K a p i t e l 1 3

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Kapitel 13

Es war wie in diesen schlechten Krankenhausfilmen in denen die Patienten nach einer schweren Hirnoperation aufwachten und erstmal alles verschwommen sahen und sich die Hand vor die Augen hielten, da ihnen eine Lampe direkt in die Augen schien.

Ich zuckte merklich zusammen, als ich das rhythmische Piepen registrierte. Langsam versuchte ich meine schweren Augenlieder zu öffnen. Als mir dies nach gefühlten Stunden auch endlich gelang blickte ich mich verwirrt um als alles um mich herum nur in einem kalten weiß gehalten war.

Ich zog meine Augenbraun zusammen und hob meine Hand um mir über meine schmerzende Stirn zu fahren. Allerdings konnte ich diese nur wenige Zentimeter heben ehe sie von einem Klettverschluss am Bettgestell gehalten wurde. Ich versuchte mich etwas aufzurichten was mir allerdings eher mäßig gelang, da auch meine Beine an das Bettgestell fixiert waren.

Ich atmete tief aus und legte mich wieder zurück auf die ausgelegene Krankenhausmatratze. Mein Blick glitt nach Links und ich erkannte, wie eine Person auf dem Besucherstuhl saß, die Arme verschränkt hatte und die Augen geschlossen hatte.

Meine Mutter saß mit zerzausten Haaren neben mir und döste vor sich hin. Ich runzelte meine Stirn und fragte mich was überhaupt passiert sei, dass sie hier her gefahren war.

„Mama?", krächzte ich und ignorierte das Kratzen in meinem Hals. Sofort fuhr die Braunhaarige Frau in ihrem Stuhl auf und blickte sich verwirrt im Zimmer um. Dann fiel ihr Blick auf mich.

„Gott sei dank. Du bist wach", stellte sie erleichtert fest und umfasste mit ihren kalten Händen meinen Arm. „Warum bist du hier? Und warum bin ich fest gekettet?", fragte ich und versuchte mich wieder von den Fixierungen zu befreien.

Ein kleines Lächeln bildete sich auf ihrem Gesicht. „Du hast dich gegen die Behandlung gewehrt. Es war so für alle leichter. Es war schrecklich dich so anzusehen", meinte sie und presste ihre Lippen aufeinander. „Was ist passiert?", murmelte ich und schloss kurz meine Augen, um die aufkommenden Kopfschmerzen zu ignorieren.

„Du bist von einer Stute gefallen. Die Ärzte haben festgestellt, dass du einige gebrochene Rippen hast, einen Milzriss und zum Glück eine Minimale, also wirklich, wirklich kleine Hirnblutung. Sie war nicht groß. Das waren höchstens einige Milliliter, die ausgetreten sind. Die Blutung hat von selbst aufgehört. Ich bin froh, dass es dir gut geht. Ich hatte Angst dich zu verlieren", erklärte mir meine Mutter und hatte Tränen in den Augen als sie mir dies sagte. Zum Ende hin wurde ihre Stimme immer dünner und sie versenkte ihren Kopf in ihren Armen.

„Es tut mir leid. Es tut mir so unendlich Leid, dass ich damals nicht mit gefahren bin. Es war mein Fehler. Ich hätte dich begleiten sollen, als du diesen riesigen Schritt getan hast. Weiß du, das Haus ist so leer ohne dich. Und ohne deinen Vater", sagte sie und zog sich den Rotz in ihrer Nase wieder hoch.

Ich presste meine Lippen aufeinander und schloss für einen kurzen Moment die Augen. Mein Vater. Wie sehr ich mich danach sehnte ihm wieder in die Augen blicken zu können und seine tiefe Stimme wieder hören zu können. Zehn Jahre, waren eine viel zu lange Zeit um ohne seinen Vater zu leben. Vor allem als Kind und Jugendliche.

