K a p i t e l 1 7

1.9K 141 11

Kapitel 17


Ich konnte hören wie der Kies unter den schweren Autoreifen knirschte. Ich sah von meinem Handy auf und erblickte einen silbernen Mercedes, der in die Hofeinfahrt ein fuhr. Ich steckte das Handy in meine Hosentasche und ging mit einem kleinen Grinsen auf das Auto zu.

Heute würde die Spanierin als meine neue Pflegerin für eine Woche hier auf dem Hof Probearbeiten. Sie war zusammen mit der Deutschen Madeleine Müller in die etwas engere Auswahl gekommen. Allerdings hatte sich Madeleine letzte Woche nicht gerade gut angestellt, weshalb ich nun umso mehr auf die Spanierin gespannt war.

Der Motor erstarb und die Fahrertür wurde geöffnet. Eine Bildhübsche Latina streckte ihre Hände gen Himmel und drehte sich mit einem breiten Grinsen um. „Hola, Seniora Matute", begrüßte ich die gebürtige Spanierin und streckte meine Hand zu ihr hin. „Hola, Seniora Schwarz?", fragte sie und legte ihren Kopf dabei schief. Grinsend nickte ich und schüttelte ihr dabei meine Hand.

„Soll ich erst mein Gepäck aufräumen, oder gleich mit dem Arbeiten anfangen? Mir egal, ich kann alles machen", sagte sie auf Spanisch und merkte sogleich, dass sie eigentlich die falsche Sprache mit mir sprach. Ein Lachen entfuhr mir. „Ist schon okay, wir können Deutsch oder Spanisch reden, ich spreche beides", sagte ich lachend und entlockte ihr ein erleichtertes Grinsen.

„Tut mir furchtbar Leid, aber ich war gerade etwas verwirrt, weil Sie mich mit Seniora angesprochen haben. Tut mir wirklich leid. Welche Sprache bevorzugen Sie?", fragte mich Sofia und fuhr sich peinlich berührt über ihre Stirn. „Erstens, ich bin Doro. Sprich mich nicht mit Sie an, ich bin Achtzehn und keine Sechzig. Zweitens mir persönlich ist es egal, aber da Ludger auch noch sein Okay für dich geben muss, wäre es, denke ich zumindest für den Anfang gut, wenn wir miteinander Deutsch sprechen. Danach ist es ihm egal. Und Drittens, um deine Frage von vorhin zu beantworten: Wir können deine Sachen eigentlich gleich in das Haus hier drüben tragen. Du bist in dem Zimmer neben mir untergebracht, zumindest für diese Woche. Und vielleicht auch noch für länger", sagte ich und lächelte sie dabei freundlich an.

Die Spanierin nickte und bat mir sogleich das Du an. Wir wuchteten ihre zwei Taschen aus dem Kofferraum ihres Autos und gingen anschließend hoch in den ersten Stock des "Pfleger-Hauses".

„Also, das hier ist dein Zimmer für diese Woche. Nebenan ist gleich meins und das hier sind die Zimmer von Lisa, Sherin und Saskia. Also falls du irgendwann mal mit jemand Reden magst, abends sind wir meistens in unseren Zimmern oder unten im Wohnzimmer", erklärte ich Sofia und öffnete ihre Zimmertür. Sie hatte genau das gleiche Zimmer wie ich auch, nur das ihre Wand in einer anderen Farbe gestrichen waren.

„Wow, das hier ist echt schön. Ich kann sogar auf die Koppeln sehen", rief sie begeistert aus, als sie einen Blick aus dem Fenster geworfen hatte. „Soll ich gleich wieder mit in den Stall kommen oder was hast du heute noch so vor?", fragte sie mich und grinste mich unsicher an. „Wenn du willst kannst du dich erstmal einrichten. Es ist jetzt ja auch schon fünf Uhr Nachmittags und meine Pferde habe ich alle schon bewegt, also hast du heute nichts mehr zutun. Du kannst mitkommen, oder auch hier oben bleiben, das ist deine Entscheidung", sagte ich und faltete meine Hände vor meinem Oberkörper.

„Wenn es dir nichts ausmacht, würde ich mich schnell frisch machen und dann könntest du mir ja alles zeigen, oder?", fragte sie und ich nickte zustimmend. „Klar, können wir gerne machen. Wenn wir Ludger noch treffen, kann ich ihm dich ja gleich vorstellen", sagte ich und ging mit einem schmalen Grinsen aus ihrem Zimmer nur um wenige Meter später in meinem zu verschwinden.

Ich zog mein Handy wieder aus meiner Hosentasche und fing an auf der angezeigten Tastatur herum zu tippen um Matti zu antworten. Er hatte mich vor wenigen Minuten noch gefragt, ob ich nun doch zu den Bayerischen Meisterschaften kommen würde. Doch da meine Platzierungen nicht auf den Pflichtturnieren in Bayern statt gefunden hatte, hatte ich mich nicht für die Bayerische qualifizieren können. Klar gab es sicherlich irgendwelche Schlupflöcher, doch diese wollte ich auf keinen Fall benutzen, da es den anderen Reitern gegenüber nicht fair war. Ich versuchte jedoch als Zuschauerin nach München Riem zu kommen.

Ein Klopfen an meiner Zimmertür riss mich aus meinen Gedanken. Erschrocken stand ich von meinem Bett auf und öffnete die Zimmertür. Sofia stand mit einem unschuldigen Lächeln vor meiner Zimmertür.

„Du bist ja schnell", sagte ich verwundert und hatte mindestens mit einer Viertelstunde gerechnet, die sie brauchen würde. „Gut, dann führe ich dich mal rum", sagte ich voller Tatendrang und führte sie aus dem Haus.

Ich machte wohl dieselbe Rundführung, die Lisa damals mit mir gemacht hat. Als ich der Spanierin allerdings meine Pferde zeigte war sie hin und weg von den edlen Tieren und erzählte mir stolz, dass sie nur ab und zu ihren Geschwistern oder Cousins auf dem Turnier helfen durfte. Da sie eher Gelände orientiert war, war sie das Schwarze Schaf der Familie, da dort alle nur Dressur ritten. Ihre zwei Cousins waren allerdings erfolgreich bei Europäischen und Spanischen Meisterschaften unterwegs.

Am Ende gingen wir wieder zurück ins Haus, da ich heute mal mit dem Kochen dran war. Sofia half mir, obwohl ich anfangs ihre Hilfe abgelehnt hatte. Letzten Endes gab es einen Kartoffelauflauf und die anderen Pflegerinnen waren schon vom ersten Moment an hin und weg von der jungen Latina.

Und bei ihr hatte ich definitiv ein besseres Gefühl als bei Madeleine. Und eigentlich war die Entscheidung schon gefallen, als Sofia und ich herausgefunden hatten, das wir die selben Serien feierten und die selben Figuren shippten.

Never give up your biggest Dream Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt