~ The last conversation ~

Mit wackligen Knien folgte ich Emma in unser ehemaliges Lieblingskaffee. Die Autofahrt über hatte sie nur mit Reece geredet, um ihm den Weg zu beschreiben, den ich sicher auch noch gewusst hätte. Ich saß einfach nur vorne, starrte nach draußen und wagte es nicht meine ehemalige beste Freundin in ein Gespräch zu verwickeln. Ich traute mich nicht mit ihr über ganz banale Dinge zu reden, weil ich das Gefühl hätte, dass es lächerlich und respektlos war. Schließlich kamen wir gerade erst von dem Grab ihrer Mutter. Ich konnte nicht so tun als wäre nichts gewesen. Also blieb ich einfach stumm und sah aus dem Fenster.

Reece war dicht hinter mir, als ich nach Emma das Kaffee betrat. Es hatte sich nichts verändert. Alles sah so aus wie vorher. Ich ließ meinen Blick über die Tische wandern und erkannte einige Gesichter wieder. Um genau zu sein kannte ich jeden einzelnen, der sein Gespräch einstellte und seine Augen auf mich richtete. Ich wusste, dass sobald ich an ihnen vorbei gehen würde, würden sie anfangen zu tuscheln. In ein paar Stunden würde sicher der gesamte Vorort Bescheid wissen. Trotzdem ging ich tapfer an der Klatschtante Grace Hoyt vorbei, welche ich seit meiner Kindheit kannte und nur ein paar Häuser weiter gelebt hatte. Mom hatte sich jeden Abend über die etwas ältere Dame aufgeregt. Sie hatte sie nach der Arbeit immer abgefangen und sie in ein Gespräch über den neusten Tratsch verwickelt, den meine Mom eigentlich nie wirklich interessiert hatte. Nun lagen die braunen Augen der Frau auf mir. In dem Moment, in welchem ich an ihr vorbei lief, wusste ich, dass sie sich ungläubig nach mir umdrehen würde und danach ihrer Schwester, die neben ihr saß, alles über mich und mein Verschwinden erzählen würde. Wie sie es schon vor etwas mehr als einem Jahr getan hatte. Ich ließ die angehaltene Luft leise entweichen, als ich Reece Hand auf meinem Rücken spürte und ohne mich umzudrehen, konnte ich seinen verärgerten Blick, welcher den Leuten galt, erahnen. Ich schluckte schwer, als Emma auf unseren alten Stammplatz zusteuerte, den wir extra so gewählt hatten, da wir dann immer vor den neugierigen Blicken der Leute abgeschirmt waren. Dieses Mal war ich mehr als dankbar dafür. Entfernt hörte ich die aufgeregten Stimmen der Besucher des Kaffees, als ich mich auf den Stuhl niederließ und Reece fragend stehen vor dem Tisch stehen blieb.

„Soll ich draußen warten?", fragte er uns beide, aber dabei vor allem mich, während sein besorgter Blick auf mir ruhte.

„Du kannst ruhig bleiben, obwohl ich keine Ahnung habe, wer du überhaupt bist. Maddie scheint dir jedenfalls zu vertrauen. Der alten Zeiten wegen tue ich es deshalb also auch.", antwortete Emma für mich, so wie sie es meistens getan hatte, da ich viel zu schüchtern war, um mich zu behaupten. Doch dieses Mal klang ihre Stimme so kalt und distanziert, dass es mich schmerzte.

Ich blickte zu Reece hoch, welcher leicht eine Augenbraue hochzog, wahrscheinlich, weil er von Emmas Tonfall überrascht war. Ich konnte quasi seine Gedanken lesen. Sicher fragte er sich gerade, ob Emma genauso arrogant war wie sie jetzt wirkte. Um ehrlich zu sein, ja. Ja, sie war schon immer sehr „arrogant" gewesen. Aber genau deshalb waren wir beste Freundinnen gewesen. Sie war zu arrogant und ich zu wenig. Reece sah mich nochmal mit gerunzelter Stirn an. Dann zog er sich aber einen Stuhl herbei und setzte sich ganz dicht neben mich, sodass sich unsere Knie berührten. Ich atmete tief ein und rang damit die richtigen Worte zu finden. Mir fiel aber nichts ein. Mein Kopf war wie leer gefegt als ich in dieses so vertraute, aber doch so fremd gewordenen Gesicht meiner ehemaligen besten Freundin blickte. Mich erfüllte eine unendliche Traurigkeit, weil ich realisierte, wirklich realisierte, dass alles, was wir in mehr als dreizehn Jahren erlebt hatten, zusammen durchgestanden hatten, vorbei war. Es würde kein vierzehntes Jahr geben. Egal, wie dieses Gespräch verlaufen würde. Es wird vermutlich das letzte sein, was wir je führen würden. Ich war dankbar, als die Kellnerin schließlich an unseren Tisch kam und diese bedrückende Stille unterbrach.

Those who leftLies diese Geschichte KOSTENLOS!