„Denkst du Papa kommt irgendwann mal wieder?", wisperte ich und zweifelte daran, dass er überhaupt wieder kommen würde. Meine Mutter nickte bestimmt. „Er wird wieder kommen. Ganz sicher", sagte sie und klang dabei aber auch nicht gerade überzeugt.

„Wenn er wieder kommt, dann ist alles anders. Und ich weiß nicht, ob es Gut oder Schlecht ist. Was passiert wenn er wieder da ist?", fragte ich leise und unterdrückte die aufkommenden Tränen. „Ich weiß es nicht Schatz. Ich weiß es nicht", murmelte meine Mutter verzweifelt und drückte meine Hand noch fester als sie es eh schon tat.

Es klopfte zwei Mal an der Tür und meine Mutter richtete sich reflexartig geschäftsmäßig auf. Die weiße Tür wurde geöffnet und Ludger trat mit einem besorgten Gesichtsausdruck in das Zimmer ein. Ein erleichtertes Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus, als er erkannte, dass ich wach war.

„Wie geht es dir? Hier, die Blumen sind von den Jungs und die hier von den Mädels", sagte Ludger und hob erst den ersten Blumenstrauß und anschließend den anderen in seinen Händen hoch. „Die Jungs schicken mir Blumen?", fragte ich sichtlich überrascht und hatte den Drei gar nicht zugetraut, dass sie so einfühlsam waren.

Ludger nickte schweigend und ließ sich anschließend auf der anderen Bettseite nieder. Die Blumen stellte er auf dem kleinen Nachttischchen zu meiner Rechten ab. „Sie sind alle sehr besorgt um dich. Du bist die einzige, die Philipp noch mehr ärgert als Christian es eh schon tut. Und Henrik möchte all deine Bayerischen Geheimrezepte für die Pferde wissen, und für Chris bist du ja schon so etwas wie seine beste Freundin, also wäre für uns alle der Verlust schwer", gestand Ludger und faltete seine Hände auf seinem Schoß.

Ein schmales Grinsen bildete sich auf meinen Lippen. „Ich hab die Jungs auch gerne, wobei es sich gerade so angehört hat, als wollen sie mich nur wegen meinen Kenntnissen und nicht wegen meinem Charakter", stellte ich mit einem ironischen Unterton fest und zauberten meinen Anwesenden ein Lächeln auf das Gesicht.

„Matti, Nati und Lily haben sich auch bei mir gemeldet und richten die besten Besserungswünsche aus. Leider bekommen sie von ihrer Arbeit nicht frei und müssen in Bayern bleiben", sagte meine Mutter und schenkte mir ein aufrichtiges Lächeln.

„Wo bin ich eigentlich?", fragte ich, nachdem mir meine bayerische Heimat wieder vor die Augen trat und ich gezwungenermaßen an meine besten Freunde zurück in Bayern dachte. „In Westerstede. Einem Bundeswehrkrankenhaus. Das war das einzige Krankenhaus, das für eine Notoperation ausgestattet war. Außerdem haben wir ja einen gewissen Vorteil wegen deinem Vater", meinte meine Mutter und verzog ihre Lippen zu einem schmalen Strich, als das Thema wieder zu meinem Vater kam.

Ich merkte wie Ludger seine Stirn runzelte und fragend zu meiner Mutter blickte. Ich räusperte mich und sagte: „Mein Vater ist Soldat. Seitdem ich Acht bin habe ich ihn nicht mehr gesehen. Er ist im Krisengebiet eingesetzt und rettet dort wohl jeden Tag Menschen das Leben. Aber das ich ohne Vater aufwachse, an das hat er nicht gedacht", meinte ich mit einem kurzen spöttischen Grinsen am Ende.

Ludger nickte sofort verstehend und klopfte mir auf meinen Arm. „Du weißt, dass du wegen jedem noch so kleinen Problem zu mir kommen kannst", sagte Ludger ernst und blickte mich dabei eindringlich an.

Ein kleines Lächeln bildete sich auf meinen Lippen. „Danke. Ich weiß und dafür bin ich dir auch dankbar"

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