Credits... wie das Schicksal seinen Lauf nimmt

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  Die Wochen zogen über Chainston hinweg, Wochen in denen langsam das Gefühl von Normalität zurückkehrte. Es war bereits Dezember und die kalten Temperaturen zauberten ihre Frostgemälde an die Fenster und auf die Dächer der Stadt. Es war Sonntag, überall herrschte eine harmonische Ruhe, alle Geschäfte waren geschlossen, außer Gwens Diner. Aus dem Schornstein des Gebäudes stieg Rauch auf und in der Küche schien sich einiges zu tun. Eine Hand voll Personen saß vorne an einem der runden Esstische, Mik hatte Bill, Mary, Jason und Jane zu einem Essen eingeladen, Steven war auch mit dabei, er half Mik in der Küche.

"Ich bin froh, dass das Ganze ein Ende hat.", meinte Mik, als er die letzten Speisen an den Tisch trug und sich zu seinen neu gewonnen Freunden setzte. Seit zwei Wochen war er aus dem Krankenhaus entlassen wurden und seither führte er das Diner mit neuer Energie.

"Da bist du nicht der einzige.", sagte Jason.

"Ich frage mich, ob wir Zeus nochmal zu Gesicht bekommen. Er wollte sich schließlich noch einmal blicken lassen.", warf Mary ein, während sie ihr Essen genoss. Aus dem Nichts tauchte der fast zwei Meter große Donnergott auf, sein Gesicht ließ auf einen entspannten Zustand schließen, das hieß bei dem sonst emotionslosen Zeus nicht viel.
 "Ich habe euch nicht vergessen.", er nahm sich einen Stuhl vom Nachbartisch und stellte ihn zwischen Bill und Jane.
"Klotho, oder Cloe wie ihr sie nennt, arbeitet wieder mit ihren Schwestern zusammen. Sie steht zwar unter Beobachtung der Götter, aber sie erledigt ihre Aufgaben.", erklärte er.

Jane flogen seit dem Abend im Kino so viele Fragen durch den Kopf und jetzt, wo Zeus neben ihr saß, fanden sie keinen Weg aus ihrem Mund. Vorsichtig wagte sie sich an den Gedanken, der ihr über die ganzen Wochen keine Ruhe ließ.

"Zeus, was meinte Cloe, als sie sagte ich wäre ihre Hauptrolle gewesen?", die Frage klang beinahe schüchtern. Der Gott nahm sich eines der Baguettestücken von der Mitte des Tisches.

"Zu Beginn dieses schrecklichen Theaters hat sie wohl eine Assistentin gesucht. Sie wollte etwas wie ihre persönliche Marionette. Jemanden der die ganze Zeit an ihrer Seite steht und alles tut was ihr in den Sinn kommt.", erklärte Zeus.

"Das heißt, ich war die erste mit dieser Paranoia?", fragte Jane erstaunt. 

"Scheint so. Sie wollte dich anscheinend als wandelndes Beispiel an ihrer Seite. Doch wenn man sich ihrem Willen so sehr wiedersetzt wie du, wird sie echt wütend. Ihre Wut äußert sich so, dass sie die Menschen dazu bringt freiwillig ihr Leben zu beenden, dann muss sie sich nicht die Hände schmutzig machen.", seine Worte klangen ruhig und gelassen.  

"Und ich wären an dem Abend meines... Selbstmordversuchs gestorben?", fragte sie beklommen. Zeus schnaubte ein besserwisserisches Lachen heraus.

"Na, hör Mal! Eine große Flasche Whiskey und drei Päckchen Xanax in fünf Minuten. Wie soll man das überleben? Lachesis und Atropos haben dich auf der Stelle zurückgeholt, weil sie wussten, dass Cloe eine Art Bindung zu dir aufgebaut hat.", sprach Zeus.

Jane spürte wie ihr Herz ein letztes Mal von diesen Vorkommnissen ergriffen wurde. Es war ihr Gelungen die damaligen Ereignisse loszulassen, dieses Schreckgespenst aus der Zeit wich langsam von ihr und sie war sich bewusst, dass diese Zeit bald nichts mehr als ein paar schreckliche Erinnerungen waren. Erinnerungen mit denen sie fertig werden konnte.


Mik starrte Zeus mit leichter Verwirrung an. "Charles... ähm Zeus, ist es Gwen genauso ergangen?", fragte Mik.

"Sie hat sich vehement gegen die Paranoia und Cloes leeren Versprechen gewehrt.", bestätigte Zeus seine Vermutung.  
Mary hob ihr Glas das Mik zuvor mit seinem besten Wein gefüllt hatte.

"Wir sollten darauf anstoßen, dass alles anders gekommen ist.", sagte sie. Die Gläser klirrten und die Stimmung hellte sich in Sekunden wieder auf. Zeus, der sich mit Bedacht an Bills Seite gesetzt hatte ließ seiner Gefühlskälte freien Lauf und gab sich gewohnt sachlich.

