen dank ihnen viele, viele andere Lichter durch Hogwarts, welche die Dunkelheit, die der Krieg hinterlassen hatte, erleuchteten. Und tief in den Herzen der Menschen, die sie liebten, strahlten sie immer noch so hell wie zuvor.

Rumtreiber Oneshots/ HPWo Geschichten leben. Entdecke jetzt