Teil II - Kapitel 3*

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Danke für 3,2K reads :* Ich würde mich nur über mehr Resonanz freuen :). Es tut mir sehr leid, dass ich so selten update, aber ich habe einfach viel stress :s. Nächstes Update wird vermutlich am 5.8. kommen :D

Am nächsten Montag tuschelten Thorben und seine Freunde als sie mich sahen. Sie lachten heftig und mein Herz begann schneller zu schlagen. Ich wusste, dass sie mich auslachten und ich hatte Angst, dass Oxana mich ebenfalls auslachen würde. Ich wünschte mir, nie auf diese Party gegangen zu sein.
»Die ist soo verklemmt. Ihr hättet mal sehen müssen, wie die davongerannt ist, als sie was trinken sollte. Voll peinlich«, sagte Thorben so laut, dass ich es hören konnte. Tränen stiegen in meine Augen, ich sah zu Boden.
»Wahrscheinlich hat sie sich dann auch wieder die Arme aufgeritzt, blödes Emo-Kind. Hoffentlich kommt die nie wieder auf eine Party«, erzählte er weiter und begann zu lachen. Seine Freunde lachten ebenfalls.
Ich lief schneller, beeilte mich, um ins Schulgebäude zu kommen. Mein Herz raste, in meinem Hals hatte sich ein Kloß gebildet. Ich bekam kaum noch Luft. Mittlerweile liefen die Tränen in Sturzbächen meine Wangen hinunter.

»Ash!«
Es war Oxana. Ich ignorierte sie, lief einfach weiter zu den Toiletten.
Dort schloss ich mich ein und weinte hemmungslos.
Ich hasste Thorben.
Ich hasste seine Freunde.
Ich hasste diese Schule.
Ich hasste Ted.
Ich hasste die Welt.
Ich hasste meinen Körper.
Ich hasste das Fett.
Ich hasste mich.
Ich hasste Essen.
Ich hasste einfach alles.

»Ashley, was ist los?«, Oxana klopfte gegen die Klotür, doch ich antwortete nicht. Ich weinte einfach. »Ashley, antworte bitte! Ich mache mir Sorgen«, forderte sie mich auf. Sie klang tatsächlich verzweifelt, doch ich blieb stur.
»Es tut mir leid, Ash. Ich wusste nicht, dass es so schwierig für Dich werden würde. Hätte ich das gewusst, dann hätte ich Dich nicht mitgenommen, wirklich nicht. Ashley, ich mag Dich. Du bist meine beste Freundin. Ich möchte nicht, dass Du leidest. Antworte, oder ich hole jetzt einen Lehrer.«
Ich stand auf und schloss die Toilettentür auf. Sofort öffnete Oxana diese und fiel mir um den Hals. Ihre Augen waren glasig und mir fiel sofort auf, dass sie geweint hatte. Auf einmal bekam ich ein schlechtes Gewissen. Sie sollte nicht meinetwegen weinen.
»Alles ist gut«, flüsterte ich, um sie zu beruhigen.
»Du bist mir nicht sauer?«, fragte sie hoffnungsvoll, ließ mich los und sah mir in die Augen. »Nein, ich habe Dir verziehen«, versicherte ich ihr. Sie nahm mich noch einmal in den Arm, schluchzte kurz und lachte dann. »Tut mir leid, Ash. Aber ganz schön bescheuert, was? Sieh uns nur an. Wie wir aussehen! Meine Schminke ist bestimmt total verwischt.«
Sie wischte sich über die Augen und lachte noch einmal. »Ja, das ist sie wirklich«, Oxana sah aus wie ein Panda und nun musste auch ich lachen.
Es war sicher ein komisches Bild, wie wir beide bei den Toiletten standen, total verweint aussahen und lachten, als wären wir verrückt.
Wir brauchten noch fünf Minuten, bis Oxana ihr Gesicht reinigte und wir in die Klasse gingen. »Bin ich mal ungeschminkt, ist nicht so schlimm«, redete sie sich selbst ein. Oxana verließ das Haus nie ungeschminkt. Sie fühlte sich unwohl, wenn sie kein Make-Up trug.
Natürlich kamen wir zu spät. Doch als meine Deutschlehrerin sah, wie fertig wir waren, verzichtete sie darauf, uns zu belehren und sagte nur, dass wir uns setzten sollten.
Thorben machte einen abfälligen Kommentar, den ich jedoch nicht ganz verstand. Ich wusste nur, dass ich nun die Lachnummer der gesamten Schule war. Doch genau das spornte mich an. Ich war nicht beliebt. Und wenn ich nicht beliebt war, dann wollte ich wenigstens die beste sein.

»Die hat schon wieder abgenommen oder?«, hörte ich Thorben in der Pause fragen und zuckte zusammen. Oxana sah mich nachdenklich an. Sie wusste, dass er recht hatte, doch sie wollte mich verteidigen.
»Weißt Du Thorben, ich dachte, Du hättest dazugelernt, als Du Deine Schwester fast umgebracht hättest. Weißt Du noch, wie sie im Krankenhaus lag. Ihr niedriger Puls? Du hast Dich damals bei mir ausgeheult. Ja Leute, Euer Thorben hat geheult, wie ein kleines Mädchen, weil er seine Schwester fast in den Tod getrieben hat. Und genau das machst Du jetzt wieder: Du treibst jemanden in den Tod, der Deine Schwester sein könnte. Ich weiß schon, warum Deine Familie keinen Kontakt zu Dir möchte, und, warum sie Dich abgeschoben haben. Du bist einfach ein schlechter Mensch«, Oxanas Stimme klang drohend. Was sie sagte war mir neu, doch ich fragte mich, ob sie nicht übertrieben hatte. In der Klasse war es still geworden. Alle sahen zwischen Thorben und Oxana hin und her. Thorben schien sprachlos. Sein Mund öffnete und schloss sich, als würde er nach Worten suchen.
»Du miese Schlampe!«, zischte er und rannte aus der Klasse.
Oxana setzte sich wieder neben mich, denn sie war aufgestanden, und strich mir sanft über den Rücken.
»Er ist ein Arsch«, flüsterte sie.
Langsam setzten sich wieder Gespräche in Gang, doch alle waren von Oxanas Worten nachhaltig beeindruckt.

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