"Ich bin gekommen, weil ich Cloes schwarzes Buch holen wollte. Du es dabei, stimmt's Bill?", fragte Zeus spitzfindig. Bill schaute etwas enttäuscht drein, hatte er doch noch einiges vorgehabt mit diesem mystischen und uralten Schriftstück. Er holte es aus seiner Tasche.

"Ich bin nicht ganz schlau daraus geworden, um was geht es in dem Buch?", fragte Bill neugierig. Zeus nahm das Buch an sich.

"Wir nennen es das Buch der Unterwelt. Mein Bruder Hades hat es geschrieben, als er die Unterwelt und Tartaros schuf. Es ist so was wie eine Formelsammlung zum Wandeln zwischen den Welten. Nichts für Menschenaugen.", sagte Zeus. Jane beobachtete den Donnergott einen Augenblick, sie war verwundert, dass er so friedlich bei ihnen saß.

"Was wirst du jetzt machen?", fragte sie. Zeus hob eine Augenbraue, mit einer solchen Frage zu seiner Person hätte er nicht gerechnet.

"Klotho hat da oben ein ganz schönes Chaos angerichtet und die eine oder andere Gottheit verärgert. Ich bin dabei alles wieder in seine Bahnen zu lenken. Es geht immerhin um meine Töchter.", sagte er, wobei dieser Satz durchweg menschlich klang. Ein Moment des Schweigens trat ein, dies nutzte Zeus als Stichwort und erhob sich.

"Vielleicht werden sich unsere Wege noch einmal kreuzen. Lebt wohl." Ohne großes Aufsehen verschwand der Gott.

Jason grinste Bill in einer sarkastischen Laune an, er ahnte etwas als Bill das Buch ohne Protest an Zeus übergab.

"Du hast eine Kopie des Buches erstellt, oder?", Jason konnte diese Frage einfach nicht mehr zurück halten. Bill konnte es kaum noch verbergen und musste ebenfalls anfangen zu grinsen.

"Der Beruf eines Antiquars hat durchaus seine Vorteile.", war seine Antwort darauf. Jason nahm einen tiefen Schluck aus dem Weinglas.

"Du hast wieder vor Mysterien nach zu jagen. Das sehe ich dir förmlich an.", erwiderte Jason. Bill schaute zur Fensterfront hinüber, die den Blick auf den Parkplatz freigab.

"Vielleicht nicht mehr in dem Ausmaß wie früher, aber mit dem richtigen Team könnte ich mir das schon vorstellen.", sagte er. Jane, Mary und Jason sahen einander entschlossen an, Jane tippte mit ihrem Zeigefinger gegen ihre Stirn.

"Auf jeden Fall haben wir eine Vorstellung von dem war uns erwartet."

Nach dem Essen entschlossen sich die vier aufzubrechen. Mik, der sich überaus dankbar zeigte, verabschiedete sich bei jedem persönlich. Auf dem Parkplatz nahmen nun auch die vier soeben selbst ernannten Jäger abschied voneinander.

"Jason, ich melde mich bei dir sobald es wieder etwas Interessantes gibt."sagte Bill und schüttelte ihm die Hand.

"Gut, du weißt ja wo du mich findest.", antwortete Jason.

Jane und Mary standen etwas abseits von den beiden anderen.

"Ist bei dir auch alles OK?", fragte Jane.

"Wir sehen diese ganze Welt mit anderen Augen und wir leben nun wohl auch ein anderes Leben. Ich bin froh ein Teil davon zu sein.", erwiderte Mary. Jane lächelte sie verstohlen an.

"Ich bin auch froh, dass ich damals auf dich gestoßen bin, das war wohl...", begann Jane. 

"...Schicksal?", fuhr Mary fort. Beide mussten herzlich anfangen zu lachen, obwohl sie wussten, dass diese Worte eine gewisse Wahrheit verbargen.

"Ich muss los, Bill nimmt mich noch mit in die Stadt.", sagte Mary. Jane umarmte sie zum Abschied.

"Bis bald.", sagte sie und beobachtete wie Mary in Bills Wagen stieg und sie zusammen weg fuhren. Jason legte seinen Arm um Janes Taille.

"Es ist komisch, seit wir uns damals verloren haben, dachte ich das Leben wird niemals wieder so werden wie früher.", sagte er. Jane drehte sich zu ihm und sah ihn tief in seine blauen Augen, was sie so gerne tat.

"Wie gut, dass du recht behalten hast." Sie gab ihn einen Kuss, den er auf der Stelle leidenschaftlich erwiderte. Sie stiegen in Janes roten Mustang, die angehende Wintersonne hatte ihre Runde für heute schon zur Hälfte hinter sich gebracht und ließ die Schatten auf dem Boden immer länger werden. Das Auto startete und fuhr durch den kalten Wind davon.  

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